Passen Autorin und Roman zusammen? Fiktive Autorenbiografien auf dem Buchmarkt

Muss ich mich als Autorin neu erfinden, um auf dem Buchmarkt erfolgreich zu sein?

Ja, lautet die Antwort aus meinen Erfahrungen der jüngsten Zeit. Mit meinen zwei historischen Romanen habe ich es trotz Agenturvertrag bisher nicht geschafft, einen Verlag zu finden.

Liegt es vielleicht an meinen Stoffen, die nicht in die aktuellen Trends und Schubladen der Verlage passen? Dieser Frage gehe ich im nächsten Beitrag noch nach.

Aber es gibt noch einen weiteren Faktor, der mir bei der Vorstellung meiner Manuskripte an literarische Agenturen vor Augen geführt worden ist: Die Figur des Autors muss perfekt zum Roman passen!

Diese erschreckende Erkenntnis habe ich kürzlich gemacht, als ich meiner (Ex-) Agentin (einer großen Mainstream-Agentur) drei meiner neuen Romanprojekt gepitched habe.

Eine Romanidee soll in der DDR der 60er Jahre spielen. Die Antwort der Agentin lautete:

Aus unterschiedlichen Gesprächen mit Lektoren zu DDR-Themen kam immer wieder ein ganz wichtiger Punkt zu Sprache: Man erwartet dafür vom Autor eine hohe „Mitsprache“-Kompetenz und Glaubwürdigkeit. Oder anders ausgedrückt: Man mag sich von einem West-Autor nicht die DDR erklären lassen. Ich weiß tatsächlich aus dem familiären Umfeld, dass dies nach wie vor  ein sehr heikles Thema zwischen ehemaligen Ostdeutschen und Westdeutschen ist.  Erst neulich fragte ein Verlag bei mir an, ob eine Autorin sich vorstellen könne, eine OST-WEST – Geschichte zu schreiben, und es wurde betont, es müsste eine Autorin mit Ost-Vergangenheit sein (aus vorgenannten Gründen). Daher würde ich zu diesem Projekt nicht raten können.“

Auch eine weitere Roman-Idee (drei Schwestern auf einem pfälzischen Landgestüt um 1814 im Stil von Jane Austen / Regency Romance) wurde von ihr mit dieser Begründung abgeschmettert:

Zu den Pferden: das ist sehr austauschbar, es fehlt das Besondere wie z.B. aus eigener Familiengeschichte inspiriert, weil Sie selbst leidenschaftliche Pferdenärrin sind. Es wirkt zu konstruiert, weil es nicht aus der eigenen Lebenswelt entspringt. Natürlich kann man sich an ein Pferdthema wagen, auch wenn man selbst keine Reiterin ist, aber dann sollte es dennoch etwas Neues / Besonderes sein.“

Wie ihr euch denken könnt, haben mich diese herben Absagen erst mal ziemlich herunter gezogen und meine Schreiblust und meinen Optimismus für einige Tage völlig abgetötet. Plötzlich habe ich bei jeder Idee für einen Roman sofort rote Stopp-Schilder vor mir gesehen und diese Stimme in meinem Kopf gehört: „Darüber darfst du nicht schreiben! Damit kennst du dich nicht aus!“

Solche Schreibverbote sind natürlich für jede Kreativität fatal und ich habe mich nach Kräften bemüht, diese Gedanken wieder aus meinem Kopf zu verbannen.

Trotzdem möchte ich dieser Hypothese von Identität zwischen Autor*in und Stoff näher auf den Grund gehen – zumal sie in der Agentur- und Verlagswelt offenbar gültig ist und gegen anstrebende Schriftsteller*innen verwendet wird.

Muss ich „kennen“ was ich schreibe? Muss ich „sein“ was ich schreibe?

Auf mein eigenes Beispiel bezogen: Muss ich selbst leidenschaftliche Reiterin sein, wenn ich über ein Pferdegestüt schreiben will? Muss ich aus der DDR stammen, wenn ich einen Roman über die DDR schreiben will?

Wenn ich diese Hypothese mal an einem Extrembeispiel versuche: Muss ich als Thriller-Autor*in selbst jemanden ermorden und mich im Zerstückeln von Leichen geübt haben? Das ist natürlich absurder Unsinn.

Was die Sach- und Fachkenntnis angeht, so bin ich davon überzeugt, dass mir als Autorin hier die Mittel der Recherche zur Verfügung stehen. So habe ich mir z.B. für meinen Antarktis-Roman ein präzises Wissen darüber angeeignet, wie der Walfang in den 1930er Jahren abgelaufen ist und wie die Wale von den Fängern zerlegt wurden. Auch hinsichtlich anderer Berufsbilder, Länder und Sitten, die ich nicht aus eigener Erfahrung kenne, kann ich mir das Wissen durch Recherche und Interviews aneigenen (so habe ich z.B. drei junge Dirigentinnen für meinen Wien-Roman interviewed).

Schwieriger wird es jedoch mit meiner eigenen kulturellen Identität. Ich bin in Westdeutschland aufgewachsen. Das kann ich nicht ändern oder abstreifen.

Immer wieder wird dieses Thema in der Literaturwelt heiß diskutiert unter dem Begriff der kulturellen Aneignung. Problematisch scheint es zu sein, wenn eine Autorin aus einem „dominanten“ Kulturkreis die Geschichte einer „unterdrückten“ Kultur bzw. einer Minderheit schreibt. Hier wird (oft von eben dieser Minderheit) der Ruf laut, ihre Kultur werde von der anderen vereinnahmt und verfälscht dargestellt. Es besteht der Verdacht des Überstülpens fremder Werte über eine Minderheit im Stile eines literarischer Kolonialismus.

Vor nicht allzu langer Zeit ist um den Roman „American Dirt“ von Jeanine Cummins eine solche Debatte („cultural appropriation“) entbrannt: Darf eine Amerikanerin die Geschichte einer Mexikanerin schreiben?

Im Beitrag vom Deutschlandfunk „Kulturelle Aneignung und die Frage, wer zu hören ist“ vom 21.04.2020 heißt es:

Bei der Debatte um kulturelle Aneignung gehe es um Dominanz, sagt die Literaturkritikerin. „Es geht nicht darum, dass jede Autorin und jeder Autor nur über das schreiben darf, was er erlebt hat oder darum, dass Literatur nur etwas Allgemeingültiges erzählen darf. Es geht in der Debatte darum, welche Stimmen in dem Feld dominant sind. Und das sind immer noch weiße Autorinnen und Autoren. Sie sind diejenigen, die die Publikationsmöglichkeit bekommen.“

Ich kann dieser Argumentation insofern folgen, als dass es sicher wünschenswert wäre, wenn Autor*innen nicht-weißer Herkunft eine gleiche Repräsentanz auf dem Buchmarkt bekommen würden, wie weiße Autor*innen.

Aber ich halte es für fatal, einer Schriftstellerin vorzuschreiben, sie dürfe in ihren Romanen nur in ihrer eigenen kulturellen Herkunftswelt bleiben. Ich denke, dass gerade die Auseinandersetzung mit dem „Fremden“ für jedes Individuum (schreibend oder lesend) eine Erweiterung des eigenen Horizontes ist, Vorurteile abbaut und Toleranz und Verständnis für andersartige Kulturen und Menschen ermöglicht.

Umgekehrt würde ein Rückzug und eine Beschränkung auf den eigenen bekannten Kulturraum eine gedankliche Verarmung bedeuten – es führt zu Engstirnigkeit und Intoleranz.

Was ich allerdings auch feststellen kann, wenn ich mir die populäre Frauenliteratur ansehe: Es gibt ein breites Segment von „exotischen” Frauenromanen, die alle nach demselben Strickmuster funktionieren: Eine weiße Frau aus Europa (meist Engländerin) kommt in ein „exotisches“ Land (Indien, Orient, Afrika, Australien, Neuseeland) und führt dort irgendeine Plantage (meistens wird Tee angebaut, manchmal auch Schafe gezüchtet). Die weiße Frau lernt die dortigen Bräuche kennen (nicht selten pflegen die „Eingeborenen“ menschenunwürdige Rituale, die aus Sicht der moralisch überlegenen Christen abgeschafft gehören) und findet Erfüllung mit einem heißblütigen „exotischen“ (= erotischen) Mann – der natürlich auch ein Klischee aus einer Frauenphantasie ist.

Fast immer spielen diese Romane auch in der Kolonialzeit, geben also die historischen Begebenheiten insofern korrekt wieder – aber dabei voller Klischees und aus westlicher Sicht. Hierbei wird das koloniale Verständnis in romantisierter und unkritischer Weise fortgeschrieben und für moderne Frauen in den Köpfen neu verankert.

Ich verspüre keinerlei Bedürfnis, selbst einen Roman nach diesem fragwürdigen und überholten Muster zu schreiben.

Aber passt dieses Tabu der kulturellen Aneignung auch auf die deutsch-deutsche Geschichte?

Laut der Agentin: ja. Gehen viele Menschen 30 Jahre nach der Wiedervereinigung immer noch von einem Über-Unter-Ordnungsverhältnis zwischen West- und Ostdeutschland aus? Offenbar wird auf dem Buchmarkt davon ausgegangen.

Ich finde das erschreckend und weigere mich, das zu akzeptieren. Wenn ich also irgendwann meinen Ost-Berlin-Roman schreibe, dann werde ich dafür genauso gewissenhaft recherchieren, wie für jeden anderen historischen Roman – ob Schauplatz und Figuren sich in Westdeutschland, Ostdeutschland oder sonst wo auf der Welt befinden, macht für mich keinen Unterschied!

Ich bin sogar der Meinung, dass gerade die Distanz zu der Gesellschaft und Kultur den Blick schärfen kann, als Beobachterin sehe und verstehe ich mehr, als wenn ich selbst mitten drinnen bin.

Sehr gute Beispiele hierfür sind der Roman „Was vom Tage übrig blieb” („The Remains of the Day“) von Kazuo Ishiguro und der Film „Sense and Sensibility“ vom Chinesen Ang Lee – beides Werke, die ich sehr beeindruckend und gelungen finde.

Im Fall von Kazuo Ishiguro hat seine japanische Herkunft sicherlich dazu beigetragen, dass er die britische Gesellschaft mit besonders scharfen Augen und feinem Gespür für deren Eigenheiten wahrgenommen hat. In beiden Fällen gehören Autor und Regisseur nicht (originär) dem englischen Kulturkreis an und haben gerade deswegen ein hoch sensibles Porträt dieser Gesellschaft gezeichnet.

Trotz all meiner Überlegungen: Der Fakt bleibt, dass der Buchmarkt (angefangen bei den Literaturagent*innen) diese ideale Autor*innenfigur verlangt.

Was ist also der Ausweg aus diesem Dilemma, wenn ich über den Tellerrand blicken möchte und mich beim Schreiben nicht auf meine eigene kleine Erfahrungswelt beschränken will?

Ich schreiben nicht das Buch, das zu mir passt, sondern die Autorenbiografie, die zu meinem Roman passt!

So machen es die Verlage scheinbar ohnehin: Anders kann ich mir nicht vorstellen, dass die Vita der Autor*innen immer so haargenau auf den Romaninhalt passt. Da hat jemand genau das passende Hobby oder Beruf, lebt oder bereist ständig den Schauplatz – zu viele Zufälle, um wirklich wahr zu sein.

Manche Verlage gehen sogar soweit, die Figur des Autors komplett zu erfinden. Das fängt schon beim Pseudonym an: Ein klangvoller Name muss her, der Assoziationen weckt, die zum jeweiligen Buchgenre passen.

Aber manche gehen noch weiter. So wie die Lektorin und Verlegerin Daniela Thiele, die für ihren Erfolgsroman „Das Lächeln der Frauen“ den Autor Nicolas Barreau in einem genialen Marketing-Schachzug erfand. Eine Biografie (junger Franzose) passt zum Setting von Paris, dazu noch ein attraktives Bild aus einer Datenbank: Fertig gebacken ist ein Autor, der Frauenherzen höher schlagen lässt.

