Konzerthaus Berlin am So, 11. Oktober 2026
Heute bin ich zum 2. Mal mit Presse-Akkreditierung bei der Verleihung des wichtigsten Musikpreises Deutschlands, dem OPUS KLASSIK. Wie schon im Jahr 2022 berichte ich über die Klassik-Stars und ihre Musik. Gerne nehme ich euch mit auf den Roten Teppich und gewähre euch einen Blick hinter die Kulissen im Pressebereich, wo es spannend zugeht.


Posieren für die Kameras auf dem RoteN Teppich in Sonne und Regen
Gegen 14:30 Uhr komme ich auf dem Gendarmenmarkt in Berlin Mitte an. Auf dem großen Platz zwischen dem Französischen Dom und dem Deutschen Dom liegt trotz Nieselregen eine Aura des Besonderen in der Luft. Ein leuchtend roter Läufer führt die Stufen zum Portal hinauf. Doch anders als im Jahr 2022 findet das Schaulaufen der Klassik-Stars nicht auf der Treppe statt, sondern vor einer überdachten Fotowand mit Rotem Teppich.


Als Erstes hole ich mir am Presse-Counter mein Bändchen fürs Handgelenk ab, jetzt habe ich „all inclusive“ Zugang zum Innenbereich, allerdings ohne Karte für den Saal, stattdessen werde ich die Show im Presseraum mitverfolgen.

Im Vorfeld habe ich einen minutiösen Ablaufplan erhalten, der darüber Auskunft gibt, welche Musikmenschen wann über den Roten Teppich schreiten werden – es gibt eine Rangfolge aufsteigend nach Prominenz, die größten Stars kommen zum Schluss. Eine Limousine bringt die geladenen Gäst*innen und Preisträger*innen im Pendelverkehr vom Hotel zum Roten Teppich. Ein Gang aus Metallbarrieren führt dorthin, wo sich einige Zaungäste aufhalten und neugierige Blicke auf das Defilee an gutgekleideten Promis und ihre Entourage werfen.
Ich nehme meinen Platz auf dem Podest vis-à-vis der Fotowand ein. Dort sind bereits ein Dutzend Fotografen im Einsatz, Vollprofis mit dicken Kameras. Ich positioniere mich mit meiner Handy-Kamera mal dahinter, mal dazwischen und mache meine eigenen Bilder.

Jedes Mal, wenn ein neuer Klassik-Star oder Gäst*in am Rande des Roten Teppichs auftaucht, wird sie oder er von einer Pressefrau mit Namen und Handschlag begrüßt (sie hat einen Papierbogen als Spickzettel dabei, wo alle Gäste mit ihrem Porträtfoto und Namen aufgelistet sind). Den Vornamen der abzulichtenden Person sagt sie uns Presseleuten jedes Mal an. Die Fotografen haben die Angewohnheit, dem Star auf dem Roten Teppich zuzurufen, in welche Kamera sie /er gerade blicken soll. Auch Wünsche für ein bestimmtes Posieren oder Agieren werden hereingerufen (z.B. „Jetzt bitte küssen“ zu einem Paar).

Die Parade der Stars neigt sich mit dem Erscheinen von Jonas Kaufmann gegen 15:15 Uhr dem Höhepunkt zu. Der Star-Tenor lässt sich Zeit und gibt seinen Fans (einige extra von weither für ihn angereist) an der Bande geduldig Autogramme und posiert für Selfies. Kaufmann, der auf eine erfolgreiche Karriere von über 20 Jahre zurückblicken kann, hat eindeutig die treusten Fans.

Sodann stellt er sich routiniert dem Blitzlichtgewitter.
Sogar den zugerufenen Sonderwunsch, er möge mit den Händen ein Herz formen, erfüllt er bereitwillig und gutgelaunt und lacht mit der Sonne um die Wette, die gerade zwischen den Wolken hervorlugt.

Am Ende der Fotosession gibt er noch Interviews.


Der Presseraum
Gegen 15:30 Uhr ist das Schaulaufen vor dem Konzerthaus beendet und ich begebe mich in den Pressraum im 2. Stock. Dort sind Tische zum Arbeiten aufgebaut und wir können die Gala auf einer Leinwand live mitverfolgen. Hinter der Trennwand des großen Raumes befindet sich eine weitere Fotowand unter Scheinwerfern, wo die Stars nach der Preisvergabe mit ihrem Opus Klassik erscheinen und posieren werden.


