Am 9. September 2026 erscheint mein neuer historischer Roman. In den nächsten Monaten bis zur Veröffentlichung möchte ich dir einige Einblicke hinter die Kulissen gewähren.
Hast du dich schon mal gefragt, wie der Titel für einen Roman festgelegt wird? Wie viel Mitspracherecht hat eine Autorin?
Heute erzähle ich dir, wie der Gmeiner Verlag den Titel für meinen neuen Roman entwickelt hat, der lautet: „Der Parfümeur aus der Glockengasse, der ein Blumenmädchen liebte – Die Anfänge einer Duftdynastie“.
Arbeitstitel ist nicht gleich finaler Buchtitel
Wenn ich an einem Manuskript schreibe und es bei einer Agentur oder einem Verlag vorstelle, trägt es noch den sogenannten Arbeitstitel. Den vergebe ich selbst und versuche dabei, möglichst prägnant und bestenfalls auch wohlklingend die Essenz meiner Geschichte auszudrücken.
Bei meinen bisherigen beiden historischen Romanen lauteten die Arbeitstitel „Das Lachen der Pinguine“ und „Im Takt ihrer Träume“. Wie du merkst: Diese Arbeitstitel haben dem Verlag so gut gefallen, dass sie als finale Buchtitel übernommen worden sind. Das ist jedoch eher die Ausnahme.
Der Arbeitstitel für meinen Kölnisch-Wasser-Roman lautete: „4711 – Die Kölner Duft-Dynastie“. Zunächst hatte ich das Projekt als Trilogie geplant, da die Familien- und Firmengeschichte über zwei Jahrhunderte und sechs Generationen von 1792 (Firmengründung durch Wilhelm Mülhens) bis in die Wirtschaftswunderjahre im 20. Jahrhundert jede Menge dramatischen Romanstoff bietet.
Doch letztlich habe ich mich entschieden, vorerst in einem Einzelband den Fokus auf einen überschaubaren Zeitraum (1873 bis 1877) und nur eine Person zu richten, nämlich auf Ferdinand Mülhens, unter dessen Leitung die Marke „4711“ ihre Geburtsstunde erlebte und dessen verbotene Liebe zum Wiener Blumenmädchen Ottilie Riedl mich besonders berührt hat.

Nachdem ich im September 2025 den Verlagsvertrag mit Gmeiner geschlossen und das Manuskript im November eingereicht habe, begannen die Rädchen im Verlags-Getriebe zu laufen: Die Abteilungen Marketing und Vertrieb ebenso wie das Lektorat haben sich Gedanken über die Vermarktung meines Romans gemacht, der vom Verlag als überregionaler Spitzentitel im Herbstprogramm 2026 platziert wird.

Du musst wissen, dass die Entscheidungshoheit über den Buchtitel und die werblichen Texte beim Verlag liegt, denn dieser hat die Rechte am Manuskript gekauft und trägt auch das finanzielle Risiko, ob ein Buch im Verkauf die Produktionskosten wiedereinspielt.
Doch niemand kennt den Inhalt des zu verkaufenden Buches besser, als die Autorin / der Autor, sodass der Verlag diese eng miteinbezieht: Ich durfte einen Fragebogen ausfüllen. Darin habe ich Vorschläge für verschiedenartige werbliche Texte formuliert: Kurze Slogans, den U4-Umschlagtext (Buchrückseite, kürzer), den Klappentext (Buchinnenseite, länger) sowie „Blurbs“ (lobende Zitate aus Rezensionen zu meinen bisherigen Romanen), die z.B. in der Programmvorschau für den Buchhandel verwendet werden können.
Hier ein paar Beispiele aus meinen Eingaben:
Headline für Klappentext (max. 20 Zeichen):
„Der Duft der Liebe“
Mögliche Werbeaussage (max. 150 Zeichen):
„Eine berührende Liebesgeschichte und ein farbenprächtiges Panorama der Belle Époque.“
Einstieg in Klappentext:
„Der Parfümeur und das Blumenmädchen: Eine Liebe gegen alle Konventionen und der Siegeszug der Marke 4711 um die Welt.“
Aus diesen Vorschlägen hat meine Lektorin zusammen mit der Marketing-Abteilung dann die werblichen Texte erstellt: Zu diesen durfte ich Änderungsvorschläge machen, die tatsächlich so übernommen wurden.
Wie geht es dir als Lesebegeisterte? Was nimmst du bei einem Buch als Erstes wahr?
Die Marketingprofis wissen: Der Buchtitel ist sehr wichtig, denn darin stecken wesentliche Infos: worum es geht (Person, Ort) und die Emotion und Atmosphäre (je nach Genre darf der Buchtitel auch rätselhaft klingen und neugierig machen).
Deshalb war die nächste wichtige Weichenstellung für meinen Buchtitel: Darf der Verlag die ikonische Zahl 4711 verwenden?