Ich weiß noch, dass mir dieser Roman gut gefallen hat und ich gedacht habe: Erstaunlich, dass so ein junger Mann solch ein Frauenversteher ist. Mir kam die Sache damals schon nicht ganz koscher vor, ich hatte den Verdacht, dass ein Deutscher sich als Franzose ausgibt, weil im Roman die totale Touristen-Sicht auf Paris serviert wurde. Dass aber in Wahrheit eine Frau dahinter steckt, hätte ich mir damals nicht träumen lassen.

Das Täuschungsmanöver blieb nicht unentdeckt, was aber dem Erfolg von “Nicolas Barreau” keinen Abbruch getan hat – seine Romane verkaufen sich nach wie vor bestens.

Was lerne ich also aus alledem: Ich werde auch in Zukunft darüber schreiben, was mich anzieht und fasziniert und wofür ich brenne. Egal, ob meine Herkunft und Biografie zum Stoff und den Figuren passt. Ich muss mich als Autorin einfach gleich mit neu erfinden.

Please follow and like us:
error

Die Bühne brennt – endlich wieder Oper

Nach monatelanger Darbenszeit ist es am Samstag endlich soweit: Ich gehe in die Oper!

Aber ganz so wie früher ist es noch nicht, denn es gilt, einige Vorkehrungen zu treffen. So wandere ich gegen Mittag in sengender Hitze  zum Tierpark und lass mir in einer miefigen Turnhalle in der Nase herumstochern und halte 20 Minuten später ein Stück Papier mit dem Zauberwort: “NEGATIV” in der Hand.

Am frühen Abend also ziehe ich einen Rock an, der bestens zu meiner Knallbonbon-Feierstimmung passt und mache mich auf den Weg. Die Staatsoper unter den Linden begrüßt mich sanft rosé. Beim Einlass jedoch überkommt mich das typische Flughafen-Unwohlgefühl bei der Kontrolle – ich weiß, ich habe alle Papiere und nichts zu verbergen, aber irgendwie fürchte ich trotzdem, ich würde der Kontrolle nicht standhalten. Der Scanner tut sich auch schwer mit meinem Ticket, aber nach fünf Versuchen und Hellerschalten meines Displays darf ich dann doch in die heiligen Hallen eintreten.

Nun sitze ich auf einem dicken Polster im lückenhaft (gemäß Vorschrift) besetzten Auditorium und die Vorfreude steigt.

Ich sehe “La Fanciulla del West” von Puccini (1910). Der Büffel auf der Bühne soll das Publikum offenbar schon auf den Wilden Westen einstimmen. Das Orchester spielt sich ein und ich entdecke schon Antonio Pappano am Pult – er ist einer meiner Lieblingsdirigenten, den ich schon öfters im Royal Opera House in London erlebt habe, wo er der musikalische Direktor ist.

Ich lasse meinen Blick über die Ränge gleiten und sehe mich gleich mit einer Gewissensfrage konfrontiert: Fast alle Besucher haben ihre Masken abgelegt, sobald sie auf ihrem Platz sitzen. In der E-Mail des Hauses mit Corona-Hinweisen stand doch, man müsse seine Maske auch während der Vorstellung tragen. Aber schließlich ist jeder hier im Saal negativ getestet, wie sitzen alle auf Abstand, die hochleistungsfähige Belüftung ist im Einsatz, die Inzidenzwerte ganz weit unten – in einem Akt bedächtiger Sorglosigkeit streife ich also auch meine Maske ab und hänge sie über den Ellbogen wie es inzwischen zur selbstverständlichen Mode geworden ist.

Das Saallicht geht aus und die bombastischen Klänge von Puccini erfüllen den Raum. Wie wunderbar diese Musik klingt, wie plastisch der Klang im Raum, ich kann  jede Instrumentengruppe einzeln hören – damit kann kein Livestream und keine Opern-DVD mithalten – auf die ich in den letzten Monaten so oft zurückgreifen musste.

Der kräftige Männerchor lässt das raue Leben der Goldgräber in Kalifornien  lebendig werden und schließlich erscheint unter bebendem Blechbläsereinsatz  das “goldene Mädchen” Minni auf dem Dach ihrer Schenke. Die Sopranistin Anja Kampe hat eine klangschöne und volle Stimme und verkörpert das herzliche Mädchen sympathisch und glaubhaft. Der Tenor Marcelo Álvares überzeugt mich leider nicht mit seiner “tenorigen” Darstellung: Seine schauspielerischen Mittel sind sehr begrenzt, er schreitet treuherzig umher und konzentriert sich auf seine Glanztöne, für die er immer in die Knie geht, um sie dann mit ganzem Körpereinsatz in die Höhe zu stemmen – ich sehe einen Tenor bei der Arbeit und keinen charmanten Ganoven Dick Johnson. Immerhin kommen dann im zweiten und dritten Akt die kurzen Arien, auf die ich die ganze Zeit warte (“Ch’ella mi creda” – hier in meiner Lieblingsinterpretation von Jonas Kaufmann).

Leider kann diese Oper musikalisch und von der Dramatik nicht mithalten mit den drei besten Opern von Puccini (La Bohème, Tosca, Madama Butterfly). Aber ich will nicht meckern, sondern freue mich an dem unvergleichlichen Live-Erlebnis.

Auf der Bühne wird im Finale alles abgefeuert, was das Theaterarsenal zu bieten hat: Gewehrsalven, Rauch und sogar zwei Männer in Flammen taumeln über die Bühne – wenn es jetzt noch eine Klopperei geben würde und jemand eine Flasche über den Schädel zerschlagen bekäme, wäre ich wirklich bei den Karl-May-Festspielen angekommen. Die vordergründige Inszenierung stammt übrigens von Lydia Steier.

Das Publikum applaudiert anhaltend voller Dankbarkeit. Ich gehe beschwingt von dem Musikgenuss über die Museumsinsel zur S-Bahn – hier sind Wiesen und Biergärten in dieser warmen Sommernacht voller Menschen, die einem Massenerlebnis anderer Art frönen. So wie diese Leute über ein Tor jubeln, so jubiliere ich, endlich wieder diese Magie im Opernhaus spüren zu dürfen.

Und wie das bei Süchtigen so ist, brauche ich natürlich sofort den nächsten Trip. Am Montag durchlaufe ich erneut das obligatorische Testprogramm und finde mich wieder in meinem zweiten Wohnzimmer ein.

Dieses Mal höre ich Kompositionen von Peter I. Tschaikowsky: Zuerst das
KLAVIERKONZERT NR. 2  G-DUR OP. 44 – hier gefallen mir die Soli vom Cello am besten, das Piano ist nicht mein Lieblingsinstrument – und nach der Pause eine sehr lebhafte ORCHESTERSUITE NR. 3 G-DUR OP. 55. Antonio Pappano dirigiert wieder mit viele Esprit und Leidenschaft und ich lasse mich von der wunderbaren Musik in Phantasiewelten tragen.

Zum Abschied bekomme ich eine Goldmünze und einen Aufkleber von meinem Gastgeber überreicht.

Da fühle ich mich doch gleich eingeladen, am Samstag wiederzukommen – zum konzertanten “Freischütz” von Carl Maria von Weber. Ich nehme alles mit, was ich vor der Sommerpause kriegen kann.

Please follow and like us:
error

Maiglocke

MAIGLOCKE

Warten auf den Glockenton

der das Grün aus seinen Knospen treibt

der die Vögel singen lässt bei Nacht

und den Schläfer neckt zum träumen

 

Warten auf den Maiverbleib

der die Zeit in der Sonne dehnt

der vom Schweigen uns erlöst

in einer Explosion der Klänge

 

Mitschwingen im Blätterrausch

der jungen Triebe

mitlachen im kindlichen Übermut

auf dem Spielplatz der Wagnisse

 

Trinken aus dem Glockenkelch

der Maiversuchung

im weißen Unschuldskleide

das nichts ahnen lässt vom Gift

 

Endlich alte Hüllen abstreifen

alles probieren

nichts versäumen

lasst Maiheit erklingen

Please follow and like us:
error

Von Milchmomenten und einer sanften Wunderwaffe

Ich habe mal meine Wörterschatztruhe ausgeleert und vor mir ausgebreitet und schon haben sich Imaginationsfäden zu Gedichtcollagen verwoben.

Hier mein Wörterfundus – den ich aus Zeitschriften aus Drogeriemarkt und Bioladen ausgeschnitten habe – es sind Wörter und Halbsätze, die mich irgendwie angesprochen haben.

Daraus ist dieses Gedicht entstanden.

Collage 1 (im Original): Ungezähmte Seele

Nach dem Fotostudio:

Collage 2 (im Original): Wenn wir mutig wären

Nach einer Farbkur:

Welche Gedanken ruft dieser Wörterreigen in euch hervor?

Please follow and like us:
error

Ein Kuss mit Folgen – Judas in der Gruppentherapie

Ein Zimmer in einer Therapieklinik, fünf Stühle stehen im Kreis, darauf sitzen DR. THERAPY, JUDAS, BRUTUS, BATMAN und MEGHAN.

DR. THERAPY: Heute möchten wir ein neues Mitglied in unserer Gruppe willkommen heißen. Möchtest du dich uns vorstellen?

JUDAS (erhebt sich von seinem Stuhl und schaut in die Runde):

Mein Name ist Judas – und ich bin ein Verräter.

STIMMENGEMURMEL: Hallo Judas.

BRUTUS: Moment mal, mein Freund. Die Trademark „Verräter“ habe ich mir schon 75 Jahre vor dir eintragen lassen.

DR. THERAPY: Macht dich das gerade wütend, Brutus?

BRUTUS (hebt seine Hände in einer versöhnlichen Geste, dabei klingeln viele Goldarmbänder um seine Handgelenke): Sorry, nichts für ungut. Also ich bin Brutus und ich bin der berühmteste Verräter der Welt. Der Urvater des Verrats! Fragt nur Dante und Shakespeare. Und guckt mal auf meinem Instagram-Account vorbei: BRUTUS*THE*TRAITOR ™.

DR. THERAPY: Und warum bist du hier, Brutus?

BRUTUS: Weiß nicht. Das Gelabere hier ist Zeitverschwendung.

(Er presst einen Wutball in seiner Faust.)

BATMAN: Ich bin Batman und leide unter dem „Fallen-Hero-Syndrom“. Alle Welt hasst mich. Mein Leben ist sinnlos.

(Er lässt seinen Kopf hängen und guckt trübsinnig auf den Teppich.)

JUDAS: Warum hassen sie dich? Ich dachte, du rettest ständig die Welt.

BATMAN: Das liegt an diesem verdammten Virus. Seit irgendwelche Wissenschaftler behauptet haben, das Virus sei von einer Fledermaus auf den Menschen übergesprungen, hassen die Leute Fledermäuse – also auch mich.

MEGHAN: Ich weiß wovon du sprichst, Batman. Ich bin Meghan und ich werde von der Pressemeute verleumdet und gehetzt. Nur weil ich reich und berühmt bin und meinen Traumprinzen geheiratet habe. Die Leute sind so voller Neid und Missgunst.

(Sie wischt sich eine unsichtbare Träne aus dem Augenwinkel.)

JUDAS: Deine Probleme hätte ich gerne.

MEGHAN: Du hast doch keine Ahnung, wie es ist, in meinen Schuhen zu laufen.

BRUTUS (schaut auf Meghans Schuhe): Jimmy Choo. Kann sich nicht jeder von uns leisten.

MEGHAN: Was willst du damit sagen? Bist du neidisch auf meine Schuhe?

DR. THERAPY: Meghan, wie geht es dir damit, was Judas und Brutus gesagt haben?

