Dank Jonas Kaufmann springt der Funke der Operette über und reißt das Publikum in der Alten Oper Frankfurt von den Sitzen

Frankfurt, 9. Mai 2026

Im fulminanten Abschlusskonzert seiner Operetten-Tournee erweist sich Star-Tenor Jonas Kaufmann als wahrer Botschafter dieses Repertoires, das heutzutage fast in der Versenkung verschwunden ist. Das mitreißende Programm mit Stücken von ungarischen Komponisten wie Emmerich Kálmán, Franz Lehár, Karl Goldmark und Paul Abraham bietet eine große Bandbreite von Gefühlen. Mal wird in melancholischen Tönen die Heimatliebe besungen, dann übernimmt die Sehnsucht nach einem Ort der rosaroten Glückseligkeit. Zudem schwelgen Tenor und Sopran mit einigem Herzschmerz in der Liebe und nicht zuletzt jubilieren und tanzen sie voller Ausgelassenheit und vermitteln pure Lebensfreude, wobei das Publikum begeistert mitgeht.

Malin Byström und Jonas Kaufmann. Foto © Andreas Etter.

Dabei wird das ungarisches Flair spürbar, so wie es die damaligen Komponisten in nostalgischer Verklärung ihrer Heimat gezeichnet haben. Denn sie wollten sich mit ihrer Musik gegen die kulturelle Dominanz der Donaumonarchie behaupten. Gleich die erste Arie „Mondd meg, hogy imádom a pesti nőket“ (Wenn es Abend wird / Grüß mir mein Wien) singt Jonas Kaufmann mit schwärmerischer Samtigkeit auf Ungarisch.

Danach begrüßt der Tenor sein Publikum und erklärt, warum gerade dieses Stück in seiner Ursprungssprache dargeboten werden müsse, weil es eine Hommage an Budapest und die ungarischen Frauen sei, anders als in der deutschen Übersetzung, in der das Loblied der Donaumetropole und den reizenden Frauen aus Wien gilt. Eloquent und einnehmend vermittelt Kaufmann seine Begeisterung für das Operetten-Repertoire, dem er sein neues Album „Magische Töne“ gewidmet hat. Die dazu passende Tournee hat ihn und seine musikalische Begleitung in diesen Wochen durch 13 Städte in Europa geführt. Frankfurt ist an diesem Abend das letzte Konzert und der Tenor bekennt, dass ihn heute einige Wehmut überkommt und er sein geliebtes Operetten-Repertoire vermissen wird und sich gleichzeitig schon auf seine nächste Tournee freut (die er im Frühjahr 2027 mit einem Verdi-Programm bestreiten wird).

Jonas Kaufmann. Magische Töne Album. Foto: Sony Classical 2026_c_Dario Acosta

Lebensfreude und Feierlaune versprühen die dargebotenen Arien und Duette, die in eine sorgenfreie Welt entführen „wo die Rosen blühn“ („Komm mit nach Varasdin“), wo Kaufmann und seine Bühnenpartnerin, die Sopranistin Malin Byström verspielt dazu tanzen – mit Bewegungen, die an den Charleston erinnern. Die Tanzfreude setzt sich fort im Duett „Tanzen möcht ich … Tausend kleine Engel singen“, bei dem Tenor und Sopran schwungvoll im Walzertakt über die Bühne zu fegen. In der letzten Zugabe „Die Juliska aus Budapest“ hüpfen und klatschen beide ausgelassen und Kaufmann nimmt am Ende sogar den Platz des Dirigenten Jochen Rieder ein, der zuvorkommend sein Podest geräumt hat, und dirigiert die finalen Takte des Orchesters mit jungenhaftem Vergnügen.

Auch den Musizierenden der Philharmonie Baden-Baden merkt man an, dass der Enthusiasmus von Kaufmann und die mitreißende Musik im Laufe der Tournee auf sie übergesprungen ist: So erheben sich die ersten Geiger bei den Tanzeinlagen der Solisten ebenfalls von ihren Stühlen und schwingen mit in dieser Feierlaune.

Malin Byström und Jonas Kaufmann. Foto © Andreas Etter.

Mit dieser musikalisch zelebrierten Glückseligkeit trifft Kaufmann auch den Nerv seines Publikums. In der heutigen Zeit, in der wir täglich mit Nachrichten von Kriegen und Katastrophen konfrontiert werden, kommt eine solche Weltflucht gerade gelegen. Wer möchte nicht für kurze Zeit seine Sorgen vergessen?

So ist es nicht verwunderlich, dass dieses Repertoire seine Glanzzeit im Nachkriegsdeutschland und im Österreich der 1950er und 60er Jahre erlebt hat. Diese Stücke dürften einigen Menschen von den Schallplatten von Rudolf Schock bekannt sein, der sie seinerzeit zu Gassenhauern gemacht hat. Auch heute zaubert diese Musik den Zuhörenden ein Lächeln auf die Lippen.

Doch es gibt auch leise und innige Momente an diesem Abend. Besonders ergreifend interpretiert Jonas Kaufmann „Immer nur lächeln“, was den Zwiespalt zwischen der Sehnsucht nach Glück und Zufriedenheit und der Realität bestens zum Ausdruck bringt. Geht es in dem Lied nur um eine Frau, deren Liebe der Sänger nicht gewinnen kann, so dringt das Gefühl der Melancholie und einer bitteren Wahrheit jedoch tiefer.

Wenn es im Text heißt: „Lächeln trotz Weh und tausend Schmerzen, Doch wie’s da drin aussieht, geht niemand etwas an“, dann wundere ich mich nicht, dass dieses Lied geradezu als Lebensmotto der Menschen von damals gelten konnte, die vom 2. Weltkrieg traumatisiert waren und über ihre schlimmen Erinnerungen und ihre Schuld möglichst den Mantel des Schweigens gehüllt haben. Da kamen diese gutgelaunten Lieder mit viel Zuckerguss gerade recht. Man wollte eine heile Welt beschwören, die es nie gegeben hat – auch nicht, als diese Musik entstanden ist. Denn wenn man genau hinhört, schwingt auch viel Traurigkeit in diesen Stücken mit.

So macht Kaufmann im „Wolgalied“ (Allein, wieder allein) die Einsamkeit eines Soldaten, der auf verlorenem Posten für sein Vaterland kämpft auf eindringliche Weise spürbar. Dabei zeigt Kaufmann die vielen Schattierungen seiner Stimme, die in der Mittellage balsamisch weich und warm klingt.

Zwischen den Stücken erweist sich Kaufmann als spontaner und charmanter Moderator. Das Stück „Mint száműzött, ki vándorol … Hazám, hazám, te mindenem“ sei quasi die inoffizielle Nationalhymne der Ungarn, das Wort „Hazám“ bedeute „Heimat“ erklärt er. Diese Musik drücke das Selbstverständnis der Ungarn als eigenständiges Land aus, auch wenn es sich damals als Königreich in der Donaumonarchie dem mächtigen Kaiserreich Österreich unterordnen musste. Was wir heute über diese Zeit wüssten, stamme aus dem „Bildungsfernsehen mit Romy Schneider“ witzelt der Tenor und sorgt damit für einige Lacher bei den Leuten, die wohl alle mit den schnulzigen „Sissi“-Filmen groß geworden sind.

Das Programm bietet auch große romantische Gefühle, so in der schwärmerischen Arie eines frisch verliebten Jünglings „O Mädchen, mein Mädchen“ aus Friederike. Hier stellt Kaufmann in der Anmoderation den Bezug zu Frankfurt her, denn der Held dieser Operette ist kein geringerer als Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe, ein Kind dieser Stadt, dessen erste große Liebe hier für „süße“ Unterhaltung sorge.

Ein besonders magischer Moment des Abends ist die Arie „Magische Töne, berauschender Duft“ aus Die Königin von Saba, die Kaufmann zart und betörend mit Kopfstimme singt und dabei in eine sphärische Welt aus Goldstaub entführt. Begleitet wird der Tenor dabei von den himmlischen Klängen der Harfe.

Jonas Kaufmann beweist an diesem Abend seine Vielseitigkeit als Interpret und setzt seine Stimmfarben und sein goldenes Timbre schmeichlerisch und gefühlvoll ein, doch auch die schwungvollen und heroischen Momente gelingen ihm bestens.

Auch die Schwedin Malin Byström vermag mit ihrem dramatischen Sopran das Publikum zu begeistern. An der Seite von Kaufmann erweist sie sich als selbstbewusste und stimmstarke Duettpartnerin. Zwar wirkt das ungarische Temperament auf mich ein wenig aufgesetzt. Doch mit der letzten Arie „Meine Lippen, sie küssen so heiß“ gelingt ihr ein feuriger Höhepunkt.

Jonas Kaufmann (Tenor), Malin Byström (Sopran) und Jochen Rieder (Dirigent) beim Schlussapplaus. Foto © Andreas Etter.

Der Star-Tenor und die Sopranistin bieten einen mitreißenden und bewegenden Musikgenuss auf höchstem Niveau, auch die Philharmonie Baden-Baden unter der Leitung von Jochen Rieder trägt ihren Teil zu diesem gelungenen Abend bei. Das Publikum in der Alten Oper Frankfurt gibt begeisterte Standing Ovations und wird mit fünf Zugaben belohnt.