Die Gala mit Preisverleihung
Mit einer Viertelstunde Verspätung beginnt die Gala im Konzerthaus um 16 Uhr, die von Désirée Nosbusch schon zum 6. Mal in Folge moderiert wird. Diese erweist sich als charmante und spontane Gastgeberin. Am Dirigentenpult steht die junge Anna Rakitina, unter deren Leitung das Konzerthausorchester Berlin voller Elan aufspielt.
Jonas Kaufmann: Weltflucht und Weltschmerz
Den schwungvollen Auftakt der Gala bilden Jonas Kaufmann und Katharina Konradi mit dem Duett „Tanzen möcht‘ ich“ aus Emmerich Kálmáns Operette Die Csárdásfürstin. Tenor und Sopran entführen musikalisch in eine unbeschwerte Welt und fegen gemeinsam im Walzer über die Bühne.
„Das geht ins Blut“, meint Kaufmann nach dem Duett. Tenor und Sopran verraten, mit welchen Übungen sie sich bevorzugt einsingen (sie: „Staubsaugerübung“, damit putzt sie zwar nicht das Haus, dafür aber ihre Stimmbänder; er singt gerne in seine Hand). Katharina Konradi wird für die Solistische Einspielung Gesang (Franz Liszt: „Un Cycle Imaginaire“) geehrt.
Jonas Kaufmann nimmt den Preis für die Audiovisuelle Musikproduktion „Doppelgänger“ entgegen: Es handelt sich um eine eindrucksvolle Inszenierung von Franz Schuberts „Schwanengesang“ (Kaufmann mit Helmut Deutsch am Piano) unter der Regie von Claus Guth aus der Park Avenue Armory in New York (live im September 2023 aufgezeichnet, im Jahr 2025 als DVD veröffentlicht), in der das Seelenleben eines traumatisierten Heimkehrers aus dem Krieg evoziert wird (die szenische Darstellung des Tenors wird von Tänzern und Lichteffekten begleitet) – eine Darbietung von großer Intensität und Aktualität in der heutigen Zeit.
Kurz darauf erscheinen Kaufmann und Konradi mit ihren Preisen (die Statuette aus Holz stellt eine Stimmgabel dar) vor der Fotowand.
Danach holt sich der durstige Tenor eine Flasche Zitronenlimonade aus dem Kühlschrank (daraus dürfen auch wir Presseleute uns frei bedienen) und meint, das kitzele so schön die Zunge. Der passionierte Koch erzählt, dass der frische Zitronensaft bei keinem seiner Fischgerichte fehlen dürfe.

Im Saal: Anschließend verbinden Café del Mundo mit „Una Mattina, Arabian Nights“ und Musik aus Hans Zimmers Interstellar klassische Gitarrenmusik mit Einflüssen aus Film und Weltmusik.
Plädoyer für den künstlerischen Ausdruck des Menschen vs. Künstliche Intelligenz, die auf den Musikmarkt drängt
Die Pianistin Alice Sara Ott interpretiert von ihrem ausgezeichneten Album John Fields „Nocturne Nr. 9“ sehr träumerisch. Hellwach und kämpferisch hingegen ist die Rede der Münchenerin mit japanischen Wurzeln: Die Musikerin ist seit 20 Jahren bei derselben Plattenfirma und beobachtet voller Sorge den Wandel der letzten Jahre hin zum Streaming, das insbesondere von KI-generierter Musik überflutet wird. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz als Konkurrenz zur menschengemachten Musik stelle nicht nur die Plattenindustrie vor eine große Herausforderung, sondern auch jede einzelne Kunstschaffende, die sich dagegen behaupten müsse. Was die künstlerische Identität eines Menschen ausmache, werde aus individueller Lebenserfahrung genährt, auch aus Krisen im Leben, daraus entstehe eine künstlerische Handschrift. Der Mensch auf der Bühne sei gelebte Veränderung, die KI hingegen sei immer nur eine Kopie von bereits dagewesenem, sie kann nur zurückblicken. Der Kunst schaffende Mensch jedoch blicke in die Zukunft. Alice Sara Ott appelliert an unsere gemeinsame Verantwortung, die künstlerische Autonomie zu stärken, um nicht von der KI verdrängt zu werden. Es müsse eine klare Grenze gezogen werden zwischen KI als Hilfsmittel und menschengeschaffener Musik: „Kunst darf nicht von Beliebigkeit verdrängt werden.“