MEGHAN: Ihr beiden seid so was von „White Trash“.

DR. THERAPY: Meghan, bitte in Ich-Botschaften sprechen.

MEGHAN (verdreht die Augen): Ich habe den Eindruck, ihr seid so was von „White Trash“.

(Dr. Therapie hebt ermahnend ihren Zeigefinger.)

JUDAS: Können wir mal auf mein Problem zurückkommen? Heute Abend bin ich zu einer Dinner Party mit meinen Kumpels eingeladen. Aber ich weiß jetzt schon, dass sie mir keinen Wein und kein Brot anbieten werden und ich am Katzentisch sitzen muss. Das ist jedes Mal die totale Zurückweisung.

BRUTUS: Ja, das ist Verräter-Diskrimierung. Aber du musst das locker sehen. Du musst deine Identität als Verräter umarmen. So wie ich das mache. Sei stolz auch dich, Bruder! Du bist der zweitberühmteste Verräter der Welt.

(Brutus hebt seine Hand für ein „High-Five“, Judas schlägt nicht ein.)

DR. THERAPY: Judas, wie geht es dir damit?

(Judas runzelt seine Stirn und überlegt.)

MEGHAN: Ihr wisst gar nicht, was Diskriminierung bedeutet. Für euch ist das nur ein Wort, ich erlebe das ständig am eigenen Leib. Hier, diese Nachricht habe ich heute vom neuen „Diversity Czar“ vom Buckingham Palace bekommen: „Eine neue All-colours-welcome-Initiative der Royal Family wird dafür sorgen, dass es bald Pflaster in allen Farbschattierungen im United Kingdom geben wird, damit sich Menschen mit dunklerer Hautfarbe im Drogeriemarkt nicht mehr diskriminiert fühlen, weil es nur helle Pflaster gibt.

BATMAN: Alle hassen mich.

(Er fängt an, ein Mandala auszumalen.)

MEGHAN: Jetzt kommt es – der Czar fragt mich: „Wissen Sie schon, welche Hautfarbe Ihr zweites Kind bekommen wird? Wir möchten eine Pflasterfarbe nach ihm benennen. Den hellsten Farbton haben wir schon nach Archie benannt. Wie Sie sehen, ist der Buckingham Palace jeder Hautfarbe gegenüber aufgeschlossen.“

BRUTUS: Diesem Czar würde ich einen Dolch in die Brust jagen – und der ganzen verlogenen Palast-Bande auch.

DR. THERAPY: Macht dich das gerade wütend, Brutus?

MEGHAN: Brutus, ich finde deine Kommentare total prollig. Du musst mal wieder zum Anger Management.

DR. THERAPY: Bitte Meghan – nur in Ich-Botschaften sprechen.

(Meghan winkt ab und wählt Speeddial 1 für Oprah.)

JUDAS: Ständig lenkt ihr von meinem Problem ab. Ich will nur mal klarstellen: Ich bin kein Verräter! Jesus war mein bester Kumpel. Er hat mich darum gebeten, dass ich ihn an die Römer verrate. Nur so konnte er den Willen seines Vaters ausführen. Was von Markus, Matthäus, Lukas und Johannes über mich geschrieben wurde, ist alles falsch – sie haben mich zum habgierigen Verräter gemacht. Ihr müsst mal die Apokryphen lesen, dort steht die Wahrheit.

BRUTUS: Halleluja! Jetzt hast du es. Das ist der Stoff für eine gute Image-Kampagne. Ich promote dich über mein Instagram.

BATMAN: Alle hassen mich (murmelt er und malt weiter Mandalas).

MEGHAN: Batman, ich finde es super respektlos, dass du hier malst, während wir unsere Seelen entblößen.

DR. THERAPY: Batman, wie geht es dir damit, was Meghan gesagt hat?

BATMAN: Alle hassen mich. Selbst Meister Proper ist beliebter als ich. Dabei hat der gar keine Superkräfte. Nicht mal ein Auto.

JUDAS: Meister Proper macht eben alles strahlend sauber. Aber du machst die Stimmung düster, Batman.

MEGHAN: Ich glaube, Batman braucht eine andere Medikation, Dr. Therapie.

BRUTUS: Wollen wir ein Selfie für meine Insta-Story „Twin-Traitors“ machen, Judas?

(Brutus zückt sein iPhone und die beiden rücken zusammen. Judas gibt Brutus einen Kuss. Sofort stürmen drei Männer in weißen Kitteln herein und reißen Brutus zu Boden und geben ihm eine Spritze. Als sie ihn hinaustragen, steckt einer der Kittelträger Judas ein Tütchen mit Happy Pills zu.)

DR. THERAPY: Nächste Woche machen wir eine Familienaufstellung. Wer möchte seine Familie dargestellt bekommen?

MEGHAN: Ich (meldet sich und bucht sofort einen Fotografen für diesen Tag).

DR. THERAPY: Wer ist bereit, eine Stellvertreterrollen einzunehmen?

JUDAS: Ich bin Harry.

BRUTUS: Verräter (schreiend vom Gang)!

Please follow and like us:
error

Schlussakkord für meinen Wien-Roman

Was hat meine Romanheldin Johanna/Jo als Dirigent in Wien in den letzten 64 Tagen nicht alles gekämpft, gelitten, geliebt und gewonnen? Dienstagnacht habe ich ihr letztes Kapitel geschrieben und gestern noch meinen Merkzettel abgearbeitet und punktuell inhaltliche Ergänzungen gemacht. Heute ist Jos Geschichte zu Ende erzählt – mein Herzensprojekt aus der Opernwelt in der ersten Fassung abgeschlossen.

Meine Anspannung will aber partout nicht von mir abfallen. Zur Belohnung für meine täglichen Anstrengungen seit dem 1. November 2020 wollte ich mir am Mittwoch ein Stück Sachertorte gönnen – mein Lieblingskuchen, den auch Jo in Wien gerne verspeist hat – aber in keiner der 4 Bäckereien in Karlshorst war ein solches aufzutreiben. Also musste ich mit Käsekuchen vom Blech Vorlieb nehmen – eine klebrig-süße Enttäuschung. Entweder muss ich mir selbst eine Sachertorte backen oder schnellstmöglich wieder nach Wien reisen (aber erst, wenn in der Oper wieder der Vorhang aufgeht).

Traum
Wirklichkeit

In meinem Roman „Die Dirigentin im Herrenrock“ gibt es natürlich nicht nur Kaffeehausidylle im Dreivierteltakt, sondern im Mittelpunkt steht eine starke Frau, die für ihren Traum kämpft, Dirigentin in dieser Männerwelt der klassischen Musik zu werden, entgegen aller gesellschaftlichen Konventionen – dabei kommt ihr die Liebe in den Weg und es entwickelt sich ganz große Gefühlsoper.

Das Schicksal meiner Heldin hat im Laufe des Schreibens einen wahren Wellenritt vollführt – immer, wenn sie gerade einen kleinen Höhepunkt erklommen hat, habe ich ihr einen Stock in die Speichen geworfen, sie ist gestürzt und musste sich geschunden wieder aufrappeln und von neuem den Berg hinauf klettern.

Ouvertüre:

Eine begabte junge Frau aus Norddeutschland, so groß wie ein Leuchtturm, zieht an einem grauen Novembertag im Jahr 1925 in die alte Kaiserstadt ein, um als Dirigentin am berühmtesten Opernhaus Europas Fuß zu fassen. Dort wird sie jedoch als Frau rigoros abgewiesen. Entschlossen schnürt sie sich die Brust ein und versucht es am nächsten Tag erneut – als Mann verkleidet – und wird prompt als Dirigent (auf einer Assistentenstellen) engagiert.

Erster Akt:

Ihre Karriere nimmt Fahrt auf und sie begeistert die kritischen Musiker und das Wiener Publikum mit ihrem Können, aber gleichzeitig verliebt sie sich in ihren brasilianischen Dirigenten-Kollegen Martin Breuer, der verheiratet ist. Obwohl alles dagegen spricht, stürzt sie sich in eine leidenschaftliche Liebesnacht mit ihm. Am nächsten Tag lässt sie ihn abblitzten und will ihre weiblichen Neigungen zukünftig besser unterdrücken. Als sie wenige Wochen später erschrocken feststellt, dass sie schwanger ist, fangen ihre Probleme erst richtig an. Sie ist hin und her gerissen, ob sie das Kind bekommen soll. Sie bekommt den gesellschaftlichen Druck zu spüren, als ihre Vermieterin sie zu einer „Engelmacherin“ schickt und in Aussicht stellt, sie hinauszuwerfen, falls sie als ledige Frau ihr Kind zur Welt bringen sollte. Jo entscheidet sich trotzdem für ihr Baby und sucht händeringend nach einem Ausweg, der nur darin bestehen kann, passende Pflegeeltern für ihr Kind zu finden.

In dieser Phase wird sie von der Salonièren Eugenie Schwarzwald, der Schulleiterin einer Mädchen-Schule, eingeladen und lernt in deren Salon einige selbständige Frauen kennen, u.a. Anna Freud, die sich als Psychoanalytikerin mühsam aus dem großen Schatten ihres Vaters zu befreien versucht.

Dritter und Vierter Akt:

Es folgen viele dramatische Szenen, etwa, wenn Jo beim Dirigieren beinahe eine Fehlgeburt erleidet, wenn sie kurz darauf Martin endlich gesteht, dass sie sein Kind erwartet, die Niederkunft und ihr schmerzlicher Abschied von ihrer neugeborenen Tochter.

Fünfter Akt:

Zum Ende ihrer Reise muss Jo sich aus dem Korsett, in das sie sie selbst eingeschnürt hat, wieder befreien – sie muss sich ihre Weiblichkeit und Mutterschaft zurückerobern. Im Finale zieht sie aus, um ihr Kind und den Mann, den sie liebt, zurück zu gewinnen.

Ich muss gestehen, dass ich zu Beginn meiner Schreibreise ein anderes Ende vor Augen hatte – ein realistisches, in dem meiner Heldin vieles versagt bleibt, in der sie sich zwischen Karriere und privatem Glück entscheiden muss. Aber nachdem ich sie über 400 Seiten und fast 4 Handlungsjahre lang habe leiden lassen, habe ich ihr schließlich doch ein fast vollständiges Happy End gegönnt. Ich hoffe, meinen Leser*innen danken mir das.

Wiener Opernstars aus den 1920er Jahren und Zeitkolorit

Die Geschichte von Jo ist natürlich eingebettet in viele historische Details – insbesondere das Aufführungsgeschehen an der Wiener Oper habe ich gründlich recherchiert. Viele meiner Lieblingsopern lasse ich vorkommen und ihre Inhalte spiegeln oft das dramatische Geschehen auf der Erzählebene. Die schillernden Gesangsstars dieser Zeit wie Lotte Lehmann, Maria Jeritza, Jan Kiepura und Richard Tauber haben alle ihren Auftritt, natürlich auch Richard Strauss, der als Komponist und Operndirektor diese Zeit geprägt hat.

Maria Jeritza
Lotte Lehmann und Jan Kiepura

Als beruflicher Gegenspieler fungiert Jos herrischer Kollege Robert Heger, ein historischer Dirigent aus dieser Zeit (der sich später den Nazis zugewendet hat). In Liebesdingen ist die Ehefrau von Martin ihre Antagonistin. Zusätzliche Hürden im Streben meiner Heldin nach Glück und Erfolg stellen die gesellschaftlichen Konventionen und Vorurteile gegenüber Frauen dar.

Meine Erzählung in die 1920er Jahre einzufügen, erschien mir nicht allzu schwer. Aber die Details haben sich hin und wieder als Stolpersteine bemerkbar gemacht: So habe ich im Schreibeifer moderne Dinge wie Kühlschränke und Türklingeln mit Gegensprechanlage eingebaut. Zum Glück habe ich mir dann selbst auf die Finger geklopft und schnell Wikipedia konsultiert. Hinsichtlich der historischen Korrektheit gibt es also einiges zu beachten. Ich hoffe, ich habe keine Klopper mehr drinnen.