PROGRAMM

Emmerich Kálmán (1882–1953)

Ouvertüre

Wenn es Abend wird (Grüß mir mein Wien) / Mondd meg, hogy imádom a pesti nőket

aus: Gräfin Mariza

Franz Lehár (1870–1948)

Hör’ ich Cymbalklänge

aus: Zigeunerliebe

Franz Lehár

Allein, wieder allein (Wolgalied)

aus: Der Zarewitsch

Emmerich Kálmán

So verliebt kann ein Ungar nur sein (Tief wie der Bergsee)

aus: Der Teufelsreiter

Johann Strauß (Sohn) (1825–1899)

Einzugsmarsch

aus: Der Zigeunerbaron

Emmerich Kálmán

Komm mit nach Varasdin

Komm, Zigány

aus: Gräfin Mariza

Ferenc Erkel (1810–1893)

Mint száműzött, ki vándorol … Hazám, hazám, te mindenem

aus: Bánk bán

Pause nach ca. 45 Minuten

Franz Lehár

Ouvertüre

Immer nur lächeln

Wer hat die Liebe uns ins Herz gesenkt

aus: Das Land des Lächelns

Franz Lehár

O Mädchen, mein Mädchen

aus: Friederike

Karl Goldmark (1830–1915)

Nacht-und Festmusik

Magische Töne, berauschender Duft

aus: Die Königin von Saba

Emmerich Kálmán

Heia, heia, in den Bergen ist mein Heimatland

Tanzen möcht ich … Tausend kleine Engel singen

aus: Die Csárdásfürstin

ZUGABEN

Paul Abraham, Will dir die Welt zu Füßen legen, aus: Die Blume von Hawaii
Franz Lehár, Meine Lippen, die küssen so heiß, aus: Giuditta
Franz Lehár, Schön wie die blaue Sommernacht, aus: Giuditta
Paul Abraham, Nur ein Mädel gibt es auf der Welt, aus: Viktoria und ihr Husar
Fred Raymond, Die Juliska aus Budapest, aus: Maske in Blau

Wie entstehen Titel und Klappentext meines Romans? Habe ich als Autorin ein Mitspracherecht dabei?

Am 9. September 2026 erscheint mein neuer historischer Roman. In den nächsten Monaten bis zur Veröffentlichung möchte ich dir einige Einblicke hinter die Kulissen gewähren.

Hast du dich schon mal gefragt, wie der Titel für einen Roman festgelegt wird? Wie viel Mitspracherecht hat eine Autorin?

Heute erzähle ich dir, wie der Gmeiner Verlag den Titel für meinen neuen Roman entwickelt hat, der lautet: „Der Parfümeur aus der Glockengasse, der ein Blumenmädchen liebte – Die Anfänge einer Duftdynastie“.

Arbeitstitel ist nicht gleich finaler Buchtitel

Wenn ich an einem Manuskript schreibe und es bei einer Agentur oder einem Verlag vorstelle, trägt es noch den sogenannten Arbeitstitel. Den vergebe ich selbst und versuche dabei, möglichst prägnant und bestenfalls auch wohlklingend die Essenz meiner Geschichte auszudrücken.

Bei meinen bisherigen beiden historischen Romanen lauteten die Arbeitstitel „Das Lachen der Pinguine“ und „Im Takt ihrer Träume“. Wie du merkst: Diese Arbeitstitel haben dem Verlag so gut gefallen, dass sie als finale Buchtitel übernommen worden sind. Das ist jedoch eher die Ausnahme.

Der Arbeitstitel für meinen Kölnisch-Wasser-Roman lautete: „4711 – Die Kölner Duft-Dynastie“. Zunächst hatte ich das Projekt als Trilogie geplant, da die Familien- und Firmengeschichte über zwei Jahrhunderte und sechs Generationen von 1792 (Firmengründung durch Wilhelm Mülhens) bis in die Wirtschaftswunderjahre im 20. Jahrhundert jede Menge dramatischen Romanstoff bietet.

Doch letztlich habe ich mich entschieden, vorerst in einem Einzelband den Fokus auf einen überschaubaren Zeitraum (1873 bis 1877) und nur eine Person zu richten, nämlich auf Ferdinand Mülhens, unter dessen Leitung die Marke „4711“ ihre Geburtsstunde erlebte und dessen verbotene Liebe zum Wiener Blumenmädchen Ottilie Riedl mich besonders berührt hat.

Das Blumenmädchen Ottilie Riedl aus Wien.

Nachdem ich im September 2025 den Verlagsvertrag mit Gmeiner geschlossen und das Manuskript im November eingereicht habe, begannen die Rädchen im Verlags-Getriebe zu laufen: Die Abteilungen Marketing und Vertrieb ebenso wie das Lektorat haben sich Gedanken über die Vermarktung meines Romans gemacht, der vom Verlag als überregionaler Spitzentitel im Herbstprogramm 2026 platziert wird.

Du musst wissen, dass die Entscheidungshoheit über den Buchtitel und die werblichen Texte beim Verlag liegt, denn dieser hat die Rechte am Manuskript gekauft und trägt auch das finanzielle Risiko, ob ein Buch im Verkauf die Produktionskosten wiedereinspielt.

Doch niemand kennt den Inhalt des zu verkaufenden Buches besser, als die Autorin / der Autor, sodass der Verlag diese eng miteinbezieht: Ich durfte einen Fragebogen ausfüllen. Darin habe ich Vorschläge für verschiedenartige werbliche Texte formuliert: Kurze Slogans, den U4-Umschlagtext (Buchrückseite, kürzer), den Klappentext (Buchinnenseite, länger) sowie „Blurbs“ (lobende Zitate aus Rezensionen zu meinen bisherigen Romanen), die z.B. in der Programmvorschau für den Buchhandel verwendet werden können.

Hier ein paar Beispiele aus meinen Eingaben:

Headline für Klappentext (max. 20 Zeichen):

„Der Duft der Liebe“

Mögliche Werbeaussage (max. 150 Zeichen):

„Eine berührende Liebesgeschichte und ein farbenprächtiges Panorama der Belle Époque.“

Einstieg in Klappentext:

„Der Parfümeur und das Blumenmädchen: Eine Liebe gegen alle Konventionen und der Siegeszug der Marke 4711 um die Welt.“

Aus diesen Vorschlägen hat meine Lektorin zusammen mit der Marketing-Abteilung dann die werblichen Texte erstellt: Zu diesen durfte ich Änderungsvorschläge machen, die tatsächlich so übernommen wurden.

Wie geht es dir als Lesebegeisterte? Was nimmst du bei einem Buch als Erstes wahr?

Die Marketingprofis wissen: Der Buchtitel ist sehr wichtig, denn darin stecken wesentliche Infos: worum es geht (Person, Ort) und die Emotion und Atmosphäre (je nach Genre darf der Buchtitel auch rätselhaft klingen und neugierig machen).

Deshalb war die nächste wichtige Weichenstellung für meinen Buchtitel: Darf der Verlag die ikonische Zahl 4711 verwenden?

Das Stammhaus in der Glockengasse in Köln.
Die Zahl 4711 und das Markenrecht

Historisch betrachtet handelt es sich um die französische Hausnummer des Stammhauses der Familie Mülhens in der Glockengasse in Köln. Doch bereits im Jahr 1875 hat Ferdinand Mülhens die Zahl „4711“ als Markennamen für sein Kölnisch Wasser schützen lassen. Diese Marke befindet sich heutzutage nicht mehr im Familienbesitz, sondern gehört der Firma Mäurer und Wirtz, die das berühmte „4711 Echt Kölnisch Wasser“ nun herstellt und vertreibt.

Also ist der Gmeiner Verlag an diese Firma herangetreten, hat unser Buchprojekt vorgestellt und eine Kooperation vorgeschlagen, so wie es in den letzten Jahren bei einigen Romanen mit Unternehmensgeschichten erfolgreich praktiziert worden ist. So z.B. bei „Die Teehändlerin – die Ronnefeldt-Saga“ von Susanne Popp bei Fischer, „Lindt & Sprüngli“ von Lisa Graf bei Goldmann und „Ritter Sport“ von Romy Herold bei Blanvalet.

Im Februar haben wir die Entscheidung der Firma erfahren: Sie untersagt die Nutzung des Markennamens für unser Buch und möchte uns nicht im Rahmen einer Kooperation unterstützen. Dafür gibt es einen bestimmten Grund, den ich dir erst im Frühjahr 2027 verraten darf.

Du kannst dir vorstellen, dass ich darüber ziemlich enttäuscht war.

Also hieß es für uns: Wir müssen einen Titel finden, der ohne die Zahl auskommt, dabei jedoch die Leseinteressierten erkennen lässt, um welches Produkt und welche historische Firmengeschichte es sich handelt.

Eine Zeit lang waren unsere Titel-Favoriten: „Der Duft der Liebe“ oder „Der Parfümeur und das Blumenmädchen“. Doch im Verlag wollte man auch die Glockengasse als Erkennungsmerkmal mit einflechten. Und so ist die Wahl schließlich auf diesen etwas längeren Titel gefallen:

Der Parfümeur aus der Glockengasse, der ein Blumenmädchen liebte – Die Anfänge einer Duftdynastie“.

Nun weißt du, wie viele Schritte und Entscheidung nötig waren, um den passenden Titel und die werblichen Texte für meinen Roman zu finden.