Die Zahl 4711 und das Markenrecht
Historisch betrachtet handelt es sich um die französische Hausnummer des Stammhauses der Familie Mülhens in der Glockengasse in Köln. Doch bereits im Jahr 1875 hat Ferdinand Mülhens die Zahl „4711“ als Markennamen für sein Kölnisch Wasser schützen lassen. Diese Marke befindet sich heutzutage nicht mehr im Familienbesitz, sondern gehört der Firma Mäurer und Wirtz, die das berühmte „4711 Echt Kölnisch Wasser“ nun herstellt und vertreibt.
Also ist der Gmeiner Verlag an diese Firma herangetreten, hat unser Buchprojekt vorgestellt und eine Kooperation vorgeschlagen, so wie es in den letzten Jahren bei einigen Romanen mit Unternehmensgeschichten erfolgreich praktiziert worden ist. So z.B. bei „Die Teehändlerin – die Ronnefeldt-Saga“ von Susanne Popp bei Fischer, „Lindt & Sprüngli“ von Lisa Graf bei Goldmann und „Ritter Sport“ von Romy Herold bei Blanvalet.
Im Februar haben wir die Entscheidung der Firma erfahren: Sie untersagt die Nutzung des Markennamens für unser Buch und möchte uns nicht im Rahmen einer Kooperation unterstützen. Dafür gibt es einen bestimmten Grund, den ich dir erst im Frühjahr 2027 verraten darf.
Du kannst dir vorstellen, dass ich darüber ziemlich enttäuscht war.
Also hieß es für uns: Wir müssen einen Titel finden, der ohne die Zahl auskommt, dabei jedoch die Leseinteressierten erkennen lässt, um welches Produkt und welche historische Firmengeschichte es sich handelt.
Eine Zeit lang waren unsere Titel-Favoriten: „Der Duft der Liebe“ oder „Der Parfümeur und das Blumenmädchen“. Doch im Verlag wollte man auch die Glockengasse als Erkennungsmerkmal mit einflechten. Und so ist die Wahl schließlich auf diesen etwas längeren Titel gefallen:
„Der Parfümeur aus der Glockengasse, der ein Blumenmädchen liebte – Die Anfänge einer Duftdynastie“.
Nun weißt du, wie viele Schritte und Entscheidung nötig waren, um den passenden Titel und die werblichen Texte für meinen Roman zu finden.
Hier siehst du, wie mein Roman in der Gmeiner-Programmvorschau für den Herbst 2026 präsentiert wird:




Sehr interessant! Danke für den lebendig erzählten Einblick. Ich finde das Cover des Romans sehr schön und den Titel gut passend: Ich erkenne schnell, um was es geht und wer die Hauptfiguren sind.
Ich drücke deinem Duftwasser-Roman fest die Daumen für einen super Start in den Buchläden im September und für viele begeisterte Lesende!
Das freut mich sehr. Herzlichen Dank liebe Dorit! 🙂