Sehr genüsslich habe ich Wienerische Redensarten eingebaut. Dafür werde ich ein kleines Wörterbuch in den Anhang des Romans stellen. Jetzt werde ich mich mal ins Gwand haun und einen Mulatschak zur Fertigstellung meines Werks feiern. Baba.

Meine Schreibnächte

Was meinen Schreibprozess angeht, so bin ich bei meinem vierten Roman wirklich gut in Schwung gekommen und hatte keine Durchhänger, wie im letzten Jahr bei meinem Antarktis-Roman. Ich habe das Gefühl, mich in diesem Stoff richtig freigeschrieben zu haben – was zum einen daran liegt, dass ich für die Opernwelt total brenne und es mir beim Schreiben immense Freude bereitet hat, darin zu schwelgen. Aber auch die Freiheit bei der Figurenentwicklung hat mich beflügelt, denn bei Johanna und Martin habe ich mich nicht durch eine historische Vorlage einengen lassen.

Ich habe einen guten Arbeitsrhythmus gefunden: Eine Abendschicht von 1 ½ bis 2 Stunden im Zeitfenster von 19 bis 22 Uhr und eine Nachtschicht von nochmals 1 ½ bis 2 Stunden in der Zeit zwischen 23 und 2 Uhr nachts. Ich kann am besten arbeiten, wenn es draußen dunkel ist, die Welt in Schlaf versinkt und mich nichts mehr ablenken kann – am Tage muss ich Einkäufe erledigen, will das Tageslicht zum Spazierengehen nutzen usw.

Die späten Morgenstunden sind quasi mein Feierabend, in denen ich mich ausruhe. Ab Nachmittag fängt mein Motor dann so langsam zu laufen an – ich bereite das Geschriebene vom Vorabend gedanklich nach und überlege, wie es in der Nacht weitergehen soll. So komme ich auf ein reines Schreibpensum von 3 bis 4 Stunden pro Tag. Die Erholungsphasen am Tag und zwischen den beiden Schreibeinheiten sind notwendig, damit sich die Inspiration und Schaffenskraft wieder aufladen kann.

Da ich irgendwie ein Statistik-Typ bin, trage ich meine Uhrzeiten und den Worcount täglich in eine Tabelle ein.

 

Hier mein Roman-Werk in Zahlen:

114.200 Wörter

484 Normseiten

64 Schreibtage (vom 1. November 2020 bis 13. Januar 2021, mit einer Woche Weihnachtsferien)

1.800 Wörter pro Tag im Durchschnitt

3.006 Rekord-Wörteranzahl an einem Tag

Wie geht es nun weiter? Heute ist Ruhetag. Ab Freitag beginne ich mit dem Korrekturlesen des Manuskripts. Wenn ich damit durch bin (Ende Januar) entlasse ich mein Werk mit viel Spannung an meine Testleserinnen (zwei habe ich schon, wer sonst noch gerne möchte, bitte bei mir melden) und freue mich auf deren Feedback. Aufbauend darauf geht es dann in die nächste Überarbeitungsrunde. Im Frühling schwimme ich also glücklich weiter auf der Opern-Welle.

Hier kommt nun eine Leseprobe – ich hoffe, ihr habt Lust darauf.

Es handelt sich um die Salon-Szene (gekürzt). Jo ist schwanger, Martin weiß noch nichts davon. Er hat Liebeskummer, weil sie ihn hat abblitzen lassen.

Kapitel 18: Im Salon von Frau Doktor Schwarzwald

Wien, 14. Juli 1926

Am Mittwochabend stieg Jo kurz nach Sonnenuntergang aus dem Taxi und stand ratlos vor dem schmucklosen Bürgerhaus Nummer 28 mit der abgeblätterten Farbe und dunklen Fensterhöhlen in der Josefstraße. Sie hielt die Visitenkarte fest umklammert wie einen magischen Schlüssel in eine andere Welt. (…) Dann entdeckte sie inmitten der Ranken ein Gartentürchen aus Metall, das gerade quietschend ins Schloss zurück fiel.  Jo drückte das Türchen auf, dessen Angeln ihren Eintritt lautstark ankündigten. Vor ihr lag ein geschlängelter Weg, der von flackernden Windlichtern auf beiden Seiten eingefasst war und sie zwischen duftenden Blumen und Büschen, in denen die Grillen zirpten, auf ein prächtiges Gartenhaus zuführte. Mit seinen weißen Säulen und großen Fenstern sah es wie die Orangerie eines Palastes aus. Die Eingangtür aus grün lackiertem Holz war nur angelehnt.

Jo trat in einen breiten Flur. An der linken Wand hingen Hirschgeweihe, an denen einige der Besucher ihre Hüte aufgespießt hatten. Darunter standen zwei Polstersessel, die über und über mit Sommermänteln und Capes bedeckt waren, die dort lässig darüber geworfen worden waren. Am Ende des Flures öffnete sich ein Türbogen eingerahmt von zwei roten Samtvorhängen wie zu einer Theaterbühne.

„Johann Osterkamp, was für eine schöne Überraschung“, klang eine wohltönende Stimme an ihr Ohr. Durch den Bogen mit den Samtvorhängen kam Lotte Lehmann auf sie zu. Die Sopranistin hatte ihre dunklen Haare mit einem bunten Turban umwickelt und ihre blassblauen Augen mit Kajalstift dramatisch ummalt. Sie sah aus wie eine persische Prinzessin aus Tausendundeiner Nacht.

„Kommen Sie doch an unseren Tisch“, sagte die Lehmann und zeigte ihre kleinen weißen Zähne. Jo folgte ihr in den Salon. Dieser Raum war hoch und fünfeckig wie ein Turmzimmer, ein Lüster mit buntem Muranoglas hing im Zentrum und warf einen Lichtkegel auf die Mitte des Raums, wo das Parkett frei war wie eine Tanzfläche. Rundherum standen an den Wänden fünf kleine Tische mit vielen Stühlen darum herum – alle Tische waren besetzt mit Gästen, die angeregt miteinander sprachen. Im Raum schwirrten die Stimmen wie Nachtfalter um das Licht, es summte und brummte vor Lebendigkeit. Ein Ruhepol war der mächtige Marmorkamin, der im Juli natürlich nicht brannte. Darüber hing ein großer Spiegel, ebenso wie an weiteren Stellen im Raum zwischen den Fenstern – so bekam man den Eindruck, der kleine Raum sei doppelt so groß.

Lotte Lehmann ging auf ein Tischchen bei den bodentiefen Fenstern zu und zog einen freien Stuhl vom Nebentisch für Jo heran. So saß sie nun dicht an dicht um das runde Tischchen zwischen zwei jungen Frauen.

„Darf ich vorstellen: Herr Johann Osterkamp, seines Zeichens Dirigent am Wiener Operntheater“, stellte Lotte sie der Tischrunde vor, „das ist Dorothy Thompson, sie ist Auslandskorrespondentin für den Philadelphia Public Ledger.“

Die Amerikanerin mit schwarzem Bubikopf rechts von ihr sagte:

„How do you do“, und musterte Jo mit unverhohlener Neugier,

„may I call you Jo?“

Sie nickte. Es war hier wohl üblich, sich beim Vornamen zu nennen, aber zu Siezen, solange man sich noch nicht besser kannte.

„Das ist Karen Michaelis, sie ist eine Schriftstellerin aus Dänemark. Und gegenüber sitzt Lajos Hatvany, er stammt aus Budapest und ist Schriftsteller und Literaturkritiker.“

„Ich war letzte Woche im Lohengrin, als Sie dirigiert haben. Das war sehr beeindruckend“, sagte die Dänin und lächelte Jo aus ihrem runden Gesicht mit grauen Augen freundlich an.

„Ein Jammer nur, dass die Reimkünste von Richard Wagner so unterirdisch sind. Eine Wagner-Oper genießt man am besten, wenn man kein Deutsch versteht“, meldete sich der Literaturkritiker zu Wort.

„You are so bad – Sie haben eine böse Zunge, Lajos“, lachte Dorothy und klopfte dem Kritiker mit ihrem Fächer ermahnend auf das Knie.

„Aber die Musik ist einfach überirdisch. Und erst die Stimme von unserer Lotte“, schwärmte Karen. Sie hatte einen dänischen Akzent und Jo musste sofort an Muscheln und Dünen denken. Am Hafen von Wangerooge hörte man öfters Seeleute aus Dänemark und Skandinavien.

„Darf ich Ihnen Tee einschenken?“, fragte Lotte und griff nach dem runden Metalltopf mit Ausgussschnabel, der in der Mitte des Tischs stand.

„Das ist indischer Tee mit Gewürzen. Sehr belebend. Dazu ein bisschen Mich und Honig. Von den Häppchen bedienen sie sich einfach selbst.“

Jo nickte. Neben dem schlichten Teepott stand eine filigrane Etagere aus Metall mit drei Porzellantellern, die mit belegten Schnitten und Küchlein bestückt war. Sie nahm sich ein Gurkenschnittchen mit Radieschen in Blütenform.

„Milk first“, sagte Dorothy und goss einen Schuss Milch in die zarte Porzellantasse. Dann füllte ein leuchtend roter Teestrahl die Tasse, der rosé schimmerte und nach Zimt und Nelken duftete. Die Dänin zog einen Apothekerkasten aus Holz unter dem Tisch hervor, in dem eine Sammlung kleiner Fläschchen aufgereiht waren und abenteuerlich klirrten.

„Noch einen Schuss Likör oder Schnaps dazu?“, fragte Karen und zwinkerte ihr zu.

„Unsere Gastgeberin Genia verwöhnt uns in jeder Hinsicht, nur Alkohol ist für sie tabu. Auch das Rauchen haben wir ihr nicht angewöhnen können.“

Jo hob ablehnend ihr Handfläche.

„Sind Sie auch abstinent?“, wollte Lotte wissen.

“Sie wirken immer so durch und durch tugendhaft und konzentriert.“

„Man darf sich beim Dirigieren nicht ablenken lassen“, sagte Jo ein wenig defensiv. Wenn die Damen wüsste, wie es mit ihrer Tugendhaftigkeit in Wahrheit bestellt war.

Ein Raunen ging durch den Raum und Jo suchte den Auslöser der freudigen Erregung. Die Gastgeberin Genia Schwarzwald war im Türbogen erschienen. Zusammen mit einem zierlichen Hausmädchen in Schürze trug sie einen Wäschekorb, der mit bunt eingepackten Päckchen beladen war. Sie gingen zu einer Nische neben dem Kamin, wo der Korb vor ein Marmorbänkchen auf einem persischen Teppich gestellt wurde. Genia machte eine Runde an allen Tischen vorbei und begrüßte die Neuankömmlinge, die meisten bekamen Küsse auf die Wangen.

„Oh, welche Freude, Sie hier zu sehen, Maestro Johann“, sagte die Gastgeberin und tätschelte Jo mit ihrer fleischigen Hand die Schulter.

„Ich sehe, Sie sind gut versorgt. Nachher komme ich an Ihren Tisch, dann können wir in Ruhe plaudern.“

Genia Schwarzwald nahm in ihrer Nische Platz und die Stühle kratzten auf dem Boden, als ihre Gäste ihr Stühle rückten, um sich ihr zuzuwenden.

„Meine lieben Freunde und Gäste, ich habe mir erlaubt, einige Kleinigkeiten für Sie und euch zusammenzustellen. Wie eine gute Freundin kürzlich zu mir gesagt hat: Schenken heißt, einem anderen etwas geben, was man am liebsten selbst behalten möchte. In diesem Sinne habe ich hübsche und nützliche Gaben für jeden ganz nach meinem eigenen Geschmack ausgesucht – in der Hoffnung, dass sie beim Empfänger auch auf Gefallen stoßen. Mal schauen“, sie beugte sich vor und hob das erste Geschenk aus dem Korb. (…)

Plötzlich nahm Jo aus dem Augenwinkel eine Bewegung im Türbogen wahr – eine Gestalt mit bärtigem Gesicht, blauen Augen und blonden Haarwellen. Verdammt! Was machte er bloß hier?