Hier siehst du, wie mein Roman in der Gmeiner-Programmvorschau für den Herbst 2026 präsentiert wird:

Programmvorschau Herbst 2026 des Gmeiner Verlags
Programmvorschau Herbst 2026 des Gmeiner Verlags: „Der Parfümeur aus der Glockengasse, der ein Blumenmädchen liebte – Die Anfänge einer Duftdynastie“

 

„Immer nur lächeln“ singt Jonas Kaufmann und entführt das Hannoveraner Publikum in die heile Welt der ungarischen Operette

Hannover, 26. April 2026

Hannover war an diesem Wochenende für Klassik-Stars und -Fans der „place to be“. So trafen sich am Sonntagmorgen beim Frühstück im Hotel zwei der bekanntesten Tenöre der Welt: Jonas Kaufmann und Rolando Villazón, der am Abend zuvor sein Konzert im HCC gegeben hatte und seinen Kollegen dort bereits schriftlich ein herzliches „Toi toi toi“ hinterlassen hatte. Auch die beiden Sopranistinnen Malin Byström und Camilla Nylund waren mit von der Partie bei diesem „Klassenfoto“ aus dem Frühstücksraum des Hotels, das sie via Social Media mit ihren Fans geteilt haben.

Rolando Villazón (Tenor), Malin Byström (Sopran), Jonas Kaufmann (Tenor), Camilla Nylund (Sopran) und Jochen Rieder (Dirigent). Foto: Instagram von Jonas Kaufmann.
Jonas Kaufmann trifft Rolando Villazón. Foto: Instagram von Jonas Kaufmann (26.04.2026).
Rolando Villazón wünscht Jonas und Malin „toi toi toi“. Fotos: Instagram von Rolando Villazón (25.04.2026)

Am Abend präsentierte sich Jonas Kaufmann dann im festlichen Frack im gut gefüllten Kuppelsaal und begeisterte sein Publikum mit einem heutzutage fast in der Versenkung verschwundenen Programm aus der ungarischen Operette von Komponisten wie Emmerich Kálmán, Franz Lehár, Karl Goldmark und Paul Abraham.

Star-Tenor Jonas Kaufmann. Foto-Credit: Sören L. Schirmer / Deutsche Klassik

Gleich die erste Arie „Mondd meg, hogy imádom a pesti nőket“ (Wenn es Abend wird / Grüß mir mein Wien) singt er mit schwärmerischer Samtigkeit auf Ungarisch. Danach begrüßt der Tenor sein Publikum und erklärt, warum gerade dieses Stück in seiner Ursprungssprache dargeboten werden müsse, weil es eine Hommage an Budapest und die ungarischen Frauen sei, anders als in der deutschen Übersetzung, in der das Loblied der Donaumetropole und den reizenden Frauen aus Wien gilt. Eloquent und mit viel Charme vermittelt Kaufmann seine Begeisterung für das Operetten-Repertoire, dem er sein neues Album „Magische Töne“ gewidmet hat. Die dazu passende Tournee führt ihn und seine musikalische Begleitung in diesen Wochen durch 13 Städte in Europa. In Hannover wird heute mit Station Nr. 7 sozusagen das Bergfest gefeiert.

Jonas Kaufmann. Foto-Credit: Sören L. Schirmer / Deutsche Klassik

Lebensfreude und Feierlaune versprühen die dargebotenen Arien und Duette, die in eine sorgenfreie Welt entführen „wo die Rosen blühn“ („Komm mit nach Varasdin“) und wo man ausgelassen tanzt, was Tenor und Sopran auch zum Anlass nehmen, schwungvoll im Walzertakt über die Bühne zu fegen (in „Tanzen möcht ich … Tausend kleine Engel singen“ ) und in der letzten Zugabe ausgelassen zu hüpfen und zu klatschen („Die Juliska aus Budapest“).

Jonas Kaufmann und Malin Byström. Foto von Arabella Meran

In der heutigen Zeit, in der wir täglich mit Nachrichten von Kriegen und Katastrophen konfrontiert werden, kommt eine solche Weltflucht gerade gelegen. Wer möchte nicht für kurze Zeit seine Sorgen vergessen?

So ist es nicht verwunderlich, dass dieses Repertoire seine Glanzzeit im Nachkriegsdeutschland und im Österreich der 1950er und 60er Jahre erlebt hat. Diese Stücke dürften einigen Menschen von den Schallplatten von Rudolf Schock bekannt sein, der sie seinerzeit zu Gassenhauern gemacht hat. Auch heute zaubert diese Musik den Zuhörenden ein Lächeln auf die Lippen.

Jonas Kaufmann. Foto-Credit: Sören L. Schirmer / Deutsche Klassik

Besonders ergreifend interpretiert Jonas Kaufmann an diesem Abend „Immer nur lächeln“, was den Zwiespalt zwischen der Sehnsucht nach Glück und Zufriedenheit und der Realität bestens zum Ausdruck bringt. Geht es in dem Lied nur um eine Frau, deren Liebe der Sänger nicht gewinnen kann, so dringt das Gefühl der Melancholie und einer bitteren Wahrheit jedoch tiefer.

Wenn es im Text heißt: „Lächeln trotz Weh und tausend Schmerzen, Doch wie’s da drin aussieht, geht niemand etwas an“, dann wundere ich mich nicht, dass dieses Lied geradezu als Lebensmotto der Menschen von damals gelten konnte, die vom 2. Weltkrieg traumatisiert waren und über ihre schlimmen Erinnerungen und ihre Schuld möglichst den Mantel des Schweigens gehüllt haben. Da kamen diese gutgelaunten Lieder mit viel Zuckerguss gerade recht. Man wollte eine heile Welt beschwören, die es nie gegeben hat  auch nicht, als diese Musik entstanden ist. Denn wenn man genau hinhört, schwingt auch viel Traurigkeit in diesen Stücken mit.

So macht Kaufmann im „Wolgalied“ (Allein, wieder allein) die Einsamkeit eines Soldaten, der auf verlorenem Posten für sein Vaterland kämpft auf eindringliche Weise spürbar.

Auch in „Mint száműzött, ki vándorol … Hazám, hazám, te mindenem“ bekommt die Traurigkeit ihren Raum und der Tenor lässt mit seiner gefühlvollen Interpretation das Flehen und Leiden eines Mannes im Exil, der sich verzweifelt nach seiner Heimat sehnt, dramatisch aufflackern. Dabei zeigt Kaufmann die vielen Schattierungen seiner Stimme, die in der Mittellage balsamisch weich und warm klingt.

Das Programm bietet auch große romantische Gefühle, so in der schwärmerischen Arie eines frisch verliebten Jünglings „O Mädchen, mein Mädchen“ aus Friederike.

Jonas Kaufmann und Malin Byström. Foto von Arabella Meran

Auch in den Duetten mit der schwedischen Sopranistin Malin Byström wird die Liebe betörend heraufbeschworen, so in „Wer hat die Liebe uns ins Herz gesenkt“.

In einigen Solo-Stücken („Hör’ ich Cymbalklänge“ aus Zigeunerliebe) zeigt die Sopranistin ihre Stimmstärke und interpretiert mit großer Imbrunst, sowohl im Gesang als auch in der Mimik, was für meinen Geschmack jedoch zu dramatisch für dieses Repertoire wirkt. Doch das Publikum reagiert begeistert, vor allem mit „Meine Lippen, sie küssen so heiß“ aus Giuditta kann sie punkten.

Malin Byström. Foto-Credit: Sören L. Schirmer / Deutsche Klassik

Jonas Kaufmann beweist an diesem Abend seine Vielseitigkeit als Interpret und setzt seine Stimmfarben und sein goldenes Timbre schmeichlerisch und gefühlvoll ein. Einzig bei den dramatischen Höhen klingt seine Stimme nicht ganz so kraftvoll, wie man es von ihm gewohnt ist. Hier fehlt es seiner Stimme an diesem Abend ein wenig an Frische, was sicherlich am fordernden Tour-Programm liegt, das von ihm (und allen Mitwirkenden) Auftritte an jedem zweiten Abend verlangt. Dazwischen liegt immer ein Reisetag (oft mit dem Flugzeug, gerade kommt das Ensemble aus Budapest), was einer echten Erholung und Regeneration der Stimmbänder sicherlich nicht zuträglich ist. Umso erstaunlicher, mit wie viel Energie und Freude sich Tenor und Sopran hier präsentieren.

Eine solche Tournee mit Orchester erfordert einiges an Logistik. Hier die Transportboxen der großen Instrumente. Foto: Arabella Meran.
Eine reiselustiges Team. Foto: Instagram von Jonas Kaufmann.

Ein besonders magischer Moment des Abends ist die Arie „Magische Töne, berauschender Duft“ aus Die Königin von Saba, die Kaufmann zart und betörend mit Kopfstimme singt und dabei in eine sphärische Welt aus Goldstaub entführt. Begleitet wird der Tenor dabei von den himmlischen Klängen der Harfe.

Besonders zauberhaft ist das Spiel der Harfistin. Foto: Arabella Meran.

Der Star-Tenor und die Sopranistin bieten einen mitreißenden und bewegenden Musikgenuss auf höchstem Niveau, auch die Philharmonie Baden-Baden unter der Leitung von Jochen Rieder trägt ihren Teil zu diesem gelungenen Abend bei. Das Publikum im Kuppelsaal applaudiert begeistert und wird mit fünf Zugaben belohnt.

Jonas Kaufmann, Jochen Rieder und die Philharmonie Baden-Baden. Foto-Credit: Sören L. Schirmer / Deutsche Klassik
Jonas Kaufmann und Malin Byström. Foto von Arabella Meran
Jochen Rieder und die Philharmonie Baden-Baden. Foto-Credit: Sören L. Schirmer / Deutsche Klassik
Konzertplakat im Foyer des HCC. Foto: Arabella Meran.