Weitere Preise
Mit Shira Patchornik und den CHAARTS Chamber Artists folgt eine Arie von Niccolò Piccinni, ein Barock-Stück, bei dem die Sopranistin ihre Koleraturen glänzen lässt.
Der 24-jährige Pianist Alexander Malofeev wird in der Kategorie Nachwuchskünstler*in des Jahres ausgezeichnet. Er spielt Werke von Sergej Rachmaninow.
Innovationspreis für Nachhaltigkeit
Gemeinsam mit dem Orchester des Wandels setzt der OPUS KLASSIK einen weiteren Schwerpunkt: Der Innovationspreis für Nachhaltigkeit geht an Gregor A. Mayrhofer für sein „Recycling Concerto“. Schon früh entwickelte Mayrhofer die Idee, alltägliche Gegenstände wie zum Beispiel Plastikflaschen in außergewöhnliche Klangerlebnisse zu verwandeln. In seiner Dankesrede betont Mayrhofer, dass Klimaschutz alle Menschen etwas angehe. Er habe sich ganz und gar der Nachhaltigkeit verschrieben. So unterliege auch die Sprache dem ständigen Wandel und man könne sie aufwerten und verbessern zum Beispiel durch das Gendern. „Grüße an Herrn Weimar“, sendet der Musiker ins Publikum, wo besagter konservativer Kulturstaatsminister sitzt (was in der Übertragung vom ZDF herausgeschnitten wird).
Frauenpower: Esther Abrami nutzt ihre Reichweite von über 1 Million Follower, um fast vergessene und aktuelle Musikerinnen ins Rampenlicht zu rücken
Die Violinistin Esther Abrami wird in der Kategorie Klassik ohne Grenzen ausgezeichnet. Die vielseitige Künstlerin erreicht über Social Media über 1 Million Follower und nutzt ihre Reichweite, um fast vergessenen Musikerinnen wie Hildegard von Bingen eine Bühne zu geben, ebenso wie einer Komponistin mit einem Marsch für die Sufragetten. Mit ihrem temperamentvollen Spiel begeistert die Violinistin mit „Flowers“ von Miley Cyrus und ihrem eigenen Werk „Envoutée“ das Publikum.

Esther Abrami mit ihrer Violine. Die Fotografen sind sich einig: Mit ihrem silbernen Kleid mit Pumphosen schießt sie an diesem Abend modisch den Vogel ab.
Sänger des Jahres
Andrè Schuen wird als Sänger des Jahres ausgezeichnet. Mit dynamischer Stimmführung und einigem Schalk bietet er Mozarts „Non più andrai“ aus Le nozze di Figaro dar. Der naturverbundene Bariton aus Südtirol hat seine musikalische Karriere als Cellist begonnen. Doch mit 17 hat er dank einer Schubert Partitur seine Liebe für den Gesang entdeckt.

Sängerin des Jahres
Anna Lucia Richter wird für ihr Gustav Mahler-Album „Songs of Fate“ als Sängerin des Jahres geehrt. Die Sängerin nimmt den Preis dankbar entgegen, verzichte jedoch heute auf eine Gesangsdarbietung, da sie erst vor 14 Tagen Mutter geworden ist. Désirée Nosbusch fragt, ob die Schwangerschaft sich auf die Stimme ausgewirkt habe. Die Mezzosopranistin meint dazu, die Hormone wirkten zwar auf den Körper ein, doch sie habe eine gute Gesangstechnik mit der sie jede Veränderung meistere. So will sie ab Dezember wieder auf der Bühne stehen. Die Moderatorin zaubert ein Geschenk für den kleinen musikalischen Nachwuchs hervor: Eine Rassel. Eine nette Geste, die von der frischgebackenen Mutter strahlend angenommen wird.

Zum Fototermin erscheint die Sängerin des Jahres kurz darauf mit ihrem Baby, das schlafend im Kinderwagen liegt und vom Vater betreut wird. Das Neugeborene sieht winzig wie ein Püppchen aus. Während Anna Lucia Richter für die Fotos posiert, gratuliere ich dem Vater, der mir verrät, dass die Kleine tagsüber viel schlafe, nachts allerdings ihre Eltern wachhalte. Die stolze Mutter präsentiert den Fotografen dann ihr kleines Mädchen, deren Gesichtchen sie jedoch verdeckt.

Kubanisches Flair: Mozart meets Mambo
Pure Lebensfreude verströmt die Darbietung der Hornistin Sarah Willis (Mitglied der Berliner Philharmoniker) gemeinsam mit The Sarahbanda. Ihre Sarahnade mambo verbindet Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“ mit musikalischen Einflüssen aus Kuba.

Preis für das Lebenswerk
Mit dem OPUS KLASSIK für ihr Lebenswerk wurde zudem die Pianistin Martha Argerich geehrt.
Fazit
Die Gala beweist eindrucksvoll, wie vielseitig und gegenwärtig klassische Musik ist und mit wie viel Können, Herzblut und Esprit die preisgekrönten Musikerinnen und Musiker ihre Kunst ausüben.
Eine vollständige Übersicht aller Preisträger*innen findet ihr HIER. Der musikalische Abend klingt mit einer Party aus und ich mache mich mit vielen wunderbaren Eindrücken auf den Heimweg.
Nachschau der Gala
Die OPUS KLASSIK Gala wurde am Sonntag, 11. Oktober, um 22:15 Uhr im ZDF ausgestrahlt. Im ZDF-Streamingportal ist die Sendung HIER abrufbar (bis 11.11.2026).
































































