Lotte schwenkte ihren Arm und winkte zu ihm herüber.

„Hier ist noch Platz“, formte ihr Mund. Jo rührte in ihrem rosa Tee und drehte dem Neuankömmling den Rücken zu.

„Guten Abend zusammen“, sagte Martin Breuer und seine Stimme klang wie Honig, dabei hatte sie sich solche Süßigkeiten doch strengstens verboten. Er legte seine Hand auf die Rückenlehne ihres Stuhls – und dann strich der unverschämte Kerl mit seinem Daumen über ihr Schulterblatt, viel zu lange, als dass es ein Versehen hätte sein können. Ein Schauder jagte ihre Wirbelsäule hinab. Sie schüttelte sich wie ein Hund, der aus dem Wasser kam. Martin holte sich einen Stuhl und quetschte sich zu ihnen an den Tisch – Karin und Dorothy rückten ein Stück zurück und erweiterten ihren Zirkel für ihn. Martin nahm sich Tee und die Dänin gab ihm einen Schuss Rum aus ihrem Apothekenköfferchen dazu. Jo wollte sich gerade von diesem Tisch verabschieden, als plötzlich ihr Name fiel und ihr ein Geschenk überreicht wurde. Sie nickte der Gastgeberin dankend zu. Es schien üblich zu sein, die Präsente sofort zu öffnen. In ihrem fand sie ein wunderschönes seidenes Einstecktuch mit japanischen Motiven – Kirschblüten und Schriftzeichen – und musste an Madame Butterfly denken.

„Das kann man sicher auch als Halstuch verwenden,“ sagte Martin und gab ihr unter dem Tisch einen Stups mit seinem Fuß. Sie warf ihm einen grollenden Blick zu. Er grinste. Weitere Geschenke wurden verteilt. (…)

„Auf Genias Schwarzwaldschule geht es ganz anders zu“, sagte Karin, „dort werden die Mädchen dazu erzogen, dass sie dieselben Fähigkeiten und Talente haben wie Jungs und dieselben Chancen und Rechte einfordern sollen.“

„Das finde ich richtig“, sagte Jo, „auf meinem Gymnasium in Wilhelmshaven war man weit von solch einer fortschrittlichen Sichtweise entfernt. In meiner Klasse hat nur ein einziges Mädchen das Abitur gemacht hat.“

Sie verschwieg natürlich, dass sie selbst dieses Mädchen gewesen war.

„Die anderen Mädchen sind nach der neunten oder zehnten Klasse abgegangen, haben noch einen Kochkurs gemacht und sich dann einen Ehemann gesucht.“

„Ich finde es toll, wenn eine Frau gut kochen kann“, sagte Martin und nahm sich ein Gebäckstück, „backen auch. Das sind echte weibliche Tugenden.“

Jo ballte ihre rechte Hand unter dem Tisch zu einer Faust.

„Jetzt wollen Sie uns aber necken, was Martin?,“ sagte Lotte lachend und zwinkerte dem Störenfried zu.

„Oh, er meint das sicher ernst. Wie steht es denn um die Kochkünste Ihrer Ehefrau?“, frage Jo und schaute ihn herausfordernd an.

„Na ja, zum Glück gibt es Frauen, die mehr als ein Talent besitzen“, sagte er und lächelte süffisant.

„Das will ich meinen, wir Sängerinnen müssen doch zusammen halten“, sagte Lotte fröhlich, „ich übe beim Kochen immer meine Tonleitern und studiere meine Partien ein. Mein Mann sagt immer, meine Gerichte schmecken nach Puccini. Letztens hat er mir einen Hirsch von der Jagd mitgebracht – ich habe das Fleisch à la verismo zubereitet – blutig.“

„Ah, wenn im Dezember ihre Turandot wie Rehragout klingt, dann weiß ich warum“, sagte Martin und die beiden grinsten sich an und auch Jo musste schmunzeln. (…)

„Werden manche von den Schwarzwald-Schülerinnen auch Musikerinnen?“, wollte Jo wissen.

„Vielleicht spielt eine von ihnen eines Tages bei unseren Wiener Philharmonikern mit.“

„Da fließen eher die Flüsse aufwärts“, sagte Lotte.

„Johann hätte wohl gerne ein paar Frauen im Orchester, was?“, sagte Martin, „Gleich und gleich gesellt sich gern.“

Jo gab ihm unter dem Tisch einen Tritt ins Schienbein. Martin biss sich auf die Lippe, grinste aber immer noch.

„Warum sollte eine Frau nicht genauso gut ein Instrument beherrschten, wie ein Mann“, sagte Jo und schaute herausfordernd in die Runde und blieb auf Lotte liegen.

„Wahrscheinlich schon“, sagte diese unsicher.

„Sie sind doch als Sängerin ihrem Bühnenpartnern ebenbürtig. Ein Tenor singt nicht besser, als ein Sopran“, beharrte Jo.

„Aber der Tenor bekommt mehr Geld und mehr Applaus“, sagte Lotte zog ihren Mund in ein schiefes Lächeln, „so ist die Welt nun einmal.“

„Außerdem steht es in der Partitur, dass eine Oper Sängerinnen braucht“, fuhr sie fort, „beim Orchester steht es nicht dabei. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Herren Philharmoniker eine Frau in ihren Reihen dulden würden.“

„Ich habe in meinem Studium in Berlin einige sehr gute Musikerinnen kennengelernt“, platzte es aus Jo heraus, „eine davon könnte problemlos die Erste Geige bei den Wiener Philharmonikern spielen.“

„Nie und nimmer“, sagte Lotte leichthin und Lachgrübchen zeichneten sich in ihre runden Wangen ein, „die Geiger würden der Dame niemals folgen. Die Herren Musiker lassen sich nicht von einer Frau anführen. Und wahrscheinlich haben sie Recht damit.“

Jo krampfte ihre Hände ineinander. Der Zorn brannte heiß in ihren Venen. Wenn diese Leute wüssten, dass die Herren Philharmoniker seit Monaten einer Frau am Pult gefolgt sind – und das mit großem musikalischen Erfolg – dann würden sie ihre Vorurteile wohl über Bord werfen müssen? Oder nicht? Und dass selbst Lotte Lehmann ihren Geschlechtsgenossinnen so wenig zutraute, ärgerte sie am meisten.

„Trinken Sie noch einen Tee, bevor Sie die Revolution ausrufen“, sagte Martin und schob ihr die Tasse hin wie einem Kleinkind, das man mit einer Süßigkeit ablenken konnte. Jo stand abrupt auf. (…)

An der Haustür regte sich etwas, ein Neuankömmling wurde begrüßt. Jo folgte ihr mit etwas Abstand und war plötzlich in der Küche gelandet. Hier stand eine dicke Köchin am Herd und rührte in einem riesigen Topf. Eintopf, eindeutig.

„Ich habe einen Bärenhunger“, sagte die gerade eingetroffene Frau mit dem schmalen und energischen Gesicht. Sie trug gestreifte Matrosenhosen und eine kurzärmelige Bluse und setzte sich rittlings auf einen der Holzstühle, die Arme lässig auf die Lehne gestützt. Sie ließ sich von der Köchin einen Teller füllen und schnitt sich selbst eine dicke Scheibe Brot ab. Sie schien in dieser Küche wie daheim zu sein.

„Möchten Sie auch“, fragte die Köchin und Jo nickte.

„Eine kleine Kelle, bitte.“

Mit ihrem Teller setzte sie sich an den Küchentisch, dessen hölzerne Tischplatte voller Rillen und Kerben war, als habe er schon hundert Jahren in einer Schenke gedient.

„Anna Freud – und bevor Sie fragen: Ja, bin verwandt mit dem Meister der Psychoanalyse“, sagte ihre Tischnachbarin und streckte ihr die Hand hin. Ein fester Griff für so eine schmale Person. Auch Jo stellte sich vor.

„Sie sind zum ersten Mal hier“, stellte Anna fest, „und sie suchen Hilfe.“

„Sind Sie hellseherisch begabt?“, fragte Jo.

„Nein, nur Analytikerin. Entschuldigen Sie, Berufskrankheit. Ich sehe in jedem Menschen einen potentiellen Patienten.“

„Ist Sigmund Freud ihr – Vater?“, wollte Jo wissen.

„Ja, ich bin seine Tochter, Assistentin, Sekretärin, Krankenschwester, Lektorin, Patientin – suchen Sie sich was aus.“

Die Küchentür ging auf und Dorothy kam herein gesegelt.

„My darling“, sagte sie und gab Anna einen schmatzenden Kuss, „hast du dich endlich aus der Psycho-Bibliothek loseisen können.“

„Jeden Mittwochabend hält mein Vater eine Gesprächsrunde mit Kollegen in unserer Bibliothek ab“, erklärte Anna.

„Sind Sie auch Psychoanalytikerin“, wollte Jo wissen.

„Ja.“

„Ich finde das alles unheimlich spannend. Manchmal denke ich, ich würde mich auch gerne analysieren lassen“, sagte Jo beinahe schüchtern.

„Das sollten Sie. Es gibt keine größeren Geheimnisse auf der Welt, als unsere verborgenen Ängste, Wünsche, Sehnsüchte und Träume.“

„Vielleicht könnte ich mal zu ihnen kommen“, sagte Jo. Die unverblümte Art der jungen Frau weckte ihr Vertrauen.

„Ich habe mich auf die Analyse von Kindern spezialisiert“, sagte Anna, „aber ich kann Ihnen eine gute Kollegin empfehlen, Eva Rosenfeld, wir machen bald eine Praxis zusammen auf.“

Anne betrachtet Jo eingehend. Sie hatte das Gefühl, diese Frau könne mühelos hinter ihre Maskerade blicken. Sie verschränke die Arme vor der Brust.

„Die meisten Leute wollen nicht zur Schülerin, wenn sie stattdessen zum Meister gehen können. Und eine Frau als Analytiker ist ihnen sowieso suspekt. Aber Sie – haben eine Schwäche für Frauen, oder?“

Jo wusste nicht, wie das gemeint war. Sie zuckte mit den Schultern.

„Ich denke, eine Frau kann in jedem Beruf genauso gut sein, wie ein Mann“, sagte Jo. „vielleicht sogar besser, weil sie mehr kämpfen und härter dafür arbeiten musste, an der gleichen Stelle anzukommen.“

„Well said!“, rief Dorothy und klopfte auf den Tisch, so wie es an der Universität üblich ist, um seinem Professor Respekt zu zollen. Sie löffelten eine Weile schweigend ihren Eintopf.

Die Küchentür schwang auf und einer der Herren aus der Bibliothek kamen herein.

„Der Teufel ist ein Optimist, wenn er glaubt, dass er die Menschen schlechter machen kann“, verkündete der Mann mit der napoleonischen Gedächtnisfrisur und dem gramerfüllten Zug um den Mund.

„Oh, Karl, wenn du Hunger hast, scheint dir die Welt immer von Grunde auf böse“, sagte Anna lachend und die Köchin füllte ihm einen Teller mit Eintopf. Karl setzte sich zu ihnen an den Tisch und versenkte seinen Löffel in die dicke Suppe. Zu seinem Schmatzen gesellten sich auf einmal lieblichere Klänge. Ein Piano und eine Sopranstimme klangen gedämpft durch die Wände.

„Ah, Lotte gibt einige Lieder zum Besten“, sagte Anna.