PROGRAMM

Emmerich Kálmán (1882–1953)

Ouvertüre

Wenn es Abend wird (Grüß mir mein Wien) / Mondd meg, hogy imádom a pesti nőket

aus: Gräfin Mariza

Franz Lehár (1870–1948)

Hör’ ich Cymbalklänge

aus: Zigeunerliebe

Franz Lehár

Allein, wieder allein (Wolgalied)

aus: Der Zarewitsch

Emmerich Kálmán

So verliebt kann ein Ungar nur sein (Tief wie der Bergsee)

aus: Der Teufelsreiter

Johann Strauß (Sohn) (1825–1899)

Einzugsmarsch

aus: Der Zigeunerbaron

Emmerich Kálmán

Komm mit nach Varasdin

Komm, Zigány

aus: Gräfin Mariza

Ferenc Erkel (1810–1893)

Mint száműzött, ki vándorol … Hazám, hazám, te mindenem

aus: Bánk bán

Pause nach ca. 45 Minuten

Franz Lehár

Ouvertüre

Immer nur lächeln

Wer hat die Liebe uns ins Herz gesenkt

aus: Das Land des Lächelns

Franz Lehár

O Mädchen, mein Mädchen

aus: Friederike

Karl Goldmark (1830–1915)

Nacht-und Festmusik

Magische Töne, berauschender Duft

aus: Die Königin von Saba

Emmerich Kálmán

Heia, heia, in den Bergen ist mein Heimatland

Tanzen möcht ich … Tausend kleine Engel singen

aus: Die Csárdásfürstin

ZUGABEN

Paul Abraham, Will dir die Welt zu Füßen legen, aus: Die Blume von Hawaii

Franz Lehár, Meine Lippen, die küssen so heiß, aus: Giuditta

Franz Lehár, Schön wie die blaue Sommernacht, aus: Giuditta

Paul Abraham, Nur ein Mädel gibt es auf der Welt, aus: Viktoria und ihr Husar

Fred Raymond, Die Juliska aus Budapest, aus: Maske in Blau

Kuppelsaal Hannover. Foto: Arabella Meran.

Jonas Kaufmann begeistert sein Hamburger Publikum mit „Magischen Tönen“ aus der ungarischen Operette

Laeiszhalle Hamburg, 11. April 2026

An diesem Abend gibt Star-Tenor Jonas Kaufmann den Auftakt seiner „Magische Töne“-Tournee, die sein soeben erschienenes Album begleitet und mit berühmten Operetten- und Opern-Melodien aus der Ära der Österreich-Ungarischen Doppelmonarchie (1867–1918) von Komponisten wie Emmerich Kálmán, Franz Lehár, Karl Goldmark und Paul Abraham aufwartet.

Jonas Kaufmann (Foto von Dario Acosta)

In der fast ausverkauften Laeiszhalle herrscht erwartungsvolle Vorfreude. Zur Einstimmung spielt die Philharmonie Baden-Baden unter der Leitung von Jochen Rieder (seit Jahren ein treuer Begleiter von Kaufmann auf allen seinen Tourneen) die Ouvertüre aus Gräfin Mariza von Emmerich Kálmán (1882–1953), die schwungvoll auf den Abend einstimmt.

Dann betritt Jonas Kaufmann im festlichen Frack die Bühne. Wie immer ist er ganz präsent und Herr im Haus, hat alles im Blick, in diesem Fall einige Zuspätkommenden, die sich in den ersten Reihen im Parkett hereinschlängeln. Spontan ergreift er das Wort und bittet um einen Moment Geduld. Er wartet, bis alle sitzen und Ruhe eingekehrt ist, bis er seine erste Arie anstimmt. Auf ungarisch singt er „Mondd meg, hogy imádom a pesti nőket“ (ebenfalls aus Gräfin Mariza), was den Zuhörenden in der deutschen Fassung „Wenn es Abend wird (Grüß mir mein Wien)“ bestens bekannt ist (zumindest der Dame neben mir, die lautstark mitsummt). Kaufmann interpretiert das Stück weich und schwelgerisch, passend zur Lobpreisung der Donaustadt mit ihren schönen Frauen. In der letzten Strophe wechselt er ins Deutsche. Das Publikum applaudiert am Ende des Liedes begeistert und man spürt, dass der Funke übergesprungen ist.

Kaufmann gibt nun charmant eine Anekdote zum Besten, mit der er die Auswahl des ungarischen Repertoires erklärt: Vor einigen Jahren hat er einen Liederabend in Budapest gegeben und wollte dort als Zugabe das soeben dargebotene „Grüß mir mein Wien“ vortragen. Da hat ihn ein Kenner der ungarischen Sprache darauf hingewiesen, dass der Text im Original nicht die reizenden Frauen aus Wien preist, („Grüss mir die süßen, die reizenden Frauen im schönen Wien. Grüss mir die Augen, die lachenden blauen im schönen Wien…“), sondern die reizenden Frauen aus Budapest. Um diesen gerecht zu werden, hat der Tenor dann über Nacht zumindest den Refrain auf Ungarisch gelernt und im Konzert dargeboten, um seinem Budapester Publikum die Schönheit ihrer eigenen Frauen und ihrer eigenen Stadt vorzuhalten. Das sei der Anstoß für ihn gewesen, weitere musikalische Perlen aus dem ungarischen Operetten-Repertoire für sich zu entdecken und für die Bühne zu erarbeiten.

Als nächstens präsentiert sich Malin Byström, die Kaufmann auf dieser Tournee begleitet, mit „Hör’ ich Cymbalklänge“ aus Zigeunerliebe von Franz Lehár (1870–1948). Die schwedische Sopranistin hat eine kräftige Stimme, die eindeutig für das dramatische Repertoire geeignet ist, das sie auch auf den internationalen Opernbühnen singt (Tosca, Salome und Minnie gehören zu ihren Lieblings-Partien). Für die Operette fehlt ihr jedoch die Leichtigkeit und Flexibilität. Auf seinem Album singt Kaufmann die Duette zusammen mit Nikola Hillebrand, die mit ihrem leichten Sopran und mädchenhaftem Klang bestens zu diesem Repertoire passt. Schade, dass diese Sopranistin ihn nicht auch auf der Tournee begleitet, das hätte mir persönlich viel besser gefallen.

Jonas Kaufmann (Foto von Dario Acosta)

Liedhaft sanft interpretiert Kaufmann sodann „Allein, wieder allein (Wolgalied)“ aus Der Zarewitsch von Franz Lehár. Hierbei kommt bei den leisen Tönen das dunkle Timbre des Tenors bestens zur Geltung. Seine Stimme ist zartschmelzend wie Schokolade und hüllt einen weich und wohlig in einen Mantel aus Melancholie ein.

Im nächsten Stück zeigt Kaufmann ganz andere Farben seiner Stimme. Kraftvoll und kernig bietet er „So verliebt kann ein Ungar nur sein (Tief wie der Bergsee)“ aus Der Teufelsreiter von Emmerich Kálmán dar. Draufgängerisch beschwört er einen Flirt zu einer flotten Tanzmusik.

Übrigens frage ich mich spätestens jetzt, warum das Konzert durch zwei Mikrofone verstärkt wird. Der Gesang wird durch zwei Boxen seitlich auf der Bühne verstärkt und hat dadurch nicht mehr den unmittelbaren Klang der menschlichen Stimme, die sich in einem Saal entfaltet. Tenor und Sopran haben beide starke Stimmen, die keine Mikros brauchen, um zu tragen. Das Repertoire des Abends fordert oft die dramatische Opernstimme und selbst in den zarten und liedhaften Tönen ist insbesondere Kaufmann bestens in der Lage, genügend Volumen zu erzeugen. Zuletzt hat er in der Laeiszhalle einen Liederabend mit Diana Damrau gegeben (2022), ohne Verstärkung und mit bester Akustik. Es bleibt mir ein Rätsel, warum und wer hier meint, Mikros einsetzen zu müssen.

Bühne mit Mikrofonen und Notenständern

Als weiteres Hilfsmittel hat Kaufmann Notenständer mit zwei elektronischen Readern vor sich (wie er es in den letzten Jahren bei Konzerten angewöhnt hat). Er scheint sich nicht mehr allein auf sein Gedächtnis zu verlassen, sondern blickt immer wieder in die Noten und tippt dezent mit dem Finger auf die Touchscreens, um die Seiten zu wechseln. Die Sopranistin Malin Byström hingegen singt ihre Stücke auswendig.

Als nächstes steht Johann Strauß (Sohn) (1825–1899) auf dem Programm. Das Orchester spielt den Einzugsmarsch aus Der Zigeunerbaron. Jochen Rieder dirigiert das Stück schmissig.

Im nächsten Duett „Komm mit nach Varasdin“ aus Gräfin Mariza von Emmerich Kálmán versprühen Tenor und Sopran viel Lebensfreude und geben sogar eine kleine Tanzeinlage zum Besten. Bei allem Esprit fällt jedoch negativ auf, dass die Sopranistin nicht wirklich textverständlich singt und ihr opernhaft kraftvoller Ton zu schwer für das spritzige Lied wirkt.

Aus derselben Operette bietet Kaufmann sodann „Komm, Zigány“ mit charmantem Wienerischem Klang und mit bestens verständlichem Text dar.

In der ungarischen Mundart singt der Tenor dann „Mint száműzött, ki vándorol … Hazám, hazám, te mindenem“ aus Bánk bán von Ferenc Erkel (1810–1893). Hierbei zeigt er sich wieder als gefühlvoller Interpret, der zuerst bittend und flehend und zum Ende hin dramatisch das Leiden eines Mannes im Exil, der sich verzweifelt nach seiner Heimat sehnt, spürbar macht. Dabei zeigt Kaufmann die vielen Schattierungen seiner Stimme, die in der Mittellage balsamisch weich und warm klingt und dann feurig aufflammt zu kraftvollen Höhen.

Laeiszhalle Hamburg (Foto: Ulrike Arabella Meran)

PAUSE

In der Ouvertüre aus „Das Land des Lächelns“ von Franz Lehár klingen bekannte Melodien auf. Im anschließenden Solo singt Kaufmann mit traurigem Ernst „Immer nur lächeln“, was besonders bei der Passage „Lächeln trotz Weh und tausend Schmerzen, Doch wie’s da drin aussieht, geht niemand etwas an“ mit viel echter Lebenserfahrung eines Mannes in reiferen Jahren, dessen „Seele schon einige Narben gesammelt hat“ (wie Kaufmann kürzlich in einem Interview sagte) herüberkommt.

Es folgt ein Duett aus derselben Operette: „Wer hat die Liebe uns ins Herz gesenkt“. Hierbei wirken Tenor und Sopran trotz einigem Bemühen steif, es mag keine echte Chemie zwischen dem Bühnenliebespaar entstehen, auch wenn Kaufmann seine Gesangspartnerin nach jedem Stück mit kollegialer Herzlichkeit anstrahlt und sie umarmt. Auch gesanglich sind sie nicht immer synchron. Vielleicht spielen sie sich im Laufe der Tournee noch mehr aufeinander ein.

Ein gefühlvolles Aufwogen bietet Kaufmann mit der schwärmerischen Arie „O Mädchen, mein Mädchen“ aus Friederike von Franz Lehár, in der er den jungen Goethe darstellt, der frisch verliebt ist.

Für mich ein Highlight des Abends ist die Arie „Magische Töne, berauschender Duft“ aus Die Königin von Saba von Karl Goldmark (1830–1915), die Kaufmann zart und betörend mit Kopfstimme singt und dabei in eine sphärische Welt aus Goldstaub entführt, in der es nach blumiger Liebe duftet. Begleitet wird der Tenor von den zauberhaften Klängen der Harfe.

Jonas Kaufmann (Foto von Dario Acosta)

Im Kontrast dazu kommt das Solo der Sopranistin „Heia, heia, in den Bergen ist mein Heimatland“ aus Die Csárdásfürstin von Emmerich Kálmán sehr bodenständig herüber. Für das schwungvolle Lied fehlt der Schwedin nach meinem Eindruck das Temperament.

Den fulminanten Abschluss des offiziellen Programms bietet das Duett „Tanzen möcht ich … Tausend kleine Engel singen“ aus derselben Oper. Hier springt vor allem von Seiten von Kaufmann die Freude an dieser Musik herüber und er schwenkt seine Partnerin in einem schwungvollen Walzer über die Bühne.

Jochen Rieder, Malin Byström und Jonas Kaufmann beim Schlussapplaus

Das Publikum ist mitgerissen und spendet begeisterten Applaus mit Standing Ovations. Dies wird mit vier Zugaben belohnt:

Kaufmann singt bestens aufgelegt „Frag nur dein Herz was Liebe ist“ aus Die ungarische Hochzeit von Nico Dostal und „Will dir die Welt zu Füßen legen“ aus Die Blume von Hawaii von Paul Abraham.

Malin Byström kann das Publikum mit „Meine Lippen, sie küssen so heiß“ aus Giuditta von Franz Lehár erfreuen, wobei es ihr zugute kommt, dass die mitreißende Arie ein Selbstläufer ist.  Für mein Empfinden kann die Sängerin mit ihrer unterkühlten Darbietung das im Text beschworene „heiße“ Gefühl mit dem Versprechen von Leidenschaft nicht glaubwürdig erzeugen. 

Zum Schluss lässt Kaufmann „Die Juliska aus Budapest“ aus Maske in Blau von Fred Raymond geradezu übermütig und mit einem Lachen in der Stimme und auf dem Gesicht erklingen. Beim tosenden Applaus hüpft er sogar freudig auf und ab wie ein Bub vor dem Weihnachtsbaum und wirkt mit seinem jugendlichen Enthusiasmus sehr sympathisch.

Es war ein wundervoller Abend, der die Zuhörenden aus den Sorgen des Alltags in die musikalische Welt der Operette entführt hat, eine gelungene Mischung aus Wiener Melancholie und ungarischem Temperament, ein Wellenritt aus sanfter Schwermut und mitreißender Leichtigkeit.

Jonas Kaufmann hat seine stimmliche Wandelbarkeit gezeigt und mit seiner unvergleichlich warmen und farbenreichen Stimme auf der Klaviatur der Gefühle gespielt und mitten ins Herz getroffen.

Ich gehe mit einem Lächeln auf den Lippen und einigen Melodien im Ohr heim.

Nach dem Konzert hat Jonas Kaufmann seinen treuen Fans am Bühnenausgang freundlich Autogramme gegeben und bereitwillig für Fotos posiert.

Jonas Kaufmann am Bühnenausgang, Hamburg, 11. April 2026
Jonas Kaufmann gibt Autogramme, Hamburg, 11. April 2026
Jonas Kaufmann posiert mit seinen Fans für Fotos, Hamburg, 11. April 2026
Jonas Kaufmann bestens gelaunt nach einem gelungenen Konzert am Bühnenausgang, Hamburg, 11. April 2026

Die „Magische Töne“-Tournee geht in den nächsten Wochen weiter und führt das Ensemble nach München, Nürnberg, Paris, Wien, Budapest, Hannover, Essen, Freiburg, Stuttgart, Luzern, Mannheim und Frankfurt am Main. Die genauen Termine kann man dem Kalender auf der Homepage von Jonas Kaufmann entnehmen.

Cover-Enthüllung: Der Parfümeur aus der Glockengasse, der ein Blumenmädchen liebte – Die Anfänge einer Duftdynastie

Heute ist es endlich soweit und ich kann euch das Cover meines neuen historischen Romans „Der Parfümeur aus der Glockengasse, der ein Blumenmädchen liebte – Die Anfänge einer Duftdynastie“ enthüllen.

„Der Parfümeur aus der Glockengasse, der ein Blumenmädchen liebte – Die Anfänge einer Duftdynastie“ von Arabella Meran

Ich selbst finde das Cover wunderschön und habe mich auf den ersten Blick darein verliebt. Wie gefällt es dir?

Und wie findest du den Buchtitel? Einen Preis für den längsten Titel unter all meinen bisherigen Romanen hat er auf jeden Fall verdient.

Darum geht es in meiner rheinischen Unternehmens- und Familiengeschichte:

Köln, 1873: Als der junge Parfümeur Ferdinand Mülhens die Leitung des Dufthauses in der Glockengasse übernimmt, muss er sein Kölnisch Wasser gegen den ärgsten Konkurrenten Farina verteidigen. Auf einer Reise nach Wien trifft er die Blumenverkäuferin Ottilie, deren Wärme und Mut ihn tief berühren. Sie folgt ihm nach Köln, wo sie von der Familie Mülhens als nicht standesgemäße Braut abgelehnt wird. Erst fernab gesellschaftlicher Zwänge, im Siebengebirge, findet sie mit Ferdinand ein stilles Glück. Doch eine geschäftliche Niederlage zwingt Ferdinand zu einer radikalen Veränderung, durch die sein Duftwasser die Welt erobern wird.

Der Roman erscheint am 9. September 2026 im Gmeiner Verlag. Ich kann es kaum erwarten und hoffe, du freust dich auch aufs Lesen dieser Herzens-Geschichte aus meiner Geburtsstadt Köln.

Roman jetzt schon vorbestellen

Du kannst meinen Roman jetzt schon online in den gängigen Shops vorbestellen:

Autorenwelt (meine Empfehlung), Amazon, Dussmann, Hugendubel oder Thalia.

Selbstverständlich kannst du das Buch auch im lokalen Buchhandel bei dir in der Nähe bestellen.

Da ich im Rheinland aufgewachsen bin, habe ich einen besonderen Bezug zu dieser Region und zur Lebensart der Menschen dort, was in meine Geschichte eingeflossen ist.

Arabella Meran

Als gebürtige Kölnerin ist Arabella Meran mit dem berühmten Duftwasser aus Köln aufgewachsen und hat so manchen Karnevalsumzug mit der Posaune begleitet. Umgeben von der inspirierenden Landschaft und den Sagen des Siebengebirges hat sie schon in jungen Jahren Geschichten geschrieben. Nach zehn Jahren als Anwältin hat sie den Sprung in ihren Traumberuf gewagt und 2020 einen Masterabschluss im »Biografischen und Kreativen Schreiben« an der ASH Berlin erworben. Seither folgt sie ihrer Berufung als Autorin und Schreiblehrerin. Sie ist Mitglied in der Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautorinnen und -autoren (DELIA).

Arabella Meran bei der Recherche im Dufthaus in der Glockengasse Nr. 4711 in Köln.