Jo zog es nun in das Musikzimmer, das gut gefüllt war. Der Schläfer auf dem Sofa saß nun aufrecht, um ihn herum tummelten sich Zuhörer auf den Kissen.

Lottes Stimme schwebte durch den Raum:

„Am Brunnen vor dem Tore
Da steht ein Lindenbaum:
Ich träumt’ in seinem Schatten
So manchen süßen Traum.“

Ihr Körper wiegte sich wie ein Schlitten in sanfter Hügelfahrt, ihre Ketten und Armringe klirrten leise dazu wie gefrorener Schnee – passend zur Winterreise von Schubert. Aber wer griff da so schrecklich falsch in die Tasten? Jo bewegte sich einen Schritt zur Seite, um den Pianisten zu sehen, der von der Sängerin verdeckt war.

Martin! Er schien ganz versunken in sein Spiel, warf ab und zu einen Blick in die Noten und auf die Sängerin. Nach dem Lied gab es Applaus und Martin griff nach einem Glas, das neben den Noten stand, und nahm einen tiefen Zug von der goldigen Flüssigkeit – Kräutertee? Er schwankte bedenklich, als er seinen Kopf in den Nacken legte. Entweder war er ein lausiger Pianist – oder betrunken. Lotte raunte ihm etwas zu, er hantierte umständlich in den Noten, dann spielte er atonal an.

„Ich träumte von bunten Blumen“, stimmte Lotte den Frühlingstraum an, ein weiteres Lied aus der Winterreise.

„Unsere Lotte ist solch ein Schatz, sie lässt sich nicht lange bitten“, sagte eine Dame mit Doppelkinn neben Jo, „als vor einigen Wochen Maria Jeritza hier war, hat sie es trotz eindringlicher Bitten abgelehnt, für uns zu singen.“

„Ja, genau“, flüsterte eine andere Frau, „die Jeritza hat sich damit entschuldigt, dass sie nur singen könne, wenn sie zuvor fünf Stunden lang nichts gegessen habe, sonst bekomme sie Sodbrennen beim Singen.“

„Dabei hatte die Jeritza hier keinen einzigen Happen gegessen“, sagte die dicke Dame geradezu empört, „sondern sich den ganzen Abend über an ihrem Glas Ananassaft festgehalten – eine Diät für ihre schlanke Bühnenfigur.“

„Lotte Lehmann ist eine Frau, mit der man Pferde stehlen kann“, sagte Karl. „mit Maria Jeritza geht man Pferde kaufen. Aber nur solche, die einen Stammbaum haben.“

Die umstehenden nickten und applaudierten umso stürmischer für die bodenständige Lotte.

Lotte sang Zueignung und Morgen mit viel Wärme und Gefühl in der Stimme. Das Spiel von Martin allerdings wurde immer unsicherer. Selbst für ein ungeübtes Ohr musste hörbar sein, dass er sich in den Tönen vergriff und ständig Tempo und Dynamik wechselte – mal aufbrausend, dann wieder abschwellend bis schleppend – was beim Liedgesang gar nicht passte. Lotte ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Jo wurde es immer heißer und sie spürte, wie ein Rinnsal von Schweiß zwischen ihren flach gedrückten schmerzenden Brüsten hinab rann. Sie zupfte an ihrem Halstuch und sah sich im Raum nach einem Ausweg um. Dann fiel ihr ein, was sie tun konnte.

Sie ging in der nächsten Gesangspause entschlossen zum Piano und setzte sich einfach neben Martin auf den Schemel und drängte ihn beiseite.

„Es wäre mir eine Ehre, wenn ich Sie auch einmal begleiten dürfte“, sagte sie. Lotte schaute sie erstaunt an, dann glitt ein dankbares Lächeln über ihr Gesicht und sie zwinkerte Jo zu. Martin blieb neben ihr sitzen – der Mann verstand wirklich keinen Wink mit dem Zaunpfahl – und schmiegte sich auch noch an ihre Seite, sein Kopf lag fast auf ihrer Schulter. Sie presste ihm ihren spitzen Ellbogen in die Rippen, was aber nur ein Schnauben seinerseits hervorrief. Also begleitete sie Lotte bei zwei weiteren Strauss-Liedern. Ihre geübten Pianistinnenfinger flogen mühelos über die Tasten. Währenddessen zog die Hitze von Martins Körper in sie hinein und der unverkennbare Geruch von Alkohol. Ihre Handinnenflächen würden feucht und sogar ihre Fingerspitzen, die einige Male von den schmalen schwarzen Tasten abrutschten und die Halbtöne atemlos klingen ließen. An diesem Abend würde sie für ihr Spiel sicher keinen Preis gewinnen – aber für eine solide Liedbegleitung reichte es. Endlich beendete Lotte ihr Salon-Konzert. Der Raum leerte sich.

„Ich rufe Ihnen ein Taxi“, sagte Jo und stand brüsk auf, Martin kippte fast zur Seite, erwischte sie aber mit seiner Hand an der Hüfte und versuchte, sie wieder zu sich heran zu ziehen.

„Aber nur, wenn du mit mir nach Hause kommst“, murmelte er mit schwerer Zunge.

„Ja, das mache ich“, sagte sie und ging ein Telefon suchen. Natürlich würde sie ihn vor seiner Haustür abliefern und keinesfalls in sein Bett begleiten. Dorothy kam ihr zur Hilfe und tätigte den Anruf.

„That’s not the first time – das ist nicht das erste Mal“, lachte sie. Jo fragte sich, ob sie damit betrunkene Gäste im Allgemeinen oder Martin Breuer im Besonderen meinte.

Als sie wieder ins Musikzimmer kam, war Martin deutlich belebter. Er hatte eine Kaffeetasse in der Hand und scherzte mit den beiden Tänzerinnen, die ihm die Mappe mit ihren freizügigen Fotos zeigten. Eine von ihnen lag vertraulich an seine Schulter gelehnt und fuhr mit ihrem Zeigefinger über sein lockiges Brusthaar, das zwischen seinem halb aufgeknöpften Hemd hervorschaute. Er grinste deppert und seine Zähne blitzten auf. Dann flüsterte er der Tänzerin etwas ins Ohr und sie kicherte aufreizend.

„Das Taxi ist gleich vor der Tür. Die Nachtluft wird Ihren Kopf hoffentlich abkühlen“, sagte Jo und kam sich wie eine Gouvernante vor. Einfach albern. Warum kümmerte sie sich überhaupt um diesen Mistkerl? Sollte er sich doch vor allen Leuten lächerlich machen, das war doch nicht ihr Problem!

Martin stand mit Mühe auf und schenkte auch ihr sein Don- Juan-Lächeln.

„Meine süße Sittenwächterin“, murmelte er. Sie legte ihm den Finger auf den Mund und zog ihn wütend hinter sich her. Im Flur blieb er vor den Hirschgeweihen stehen und tat so, als würde er eine Flinte anlegen.

„Pchhhowww“, machte er, „Weidmannsheil – Weidmansdank“, und er tippte sich mit der Hand an den Kopf zum Jägergruß.

„Volltreffer“, sagte Jo, „hier geht es hinaus“, und sie zog die Haustür auf.

„Mein Hut“, er zog einige Hüte von den Geweihen und hätte beinahe eines mit von der Wand gerissen. Jo kam ihm zur Hilfe und reckte sich nach dem Hut, auf den er zeigte. Plötzlich umarmte er sie von hinten und küsste ihren Hals und seine Hände öffneten erstaunlich geschickt ihren obersten Blusenknopf und fuhren von ihrem Schlüsselbein herunter auf ihre Brust, wobei seine Finger sich von oben in ihr Korsett drängten.

„Mein schö-scheunes Reh“, hauchte er heiser in ihr Ohr.

Sie boxte ihm mit ihrem Ellbogen in den weichen Bauch, wand sich aus seiner Umarmung und gab ihm eine schallende Ohrfeige. Hektisch flogen ihre Blicke durch den Flur – hatte jemand sie gesehen? Karl und noch jemand steckten ihre Köpfe aus der Bibliothek, offenbar durch das klatschende Geräusch aufmerksam geworden. Jo machte am Absatz kehrt und rannte zur Tür hinaus. Auf dem Gartenweg knöpfte sie mit zitternden Händen ihre Bluse wieder zu. Im Tunnel blieb sie stehen und holte tief Luft, ließ die kühle Nachtluft über ihre heißen Wangen streichen. Sie lehnte sich an die Wand, als eine Welle von Schwindel über sie hinweg rollte. Dann hob sich ihr Magen und sie kotzte in den Rinnstein. Der Eintopf hatte sich optisch nicht sehr verändert.

Sie hörte Rufe „macht’s gut“ und „bis bald“ und Lachen an der Haustür und knirschende Schritte auf dem Gartenweg und das Quietschen vom Mauertörchen. Hastig trippelte sie über das Kopfsteinpflaster aus dem Tunnel zur Straße, die menschenleer vor ihr lag. Sie wollte niemandem mehr begegnen, also ging sie im dunklen Hauseingang in Deckung.

Da leuchteten zwei Scheinwerfer in der Dunkelheit auf und um die Ecke bog das für Martin bestellte Taxi und näherte sich. Sie wollte gerade hervortreten, als zwei Gestalten aus dem Tunnel auftauchten – Martin mit seinem Arm um die Tänzerin gelegt, halb auf sie gestützt, hutlos, lachend. Die Tänzerin winkte dem Taxi, das am Bordstein stehen blieb. Zwei schöne Beine stöckelten neben einem Hinkebein, stiegen ins Auto und verschwanden in der Nacht.

Wie gefällt euch diese Szene? Ich freue mich sehr über Feedback.

Please follow and like us:
error

Lyrischer Jahreswechsel 2020/2021

Ich hoffe, ihr seid alle gut und gesund ins Jahr 2021 gerutscht. Zumindest an Wünschen und Hoffnungen wird es im neuen Jahr nicht mangeln. Habe mich an eine lyrische Rückschau und Vorschau gewagt:

2020/2021

Kann es kaum erwarten

das Kalenderblatt zu wenden

doch vor dem Nimmerwiedersehen

verschwende einen Blick zurück

 

Nicht nur die Jugend ist lost

im endlosen Erdenjammer

sauge Nachrichten wie Nektar

süchtig nach Schauderschrecken

 

Beim Homeschooling kochen

vor dem Bildschirm in Serie sitzen

grüne Daumen wachsen lassen

Fenster offen und hoffen und zoffen

 

Bin eine Mondscheinjägerin

verschollen im sengenden Sonnenschein

gestrandet im Homeoffice mit Echohall

gefangen im Raster der Rettungsroutine

 

Zoom-out 2020

Zoom-in 2021

 

Willkommen Hoffnungsjahr

Gib mir

einen Ölwechsel für den Optimismus

Gib mir

eine Spritze zur Gemütsaufklarung

Gib mir

eine Armverlängerung zur Weltumarmung

 

Lass mich emporflügeln und übermüpfig

die Lichtgrenze überfliegen

lass mich ins Fantastische spekulieren

und Wundergesundland anpeilen

 

Lass mich froherschrocken

dem Blütenschaum entgegen segeln

und die Masken fallen lassen

bin immun gegen meinen Mutverfall

 

Please follow and like us:
error

Hennis Blog-Adventkalender 2020 – Türchen 18

Ich folge erneut der Einladung von Sabine und trage meinen Teil zur Adventskalendergeschichte bei. In den letzten 17 Tagen hat sich die Adventsgeschichte um Henni überraschend und gefühlvoll entwickelt. Was bisher geschah, könnt ihr in diesem pdf nachlesen.

Das vorherige Türchen 17 zum Einstieg:

„Da muss ich dran gehen“, murmelte Henni Richtung Julius, Jana und Ferkelchen.

Henni ging in die Küche hinüber, setzte sich auf den nächstgelegenen, wackeligen Küchenstuhl und hauchte in ihr Handy: „Hallo Lars…“

„Ja, es tut mir leid, dass ich mich nicht gemeldet habe.“

„Nein, ich habe deinen Geburtstag nicht vergessen.“ Henni schnaubte innerlich, was glaubte dieser eingebildete Tölpel, dass sie sich nach ihrem ersten Date sofort melden würde? Sie war sich noch gar nicht ihrer Gefühle zu ihm sicher. Wieder einen Mann in ihr Leben lassen? Das ging ihr alles zu schnell.

Sie dachte an Uwe. Bei ihm war es anders gewesen, da hatte sie sofort gewusst, dass er der Richtige für sie war. Und der Einzige?

„Was, du möchtest mich zum Adventsessen einladen? Okay, ja.“

„12.30 Uhr passt. Ja, ist gut. – Nein ich bringe nicht wieder Ulla mit.“

Henni legte auf. Ulla war doch ihre Freundin. Sie brauchte sie in so brenzligen Situationen. Aber sie wusste auch, dass Lars mit ihr allein sein wollte.

Sie hatte Angst, dass…

Türchen 18:

Lars sie mit seinem Hundeblick emotional erpressen und sie sich schlecht fühlen würde, “nein” zu sagen. Jetzt hatte sie schon zum Essen zugesagt, weil ihr so schnell keine Ausrede eingefallen war. Lars erinnerte sie an einen Teddy mit seinem weichen Bauch und den Haaren auf den Fingern. Ein lieber Kerl. Aber er hatte seltsame Angewohnheiten – er wischte die Kuchenkrümel mit dem Zeigefinger vom Teller und leckte ihn dann schmatzend ab und trug Socken mit Comic-Figuren drauf. Wo es doch für Henni völlig klar war, dass außer Ringelsocken nur noch rote Punkte in Betracht kämen. Und dann hatte er ihr zum Abschied auch noch einen Kuss aufs Ohr gedrückt. Nein, das ging gar nicht.

Henni hatte sich in den letzten Jahren gut in ihrem Leben alleine eingerichtet – mit Freundin Ulla und ihren Hühnern. Niemand machte ihr Vorschriften. Sie konnte mit ihrem Regenmantel unter die Dusche gehen und in ihren Gummistiefeln ins Kino.

Das Ferkelchen hoppelte grunzend aus dem Wohnzimmer und zwischen den Beinen ihres Küchenhockers hindurch, so dass dieser bedenklich wackelte, und riss sie aus ihren Gedanken.

“Aber wer sagt denn, dass wir wirklich alleine zum Essen mit Lars gehen müssen?”, murmelte Henni und machte sich auf die Suche nach…

Morgen öffnet Michaela das Türchen 19.

Please follow and like us:
error

Hennis Blog-Adventkalender 2020 – Türchen 3

Traditionsgemäß schreibe ich wieder bei Sabines Blog-Adventskalender mit.

Ich wünsche euch allen eine geruhsame Adventszeit mit viel Vorfreude – auch auf die Advents-Geschichte, die mit jedem Türchen ein Stück weitergeschrieben wird.

Was bisher geschah steht in kursiv.

Sie hält das Streichholz, mit der sie die erste Kerze auf dem Adventskranz angezündet hat, noch in der Hand. Wie früher bei der Mutprobe mit ihrem älteren Bruder. Wer konnte das Streichholz länger in der Hand halten? Sie beobachteten beide die heiße Flamme, wie sie sich ihren Fingern näherte. Wurde es zu heiß, ließen sie das Streichholz fallen. Ihr Bruder konnte das Streichholz immer eine Sekunde länger halten als sie. Erst Jahre später hatte er ihr verraten, dass er seine Finger vorher mit Vaseline eingeschmiert hatte. Er hatte sie getäuscht und nicht nur dieses eine Mal.
Sie schaut aus dem Fenster. Wird er heute kommen?

Henni hatte das Streichholz wie damals auch immer nicht schnell genug fallen gelassen. Eine erbsengroße Brandblase bildete sich sofort an ihrem Daumen.

„Ich hasse dich. Warum kann ich selbst heute, nach gut einem halben Jahrhundert nicht besser aufpassen?“

Die erste Kerze an ihrem Adventskranz brannte. War es und er das wert?

Sie rannte in die Küche und ließ kaltes Wasser über ihre Finger laufen. Dabei überhörte sie, dass es klopfte.

Er war gekommen. Würde er jetzt aufgeben und wieder gehen?

Hennis Blick fiel auf den Kühlschrank. Mit einem Marienkäfermagneten – denn sie liebte Punkte – hatte sie dort die Postkarte mit dem Leuchtturm festgemacht. Der Leutturm war rot-weiß gestreift und sah aus, als habe er Ringelsocken an. Ihr Bruder hatte ihr die Leuchtturmkarte geschickt.

“Vielleicht komme ich dich an Weihnachten besuchen”, lautete der letzte Satz. Ihr Bruder lebte seit über 20 Jahren am Nordseestrand in einem Haus – mit Strohdach vielleicht. Sie wusste es nicht. Sie hatten sich so viele Jahre nicht gesehen.

“Vielleicht.”

Das Wort schmeckte wie Pampelmuse auf Hennis Zunge.

“Wir müssen uns vorbereiten”, murmelte sie, “ja, das müssen wir.”

Wie es weitergeht, erfahrt ihr morgen bei Anneliese.

 

 

Please follow and like us:
error

Tag 22 in NaNoWriMo – mein erstes Mal – eine Sexszene schreiben

Am Sonntag ist es soweit – meine Dirigentin Jo und ihr brasilianischer Kollege haben ihren ersten Kuss gelandet und nun geht es ins Bett. Aber wie schreibe ich eine Sexszene. Das ist absolut neu für mich. Ich weiß, dass ich als Leserin solche Szenen eigentlich ganz gerne habe, aber unterschiedlich gut gelungen finde. Bei Stephen King zum Beispiel geht es immer ziemlich deftig zu, in Frauenromanen romantisch bis kitschig, die „Kamera“ hat meistens einen rosa-rot Filter drauf und faded aus, wenn es konkret wird.

Ich suche im Internet nach Artikel „wie schreibe ich eine gute Sexszene“ und stoße zunächst auf die Seite der britischen Zeitung „The Guardian“: Deren Literaturkritiker vergeben jedes Jahr „Britain’s most dreaded literary prize“ – nämlich einen Preis für die schlechteste Sexszene („outstandingly awful sexual scene“) in der Literatur. Unter Schriftstellern ist das Schreiben einer erotischen Szene nämlich nicht ohne Grund gefürchtet, denn das ist die Kür mit Dreifach-Axel auf sehr glattem Eis und man kann böse auf dem Hintern landen. In diesem Artikel sind auch wunderbare Zitate von preiswürdig peinlichen Beschreibungen zu finden – sehr lesenswert.

Damit wächst mein Respekt vor meiner Aufgabe umso mehr. Aber ich will es trotzdem wagen. Zum Glück finde ich noch einen hilfreichen Ratgeber-Artikel. Hier lerne ich, dass es bei einer gut geschriebenen Sexszene auf drei Dinge ankommt: 1. wechselseitiges Agieren, 2. die Balance physischer und psychischer Darstellung und 3. das Vokabular.

In meiner Bettszene beschreibe ich das Geschehen aus der weiblichen Sicht von Jo, aber ich werde nun darauf achten, auch den Mann im Wechsel vorkommen zu lassen. Wie bei einem Tanz: beide Partner vollführen ihre Bewegungen in Reaktion aufeinander, es gibt ein harmonisches Zusammenspiel der Körper. Nicht einer ist der Alleintänzer und der andere die passive Puppe.

Meinen besonderen Fokus werde ich auch auf die emotionale und psychologische Komponente legen und die Liebesnacht in den dramaturgischen Bogen der Handlung einbetten (ins Himmelbett natürlich). Als Leserin soll man nachempfinden können, warum Jo ihre eigenen Regeln bricht (Karriere statt Beziehung), warum sie sich hinreißen lässt, was es für sie bedeutet, ihre Männerverkleidung abzulegen und wieder Frau sein zu dürfen und schließlich warum sie im Nachklang wieder einen Riegel vorschiebt und das Liebespaar nicht ins Happy End einläuft, sondern die Komplikationen und die Gefühlsturbulenzen jetzt erst so richtig losgehen.

Dann stellt sich die Frage des Vokabulars. Es gibt ja eine erstaunliche Bandbreite von Ausdrücken für die weiblichen und männlichen Körperteile, von vulgär, derb über medizinisch, neutral, verniedlichend und metaphorisch. Entscheidend für mich ist, dass ich die Sprache von meiner Protagonistin finde, denn aus ihrer Sicht ist die Szene schließlich beschrieben – also müssen die Vokabeln zu ihrem sonstigen Sprachduktus passen. Ich kann also auf einige musikalische Vergleiche und Metaphern zurückgreifen, aber abgesehen davon hat sie eine nordische Klarheit in ihrer Sprache und nennt die Dinge eher sachlich beim Namen. Also wird es die „Paradiespforte“ in meinem Text nicht geben, auch will hier kein „purpur behelmten Krieger ins gelobte Land“ – wie Bodo Wartke in seinem genialen Lied „Mir fehlen die Worte“ zu diesem Thema vorschlägt.

Ich mache mich also mit Feuereifer ans Schreiben meiner Sexszene – und es macht mir unglaublich viel Spaß. Ich schreibe zwar etwas langsamer als sonst, weil ich öfters über die beste Wortwahl nachdenke – wie zum Beispiel soll sich das Brusthaar von Martin für Jo anfühlen? „flauschig“? Hm. Das klingt nach einem Küken. Ich hole mir Hilfe im Synonym-Wörterbuch und entscheide mich für „wollig“. Insgesamt geht es mir erstaunlich leicht von der Hand.

Nun ist das Werk vollbracht – die Szene dauert ganze 6 Seiten an – und ich bin zufrieden.

Ich bin sehr gespannt, ob und wie meinen zukünftigen Testleserinnen diese Sexszene gefällt – sicherlich kann man nicht jeden Geschmack treffen. Ihr könnt euch jetzt schon darauf freuen – ab Seite 163 geht es los.

Übrigens liege ich gut im Wordcount, schreibe jeden Abend und jede Nacht meine dreieinhalb Stunden und habe ein kleines Wörterpolster aufgebaut. Ich liege gut in der Zielkurve, nun kommt der lange Endspurt. Bin zuversichtlich.

Als Leseprobe gibt es (leider) nicht die pikante Szene – dafür aber das „Vorspiel“.

Kapitel 10: Winterstürme wichen dem Wonnemond

Wien, 05. Mai 1926

Das Nachspiel zur „Walküre” fand in der Bar des Hotels Bristol gegenüber des Opernhauses an der Ringstraße statt. Die Hotelbar Hoffmanns war der informelle Treffpunkt der Künstler nach der Vorstellung, wenn man nicht groß Essen gehen wollte, aber noch gesellig mit Kollegen den Abend ausklingen lassen wollte. Hier wurde der Klatsch gepflegt, wo man an den winzigen runden Tischen seine Köpfe zusammensteckte, die Worte gedämpft vom dicken Schafswollteppich und den mit rotem Samt bespannten Wänden, im Mantel des Dämmerlichts. Die einzige Lichtquelle kam von den Kerzen auf den Tischen und von den erleuchteten Spiegelvitrinen rundum und hinter der Bar, in der hunderte Glasflaschen in den verschiedensten Farben und Formen aufgereiht standen und deren alkoholischen Elixiere die Musengeister entließen, ganz so wie in „Hoffmanns Erzählungen”1.Gluck, Gluck, Gluck! Ich bin der Wein. Gluck, Gluck, Gluck! Ich bin das Bier”, sangen die Flaschengeister vielstimmig von den Wänden und Kleinzack höchstpersönlich hockte mit seinem Buckel und der Nase schwarz von Schnupftabak in irgendeiner schummrigen Ecke an einem Tisch und machte Crick, Crack. In dieser Gesellschaft erzählte man sich flüsternd von Liebeskummer und von Eifersucht, im nächsten Moment wurde exstatisch gelacht, denn im Nachhall der Kunst spürte man die Vergänglichkeit. Jede Nacht und jedes Lachen könnte das letzte sein.