Schreib- und Kulturreise nach Wien im Oktober 2026: Schreiben mit allen Sinnen mit Arabella Meran

Ich freue mich sehr, euch ein ganz besonderes Schreibangebot vorstellen zu dürfen, das ich gemeinsam mit der Agentur Plan & Sparkle, die auf Reisen und Retreats für Schreibende spezialisiert ist, entwickelt habe. 

Wann: Do, 15. Oktober bis Sonntag, 18. Oktober 2026 mit 3 Übernachtungen im charmanten Stadthotel Henriette (4 Sterne).

Für wen: Wenn du Freude am kreativen Schreiben hast, bist du hier genau richtig. Egal, ob du noch am Anfang stehst oder schon einige Erfahrungen als Autor*in gesammelt hast.

Das erwartet dich auf der Schreib- und Kulturreise nach Wien

„Schreiben mit allen Sinnen“: Wir laden dich ein, die Kulturmetropole Wien mit all deinen Sinnen zu entdecken und unter professioneller Anleitung ins Schreiben zu kommen.

Begib dich mit der Autorin und Schreiblehrerin Arabella Meran auf eine besondere Reise nach Wien, einer Stadt voller historischer Kulturgüter mit prachtvoller Architektur aus den Zeiten der Donaumonarchie, in der die Musik der Jahrhunderte heute noch erklingt. Entdecke eine Stadt, die Geschichte atmet und in der du deine eigene Geschichte entwickeln und schreibend zum Leben erwecken kannst. Du wirst deine Umgebung mit allen Sinnen erkunden und einüben, wie du lebendige Szenen gestaltest und dabei vom Austausch mit anderen Schreibenden profitieren.

Hier findest du die wichtigsten Rahmendaten des Reisepakets: LINK

Kompaktinformation als pdf: HIER.

Eindruck und Ausdruck: Auf Inspiration folgt die Expression mit Worten

Während deines Wien-Aufenthaltes wirst du an zwei Vormittagen im geschützten Umfeld eines Workshop-Raumes Schreibeinheiten nach Anleitung der Dozentin ausführen. Hierbei wirst du Impulse zum Freewriting erhalten und aus deinen gesammelten Eindrücken aus den gemeinsamen „Sinnes-Erkundungen“ schöpfen.

Die Nachmittage sind der Expedition in die Stadtlandschaft gewidmet, wo du in Begleitung der Dozentin deine Umgebung mit allen Sinnen (sehen, hören, riechen, schmecken, tasten) erkunden wirst. Hierbei bekommst du spielerische Aufgaben gestellt (z.B. nach einer bestimmten Farbe Ausschau zu halten) und kannst auch deinem eigenen Entdeckungsdrang frei folgen.

Die Abende stehen dir zur freien Verfügung.

Diese Orte werden wir gemeinsam erkunden

Historisches Zentrum Wiens (1. Bezirk)

Beim Schlendern im historischen Dreieck zwischen Stephansdom, Hofburg und Wiener Staatsoper mit der Kärntner Straße, Graben und Kohlmarkt mit den traditionsreichen k. u. k.-Geschäften kannst du die Atmosphäre der früheren Donaumonarchie auf den Spuren von Kaiserin Sisi und Kaiser Franz Joseph I. in dich aufnehmen.

Kaffeehaus

Beim (optionalen) gemeinsames Welcome-Abendessen im Café Diglas in der Wollzeile 10 nahe Stephansdom und Mozarthaus  kannst du in die einzigartige Kaffeehauskultur eintauchen.

https://wollzeile.diglas.at/

Mittagessen im Café Landtmann – Wiens elegantestes Kaffeehaus seit 1873 im Herzen Wiens (Universitätsring 4) gleich neben dem Burgtheater. Das Kaffeehaus bietet kulinarische Genüsse der Wiener Küche von Mehlspeisen bis Wiener Schnitzel, Backhendl, Tafelspitz und Gulasch. Zudem kannst du die einzigartige Atmosphäre von Behaglichkeit und Lebendigkeit zwischen Tellerklappern und Zeitungsrascheln genießen. https://www.landtmann.at/speisekarte

Café Landtmann

Auktionshaus Dorotheum

Besuch des Auktionshauses Dorotheum (seit 1707) nahe der Hofburg. In den prachtvollen Räumen des historischen Palais kannst du von Schmuck über Mobiliar bis zu Kunst eine Vielzahl schöner und manchmal skurriler Gegenstände entdecken, die deine Fantasie anregen werden. Welche wechselvolle und vielleicht tragische Geschichte mag wohl in diesen Objekten stecken? Im Nachgang zu dieser Exkursion wirst du zu einem Gegenstand deiner Wahl eine fiktive Biographie aus der Ich-Perspektive schreiben: Wie kam es dazu, dass dieses Objekt, das einst im Haus reicher Leute beheimatet war, nun versteigert werden muss? Zwischendurch werden wir uns als Gruppe im gemütlichen Café im zweiten Stock für eine Tasse Mokka und Austausch zusammenfinden. https://www.dorotheum.com/de/

Prater

Expedition in den Prater. Du wirst den belebten Bereich des Jahrmarktes („Volksprater“ beim Praterstern) mit dem ikonischen Riesenrad, den Fahrgeschäften und Buden kennenlernen und anschließend auf der Hauptallee unter Kastanienbäumen die weitläufige Auenlandschaft mit dem kleinen Ententeich am Konstantinhügel erkunden. Inmitten der herbstlichen Naturlandschaft kannst du wieder ganz intensiv die sinnlichen Eindrücke in dich aufnehmen und dich inspirieren lassen. Dabei wird die Dozentin die Gruppe mit kleinen Schreibimpulsen anleiten. https://www.praterwien.com/startseite/

Kastanienallee im Prater

Wiener Staatsoper

Wenn du möchtest, kannst du an einem der Abende eine Vorstellung in der Wiener Staatsoper besuchen. Dabei wird dich Arabella Meran begleiten. Im prachtvollen Opernhaus erwartet dich ein unvergesslicher Ohren- und Augenschmaus. Der Besuch in der Wiener Staatsoper ist optional und abhängig vom Spielplan.

https://www.wiener-staatsoper.at/

Arabella Meran vor der Wiener Staatsoper
Blick hinter die Kulissen

In einem Kurzinterview erfährst du, welche Erfahrungen und Methoden ich selbst beim Romanschreiben erprobt habe und dir bei der Schreib- und Kulturreise in Wien vermitteln möchte. 

FRAGE: Warum ist Wien deine Lieblingsstadt und wie hat sie dich zu deinem historischen Roman „Im Takt ihrer Träume“ inspiriert?

Arabella Meran: Als großer Opernfan hat es mich schon viele Male nach Wien gezogen, um dort musikalisch das Beste vom Besten in der legendären Staatsoper zu erleben. Mit den Wiener Philharmonikern im Graben und den größten Gesangsstars der Gegenwart wie Jonas Kaufmann und Anna Netrebko auf der Bühne gilt die Staatsoper als der „heilige Gral“ in der Opernwelt. Als im Jahr 2020 eine Geschichte in mir herangereift ist über eine junge Dirigentin in den 1920er Jahren, die gegen die männliche Dominanz in diesem Berufsstand ankämpfen muss, war für mich sofort klar, dass Wien dafür der ideale Schauplatz ist. Doch nicht nur als schöne Kulisse, sondern mit allem, was an Tradition, Textur und Lebensart in solch einer Stadt drinnen steckt.

FRAGE: Was hat sich für dich verändert, als du zur Recherche in Wien warst?

Als ich zur Romanrecherche wieder vor Ort war, habe ich gemerkt, wie sehr meine Sinne geschärft sind, wenn ich meine Umgebung mit dem „Mindset“ einer Autorin wahrnehme. Ja, auch früher habe ich schon als Touristin die prachtvolle Architektur beim Spaziergang durch die historischen Gassen und Boulevards bewundert und habe mir Sachertorte im Kaffeehaus schmecken lassen. Doch als Autorin hat sich mir in Wien nochmal eine neue Welt erschlossen, die viel detaillierter und intensiver war, als zuvor. Ich habe ganz genau hingeschaut (welche Farbe haben eigentlich die Fenster der Wiener Staatsoper?) und ganz genau hingehört (wie bimmelt eigentlich die „Bim“, also die Straßenbahn? Wie schnattern und quaken die Enten im Prater?). Ich habe Aromen in meine Nase eingesogen, Geschmäcker ganz bewusst verkostet und Gegenstände mit meinen Händen ertastet. Dabei habe ich viele Dinge entdeckt, die mir zuvor entgangen waren. Meine Umgebung hat mich inspiriert und gleichzeitig habe ich die Stadt mit meinen Romanfiguren bevölkert. So ist die Stadt mit meiner Geschichte zu einer neuen Realität verschmolzen, ich habe sie mir zu eigen gemacht und sie ist auf den Buchseiten lebendig geworden.

Das ist es, was ich den Teilnehmenden der Schreibreise vermitteln möchte: Eine Umgebung mit den geschärften Sinnen einer Autorin zu entdecken und dabei aus der Fülle der Eindrücke Inspiration zu schöpfen und auf dem Papier mit Worten eine lebensechte Welt entstehen zu lassen.

Arabella Meran mit ihrem Wien-Roman „Im Takt ihrer Träume“. Eine junge Dirigentin in den 1920er Jahren muss alles aufs Spiel setzen, um ihren Traum zu verwirklichen, die Wiener Philharmoniker zu dirigieren.

Möchtest du dich für diese Schreib- und Kulturreise anmelden? HIER kannst du das tun.

Meine Empfehlungen für die Leipziger Buchmesse 2026

Ich freue mich sehr darauf, wieder auf die Leipziger Buchmesse zu fahren, die in diesem Jahr vom Donnerstag, den 19. bis Sonntag, den 22. März 2026 stattfindet.

Arabella Meran auf der Leipziger Buchmesse

Einige Veranstaltungen habe ich mir bereits vorgemerkt und möchte sie an dieser Stelle empfehlen:

Dieses Jahr erhalten Debüt-Autor:innen besondere Aufmerksamkeit. An mehreren Orten – von „Beste erste Bücher“ und der „Langen Leipziger Lesenacht“ über die #buchbar und die Donaubühne bis zum BloggerRoom BL:OOM – können Besucher:innen und Medienschaffende die vielversprechendsten Debüts des Frühjahrs entdecken. Mehr Infos hier.

DELIA-Literaturpreis

Am Samstag wird der DELIA-Literaturpreis in der Kategorie Liebesroman und Junge Liebe (Jugendbuch) vergeben.

Der DELIA-Literaturpreis existiert seit 2004 und ist ein unabhängiger Preis von Autor*innen für Autor*innen und kürt Romane im Bereich Unterhaltungsliteratur in den Kategorien Roman sowie „Junge Liebe“ (in dieser Kategorie erst seit 2017).

Die Autor*innen von DELIA haben es sich nicht nur zur Aufgabe gemacht, in vielfältiger Form von der Liebe zu erzählen, sondern darüber hinaus auch den Liebesroman als solchen zu fördern. Beide Preiskategorien sind jeweils mit einem Preisgeld in Höhe von 1.500 Euro dotiert, stehen also gleichberechtigt nebeneinander.

Die Shortlist der nominierten Bücher finden Sie hier.

Die Preisverleihung findet im Rahmen der Leipziger Buchmesse am Samstag, 21.03.2026, um 13 Uhr in Halle 5, Forum Lesereise, statt.

Praktische Tipps für den Messebesuch:

– bequeme Schuhe

– Wasserflasche

– Snacks

– Notizbuch / Terminkalender

– gut ausgeschlafen sein 🙂

Ich wünsche dir / Ihnen eine eindrucksvolle Zeit auf der Messe und vielleicht sehen wir uns ja sogar.

Ist das Kunst? Oder landet das vor Gericht? Wie weit dürfen Schlüsselroman und Satire gehen? Kunstfreiheit vs. Persönlichkeitsrecht – mein Artikel in der Federwelt

Ich freue mich, dass wieder ein Artikel von mir in der „Federwelt – Das Magazin rund ums Schreiben“ erschienen ist. 

Darum geht es in meinem Artikel:

Ist das Kunst? Oder landet das vor Gericht?

#2 Wie weit dürfen Schlüsselroman und Satire gehen? Deckt die Kunstfreiheit hier sogar die Schmähung eines Menschen ab?

Du erfährst hier Hintergründe zum Schlüsselroman „Mephisto“ von Klaus Mann, der mit seinem Verbot Rechtsgeschichte geschrieben hat. Auch aktuelle Beispiele wie „Die Assistentin“ von Caroline Wahl greife ich auf. Zudem gebe ich Tipps, was du als Autorin beachten solltest, um dich vor einer Klage wegen Verletzung des Persönlichkeitsrechts zu schützen.

Vielen Dank an dieser Stelle an die Chefredakteurin Anke Gasch für die tolle Zusammenarbeit.

Autorin Arabella Meran mit der „Federwelt“ (Februar 2026)

Diese weiteren spannenden Artikel erwarten dich in der FEDERWELT Heft Nr. 176 Februar 2026:
– Wie wir mit Worten Welten öffnen oder verschließen und wie sensible Sprache aussehen kann. Von Yannick-Maria Reimers (auf dem Cover)
– Mit Want, Need und Defizit tiefgründigere Figuren entwickeln und die Handlung vorantreiben
– Von der Autorin zur Verlegerin

– Kunstfreiheit: Wie weit dürfen Schlüsselroman und Satire gehen?

– Wie überzeugt mein Exposé?
– Abgehängt? Veröffentlichen mit Psychiatrie-Erfahrung
– Heimatlosigkeit: Wie können meine Geschichten mir selbst und anderen als Heimat dienen?
– Tipps zum Zeitmanagement

Ist das Kunst? Oder landet das vor Gericht? #2 Wie weit dürfen Schlüsselroman und Satire gehen? Deckt die Kunstfreiheit hier sogar die Schmähung eines Menschen ab? FEDERWELT Artikel von Ulrike Günther

Ich selbst lese die Federwelt schon seit einiger Zeit und finde die Artikel jedes Mal ausgesprochen unterhaltsam und informativ. Auch in der aktuellen Ausgabe gibt es wieder viele spannende Einblicke in das #autor_innenleben und die Buchbranche.

Wenn du gespannt darauf bist und dieses vielseitige Magazin kennenlernen möchtest, kannst du es in den gängigen Zeitungsläden finden oder online in der Autorenwelt bestellen

Federwelt – das Magazin rund ums Schreiben (Ausgabe Februar 2026)

Schreibworkshop in Fulda mit Autorinnen und Autoren des Gmeiner Verlags

Der Gmeiner Verlag hat mich zum Schreibworkshop nach Fulda eingeladen. So habe ich mich am Donnerstag (22. Januar 2026) mit dem Zug von Berlin auf die Reise begeben und war dreieinhalb Stunden später an meinem Zielort.

Nach dem Einchecken in meinem Hotel nahe des Bahnhofs habe ich einen Erkundungsspaziergang in die historische Altstadt von Fulda unternommen, die mich im romantischen Abendrot und mit frostigen Temperaturen begrüßt hat.

In der Altstadt habe ich drei Buchhandlungen durchstöbert und bin in ein Café für ein Stück Donauwelle eingekehrt.

Am Abend habe ich meine Gmeiner-Kolleginnen und Kollegen bei einem gemeinsamen Essen im Brauhaus getroffen. 

Am Freitag fand der Schreibworkshop im Altstadthotel statt. Den ganzen Tag lang haben wir unter der professionellen Anleitung von Friederike Schmöe in kurzen Schreibeinheiten unsere kreative Quelle angezapft und gemeinsam über das Schreibhandwerk gesprochen.

Als Schreibimpuls diente zum Beispiel ein mitgebrachter Gegenstand, mit dem man eine besondere Erinnerung verbindet. Für mich war es die Figur einer Skifahrerin, die von Kindern einer Waldorfschule gebastelt und mir von einem lieben Menschen geschenkt worden ist.

Zudem haben wir einen Koffer für eine Reise gepackt und eine Liste von Dingen geschrieben, die bei uns großes Unbehagen auslösen. Und was gibt es, was auf einer Beerdigung für die größtmöglich Irritation sorgen könnte? Ein Lachanfall eines Trauergastes? Oder ein Klopfen aus dem Sarg?

Besonders erfreulich und wertvoll für mich war das Kennenlernen und der Austausch mit meinen Kolleginnen und Kollegen. Im Workshop und auch beim gemeinsamen Essen haben wir uns bestens unterhalten und gegenseitig ermutigt.

Vielen Dank an den Gmeiner Verlag für das Ausrichten dieses tollen Workshops, an den Programmleiter René Stein, der auch dabei war, und an Friederike Schmöe, die den Workshop mit ihrer sympathischen Art sehr anregend und inspirierend gestaltet hat.

Die menschliche Fantasie ist wie ein Kaleidoskop, der Kopf eine Schatzkiste mit Bildern, die man nur öffnen und dann aufs Papier bringen muss.

Ich freue mich sehr, dass mein dritter historischer Roman als Arabella Meran bereits im Juli 2026 im Gmeiner Verlag erscheinen wird. Bald schon darf ich euch mehr dazu verraten…

Jahresrückblick 2025 auf mein Autorinnenleben

Das Jahr 2025 neigt sich dem Ende zu und es ist Zeit, innezuhalten und zurückzublicken. Für mich als Autorin war es ein Jahr voller Inspiration und Wörter, die zu Geschichten wurden. Voller Hoffnungen, von denen sich einige erfüllt haben. Und ein Jahr reich an wunderbaren Begegnungen mit anderen Büchermenschen.

Was ich geschrieben habe

Im Januar 2025 habe ich das letzte Drittel meines Piemont-Romans geschrieben. Für diese Geschichte war ich im Oktober auf Recherchereise vor Ort und bin ab 1. November 2024 ins tägliche Schreiben eingestiegen. Das Manuskript in der ersten Fassung habe ich mit 550 Normseiten (130.000 Wörtern) fertiggestellt. Im Februar folgte dann nach dem super hilfreichen Feedback meiner bewährten Testleserin die erste Überarbeitung und Kürzung auf 520 Seiten.

Ohne Pause habe ich mich dann ins nächste Projekt (AT: „Wald“ / „Dorfgeheimnisse“) gestürzt, inspiriert durch eine Dokumentation über ein ganz besonderes Bergdorf im Trentino-Südtirol. Durch das Setting von Berg und Wald spielt bei meinem Gesellschaftsroman auch die Natur eine große Rolle, sodass ich den Romananfang am 3. März beim Deutschen Preis für Natur Writing eingereicht habe. Diese enge Frist hat mir zwar einerseits einigen Zeitstress gemacht, was meine Produktivität jedoch vorangetrieben hat.