Nach der Vorstellung hatte Jo vor der Garderobentür auf Breuer gewartet. Als Breuer in frischer Kleidung und aufgebürsteten Haaren aus seiner Garderobe kam, legte er schwungvoll seinen Arm und ihre Schultern und nahm ihr die Partitur weg, die sie halb aufgeschlagen bereit hielt, ihm sofort musikalischen Bericht zu erstatten.

Das heben wir uns für morgen auf. Jetzt gehen wir feiern”, sagte er und zog sie mit sich mit. Er schien in Hochstimmung zu sein.

Als sie ins Hoffmanns kamen, war der Tresen schon voll besetzt mit Musikern und die meisten der Tische. Breuer steuerte auf einen freien Zweiertisch in der Mitte des schummrigen Raumes zu und sie setzten sich einander gegenüber. Zwischen ihnen flackerte das Teelicht in einem grünen Glas. Breuer bestellte für jeden ein Krügerl Bier. Ihre Knie berührten sich unter dem Tisch und über dem Tisch hätte sie sich nur ein bisschen vorlehnen müssen, und dann wären ihre Nasen zusammengestoßen. Oder ihre Münder. Aber auch rückseitig rieb man sich beinahe an dem Rücken seines Hintermannes, so dass von Zweisamkeit keine Rede sein konnte – man saß eingekeilt in einer Gruppe – und auch die Gespräche wurden über die Tische hinweg geführt.

„Habt ihr’s gesehen, wie die Olczewska gespuckt hat? Hat sie die Mizzi getroffen? Konnte leider nicht sehen, wo die Spucke gelandet ist”, sagte der Souffleur in den Raum hinein.

„Da hat die Jeritza wohl eine Sprühdusche abgekommen. Das geschieht der Diva recht, wenn sie bei ihrer Kollegin dazwischen blökt”, meinte ein Cellist. Es wurde gelacht. (…) Das gibt mehr als eine Rewaunsch.”

Da waren sich alle einig. Dann wurden Anekedoten erzählt zu Streitigkeiten zwischen Sängern hier und auf anderen Bühnen. Sie saßen kaum zwanzig Minuten beisammen, da entschuldigte sich Breuer bei Jo, er wolle mal zum Rauchen nach draußen gehen. Er ging. Und blieb weg. Sie saß alleine an dem Tisch, vor sich die zwei halb vollen Bierkrüge. Sie hörte den anderen bei ihren Gesprächen zu.

Zu Händels Zeiten gab es noch handfeste Schlägereien auf der Bühne”, erzählte der Souffleur (…)

Breuer, wo war den Ihre Schlachtenmusik heute Abend?”, rief jemand quer durch den Raum.

Genau, wir hätten den Walkürenritt wiederholen sollen”, lachte ein anderer.

Wo ist unser Maestro eigentlich”, fragte ein dritter. Der Stuhl von Breuer war immer noch leer und Jo saß wie ein wachsames Hündchen davor. Wo blieb Breuer nur? Hatte er sie hier einfach sitzen gelassen?

Hat sich der Breuer über die häusa haun”3, fragte der Oboist, der Rücken an Rücken mit Jo saß.

Wollen Sie sich zu uns an den Tisch setzen, Herr Osterkamp?”, bot der Musiker an.

Sie schüttelte den Kopf. Gleich würde sie ohnehin nach Hause gehen. Ein paar Minuten würde sie noch warten, ob Breuer wiederkäme. Oder sollte sie nachschauen, was er draußen so lange machte oder ob er überhaupt noch da war?

Jo stand auf und schlängelte sich zwischen den Tischen und Stühlen zum Ausgang aus dem schummrigen Spiegelkabinett. Im Foyer des Hotels musste sie zunächst blinzeln unter dem Kristallleuchter, der sein elektrisches Licht auf die Schaubühne für die illustren Hotelgäste warf. Ein roter Teppich führte von der herrschaftlichen Treppe auf den Hautpeingang zu, wo eine goldene Drehtür für einen königlichen Entré sorgte. Durch das Glas sah sie draußen eine wohlbekannte blonde Haarpracht im Wind wehen. Sie ließ sich durch die Drehtür nach draußen tragen wie ein Würfel im Roulette. Brauer stand mit dem Rücken zum Eingang auf dem roten Teppich augenscheinlich in ein Gespräch versunken mit keiner geringeren als Maria Jeritza. Die Sopranistin trug ein fließendes Seidenkleid, durch das sich ihre prallen Brüste deutlich abzeichneten, offensichtlich trug sie kein Korsett. Der kühle Abendhauch des warmen Frühlingstages tat den Rest, um alle Details ihrer weiblichen Anatomie sichtbar zu machen. Um ihre runden Schultern hing lose ein Cape in derselben matt-weißen Farbe wie ihr Gewand. Ihr blondes Haar lag in weichen Locken um ihren Kopf bis auf Kinnhöhe. Sie sah aus wie eine Mond-Göttin. Breuer schaute sie wie gebannt an, als habe sie eben den Tanz der sieben Schleier für ihn getanzt. Gerade lachte sie glockenhell und legte dabei ihren Kopf in den Nacken und ihre Hand vertraulich auf den Arm des Dirigenten. Jo stellte sich brüsk neben das Turtelpärchen.

Guten Abend, Frau Baronin”, sagte Jo. Es konnte nicht schaden, die Dame daran zu erinnern, dass sie verheiratet war.  Die Primadonna warf Jo einen erstaunten Blick zu.

Nicht dass Sie sich an der Nachtluft verkühlen”, sagte Jo wie ein Kavalier und ließ ihren Blick für einen ausgibigen Moment auf die berühmten Aphrodite-Brüste der Sängerin gleiten – was sicherlich alles andere als wohlerzogen wirkte, „es wäre eine Schande, wenn Sie sich einen Schnupfen zuzögen und wir auf Ihre herrliche Stimme in der nächten Vorstellung verzichten müssten.”

Jo hob den Blick und starrte der Sängerin nun beinahe kampfeslustig in die blauen, stark geschminkten Puppenaugen. Jeritza zog sich ihr Cape dichter um die Schultern und verhüllte ihre prominenten Brüste notdürftig. Jo sah aus dem Augenwinkel, wie Breuer schmunzelte.

Das ist sehr aufmerksam von Ihnen, Herr Oberkampf”, säuselte die Primadonna. Dass sie Jos Namen nicht richtig kannte, ärgerte sie ein wenig.

Nun, dann werde ich Gute Nacht sagen”, sie reichte Breuer graziös ihre Hand, der sich für einen galanten Handkuss hinab beugte, dann drehte sie sich auf ihren hohen Hacken um, ohne „Oberkampf” eines weiteren Blickes zu würdigen, und stolzierte zu einer geparkten Limousine. Ein Fahrer in Uniform sprang heraus und hielt ihr die Tür auf. Offensichtlich ihr Privatchauffeur. Sie rauschte in die Nacht davon.

Ich gehe auch nach Hause”, sagte Jo, „ich habe lange genug alleine an diesem Tisch gesessen. Ihr Bier müssen Sie nun ohne mich austrinken – und meines meinetwegen auch.”

Jo wollte sich abwenden, da spürte sie eine warme Hand an ihrem Oberarm, die sie festhielt.

Sie sind ganz schön empfindlich, mein lieber Oberkampf”, sagte Breuer und grinste, „lassen Sie uns wieder reingehen und ich bestelle uns Cocktails.”

Nein, danke. Man muss einen klaren Kopf behalten.”

Nicht immer…”, sagte Breuer.

Was ich Ihnen noch sagen wollte,” hob Jo in strengem Ton an, „der Übergang im Ersten Aufzug von der Streicherpassage zu den Hörnern in der Arie Winterstürme wichen dem Wonnemond war von der Dynamik völlig misslungen.”

Sie erklärte ihm ganz präzise, was er alles falsch gemacht hatte, sang ihm die Instrumentenstimmen vor und formte mit ihrer linken Hand Ausdruck und Artikulation der Töne in die Luft. Breuer schaute sie währenddessen intensiv an, aber er schien ihr trotzdem nicht richtig zuzuhören. Sein Gesichtausdruck meanderte zwischen Aufmerksamkeit und Amüsement, seine meeerblauen Augen wanderten über ihr Gesicht, hingen besonders an ihren Lippen – was sie noch schneller sprechen ließ.

Haben Sie verstanden?”, fragte sie zornig.

Sie fallen wohl nie aus der Rolle, was Osterkamp? Immer der Dirigent. Nehmen Sie Ihren Taktstock auch mit ins Bett? Oder darf da sonst noch wer bei Ihnen liegen?“

Er lächelte sie herausfordernd an und Lachfalten fächerten sich um seine Augen herum auf. Seine vollen Lippen teilten sich und zeigten seine schönen Zähne. Ihr Kopf war plötzlich wie leergefegt und ihr fiel keine Erwiderung ein.

Jetzt ist Feierabend. Machen Sie sich mal locker.”

Und in einer zielgenauen Bewegung, bevor sie begriff, was er tat und einschreiten konnte, zog er an einem Ende ihres Halstuchs und die Schleife löste sich. Er zog ihr das Tuch vom Hals, das eine heiße Schleifspur auf ihrer Haut zurückließ. Sie schnappt nach Luft und reckte ihr Kinn reflexartig vor, um zu protestieren und fasste nach dem Tuch, um es ihm aus der Hand zu reißen. Breuer nahm mit seiner anderen Hand ihr Kinn zwischen Daumen und Zeigefinger und sie erstarrte unter dieser Berührung wie ein hypnothisiertes Beutetier. Der leichte Druck seines Daumens löste sich von ihrem Kinn und sein Finger glitt ihren entblößten Hals hinab, über ihre Gurgel – sie wagte nicht zu schlucken, nicht zu atmen – bis zu ihrem Schlüsselbein. Seine warme Berührung jagte einen Schauder durch ihren ganzen Körper. Sie warf einen blitzschnellen Blick in sein Gesicht. Er hatte seine Augen fast geschlossen und schien sich ganz auf das Spüren zu konzentrieren.

Ein Lufstrom und ein Stimmengewirr weckte sie aus ihrer Erstarrung. Breuer trat einen Schritt zurück und ließ das Halstuch los, das nun schlaff in ihrer Hand hing. Ihre magische Verbindung war unterbrochen. Einige Gestalten kamen aus der Drehtür und zogen an ihr vorbei wie Schattten.

Wir haun uns in die hapfn”4, sagte einer der Musiker.

Gute Nacht”, hörte sie Breuer sagen. Ob zu den Musikern oder zu ihr, wusste sie nicht. Er wendete sich ab und ging durch die goldene Drehtür zurück in die Hotellobby.

Jo ging wie eine Traumwandlerin nach Hause. Ihre Beine kannten den Weg. Gedankenfetzen jagten durch ihren Kopf. Sie fühlte sich, als ginge sie unter Wasser. Ihre Ohren waren taub gegen die Geräusche der Straße. Das einzige, was sie in ihren Ohrmuscheln hörte, war das Rauschen des Blutes im Rhythmus ihres Herzschlages – Staccatissimo – Prestissimo5.

Fußnoten

1„Hoffmanns Erzählungen“ (frz. Originaltitel: „Les contes d’Hoffmann“) ist eine Phantastische Oper von Jacques Offenbach. Uraufgeführt am 10. Februar 1881 in Paris.

3Wienerisch für einen Abgang machen, verschwinden

4Wienerisch für ins Bett gehen, schlafen gehen

5Äußerst abgehackt und schnell

Please follow and like us:
error