In den folgenden 4 Monaten (März bis einschließlich Juni) habe ich täglich (außer sonntags) an meinem bisher ambitioniertesten Roman geschrieben. Es handelt sich um ein Gesellschaftsporträt im Mikrokosmos einer Dorfgemeinschaft mit alten Traditionen. Gleichzeitig gebe ich tiefe Einblicke in die Entwicklung einzelner Figuren, die in einer persönlichen Lebenskrise stecken (Trauer eines Witwers mit kleinen Kindern, ungewisse Herkunft eines Findelkindes und Gefangensein einer reifen Frau in häuslicher Gewalt).

Mein episches Werk hatte in seiner ersten Fassung 710 Normseiten (169.000 Wörter). Auch hier hat mir wieder eine Testleserin zur Seite gestanden, die mich ermutigt und mir kritisch-konstruktives Feedback gegeben hat. Im Juli habe ich das gesamte Manuskript überarbeitet und es auf 685 Seiten gekürzt (8.700 Wörter gestrichen, 1.600 neu geschrieben).

Unternehmens- und Familiensaga aus dem Rheinland

Dieses Projekt verfolge ich bereits seit 2021. Nach umfassender Recherche im Rheinland und in diversen Quellen hatte ich im Jahr 2023 bereits eine längere Leseprobe geschrieben (rund 200 Seiten / 48.000 Wörter. In diesem Jahr habe ich dieses Projekt wiederaufgegriffen und das Manuskript von Ende August bis Ende November vollendet. Die erste Fassung, die ich beim Gmeiner Verlag eingereicht habe, ist 530 Normseiten (118.800 Wörter) lang. Hinzu kommt noch ein Nachwort von 32 Seiten (8.170 Wörter).

Zudem habe ich zwei Artikel für die Federwelt – Das Magazin rund ums Schreiben“ verfasst, der erste aus dieser Serie ist im Oktober-Heft (Nr. 174) erschienen. Hierbei habe ich meine Kenntnisse vom Buchmarkt mit meiner Expertise als Volljuristin verbunden: „Ist das Kunst? Oder landet das vor Gericht?“ Es geht dabei um juristische Fallstricke für Autor:innen, wie man sie erkennt und am besten vermeidet. Vielen Dank an dieser Stelle an die Chefredakteurin Anke Gasch, die meinen Vorschlag für diese Artikelserie mit Begeisterung aufgenommen hat und als Lektorin mit viel Sprachgefühl am Text mit mir gefeilt hat.

Artikel in der „Federwelt“ (Oktober 2025)
Mein Schreibjahr 2025 in Zahlen
  • 1.250 Normseiten von Manuskripten geschrieben (= 300.000 Wörter)
  • 3 Romanprojekte: zu großen Teilen neu geschrieben und komplett überarbeitet: „Piemont“ mit 550 Seiten, „Wald / Dorfgeheimnisse“ mit 710 Seiten und historische Rheinland-Unternehmensgeschichte mit 530 Seiten.
  • 1 Romananfang (50 Seiten) für den Deutschen Nature Writing Preis eingereicht (März)
  • 2 Artikel für die „Federwelt – Das Magazin rund ums Schreiben““ verfasst: „Ist das Kunst oder landet das vor Gericht“ – juristische Fallstricke für Autor:innen kennen und vermeiden (Artikel Nr. 1 ist im Oktober erschienen, Artikel Nr. 2 wird im Februar 2026 erscheinen)
  • 1 literarische Kurzgeschichte geschrieben für den Walter-Serner-Preis 2025 mit dem Thema: „money, money, money“
  • Auf 2 Literatur-Stipendien beworben (ohne mit einer Zusage belohnt zu werden). 
Welche Verträge ich unterschrieben habe

Nach einer Zeit der Ungewissheit und diverser Absagen für meine Romanprojekte haben sich doch die Türen für mich geöffnet und ich konnte im Sommer (ohne Mitwirkung einer literarischen Agentur) mit dem Gmeiner Verlag einen Zwei-Buch-Vertrag für mein Rheinland-Projekt (historisch) und meinen Gardasee-Liebesroman (zeitgenössisch) unterschreiben. Ich freue mich riesig darüber, bei diesem etablierten Verlag ein gutes Zuhause für meine Romane gefunden zu haben. Ich kann es kaum erwarten, diese auch im stationären Buchhandel entdecken zu können, was neu für mich ist.

Eine große Freude war auch die Zusage von Saga Storify, aus meinem Debütroman „Das Lachen der Pinguine“ ein Hörbuch zu machen.

Zusage von Saga Storify
Welchen Menschen ich begegnet bin

Besonders wertvoll in meinem Autorinnenleben ist mir der Austausch mit anderen Schreibenden und Büchermenschen. Ein Fixpunkt für mich ist jeden Monat das Online-Treffen mit meinen „Mastermind“-Kolleg:innen, bei dem wir uns vertrauensvoll über unsere jeweilige Situation und den Buchbranche austauschen. Sehr schön in diesem Jahr war, dann ich einige aus dieser Gruppe endlich erstmalig persönlich treffen konnte (Astrid, Stephan, Katja, Petra und Susanne T.).

Dank der Autor:innenvereinigung DELIA und Instagram bin ich mit weiteren Autorinnen vernetzt, die ich auch endlich persönlich treffen konnte (z.B. Stefanie, Camilla und Alma in Berlin).

Treffen mit meiner geschätzten Autorin-Kollegin Stefanie Hohn in Berlin

Eine besonders schöne Begegnung hatte ich in Hamburg mit Karolin Pape, die das Hörbuch von „Das Lachen der Pinguine“ ganz wunderbar eingesprochen hat, das im November 2025 erschienen ist und zu dem ich bereits einige begeisterte Rückmeldungen von Hörerinnen erhalten habe. Bevor Karolin mit der Arbeit daran begonnen hat, konnten wir uns bei einem gemeinsamen Essen über meine Romanfiguren austauschen und haben in unseren Bücher- und Tee-Vorlieben erstaunliche Ähnlichkeiten festgestellt.

Arabella Meran und Karolin Pape, die das Hörbuch zu „Das Lachen der Pinguine“ ganz wunderbar eingesprochen hat.
Naturliebe und kulturelle Eindrücke in Berlin und auf Reisen

Meine Wahlheimat Berlin ist für mich nach wie vor ein Ort, der für mich meine beste „Basisstation“ darstellt, wo ich im häuslichen Arbeitszimmer in Ruhe schreiben kann und direkt vor der Haustür auch Natur vorfinde, in der ich mich bei meinen täglichen Spaziergängen erholen kann. Die Natur im Wechsel der Jahreszeiten ist für mich eine stetige Quelle der Inspiration und der Kraft.

Für zusätzliche Anregung sorgen die vielfältigen kulturellen Angebote von Berlin, die ich rege in mich einsauge. Fast an jedem Sonntag zieht es mich in eine Kunstausstellung, ein Museum oder zu einem landschaftlich oder architektonisch schönen Ort. Auch in die Oper und in klassische Konzerte sowie zu Lesungen (z.B. von Marc-Uwe Kling) gehe ich regelmäßig. Bei diesen schönen Ausflügen ins Kulturleben begleitet mich häufig meine Freundin Vera.

Doch auch andere Städte locken mich mit ihrem kulturellen Angebot und zur Recherche: Im Juni und September war ich in Paris. Außerdem in Hamburg und in München.

Was ich ins neue Jahr 2026 mitnehme und was mich erwartet

Ich freue mich auf ein neues Highlight in meiner Karriere: Das Erscheinen meines historischen Rheinland-Romans bei Gmeiner im Juli 2026.

Auch meine Tätigkeit für die Federwelt geht weiter: Im nächsten Jahr werden zwei weitere Artikel von mir mit juristischer Expertise bezogen auf den Buchmarkt dort erscheinen.

Dankbarkeit, Geduld und Zuversicht

Ich habe gelernt, dass ich in meinem Autorinnenleben viel Geduld brauche. Nicht jedes Manuskript findet sofort einen Verlagsvertrag. Doch kein Wort habe ich vergeblich geschrieben. Bei jeder Geschichte habe ich tief aus meinem Innern geschöpft und mich als Autorin weiterentwickelt. Manche Manuskripte sind wie Samenkörner, die noch in der Erde ruhen und wachsen müsse und ihre Zeit brauchen, bis starke Pflanzen aus ihnen werden, die mich dann reich mit ihren Früchten beschenken werden. So vertraue ich darauf, dass es für jede meiner Geschichten den richtigen Zeitpunkt geben wird, in Buchform an die Öffentlichkeit zu gelangen und seine Leserschaft zu finden.

Bis dahin genieße ich den kreativen Prozess, das Imaginieren und Schreiben, was mir große Freude bereitet. Ich empfinde es als Privileg, meiner Berufung als Schriftstellerin folgen zu können. Ich bin frei in meiner Wahl der Stoffe, in meiner Zeiteinteilung und in kann mir aussuchen, mit welchen Menschen ich zusammenarbeiten möchte. Für diese Freiheiten bin ich dankbar. Meine lebendige Fantasie empfinde ich als das größte Geschenk, denn sie beflügelt mich täglich und lässt mich auch Schmerzhaftes und Enttäuschungen überwinden. 

Arabella Meran 2025
Ich gehe jeden Schritt mit Achtsamkeit für den Moment und Dankbarkeit für die Gaben der Natur und meine Flügel der Fantasie.
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