Halbzeit im NaNoWriMo – Eiszeit für Wörter – 40 ist die neue 50

Zum dritten Mal stelle ich mich im November wieder der Herausforderung des National Novel Writing Month (NaNoWriMo) – einen Roman mit mindestens 50.000 Wörter in 30 Tagen zu schreiben – und heute ist Halbzeit (Tag 15). Meine Bilanz: Ich trage hechelnd die rote Laterne und habe den Anschluss ans Feld verloren. Mein täglicher Wordcount kommt an vielen Tagen kaum über 500 Wörter hinaus, an zwei Tagen habe ich genullt. Manchmal schaffe ich die 1.667 Wörter des Tagespensums – lege mich zufrieden ins Bett (nach Mitternacht – denn ich schaffe den Kraftakt des Schreibens meistens erst nach 20 Uhr) – nur damit der Wörterkampf am nächsten Morgen wieder von vorne anfängt. Hinzu kommt, dass ich ständig mit meinen körperlichen Beschwerden (starke Kopfschmerzen) zu kämpfen habe, was die Schreiblust nicht gerade erhöht.

Für das Soll-Pensum brauche ich 2 ½ bis 3 Stunden reines Schreiben. Meistens versuche ich, vor dem Mitagessen eine 45 Minuten-Session zu machen – wenigsten 600-800 Wörter, damit ich am Abend innerhalb von 2 Stunden die fehlenden 1000 Wörter hinbekomme. In der Zwischenzeit gehe ich viel spazieren und denke ein bisschen über meine Geschichte nach (aber meistens entwickelt sich die Handlung beim Schreiben selbst).

Und worüber schreibe ich: Meinen Antarktis-Frauenroman habe ich schon im Mai diesen Jahres entworfen und eine Exposé plus 20 Romanseiten für das Berliner Autorenarbeitsstipendum eingereicht (bisher noch nichts gehört, ich rechne mit einer Absage). Vielleicht ist es ja dieser Umstand, dass ich das Konzept schon recht gut ausgearbeitet habe, was mich jetzt so hemmt – ich habe jedenfalls keine Lust, meinen „Fahrplan“ abzuarbeiten.

Also habe ich am ersten Tag einfach mit einem Brief der jungen Caroline Mikkelsen an ihre Lieblingsschwester begonnen (diese habe ich Elin genannt – übrigens ist die Webseite für dänische Vornamen die am häufigsten von mir aufgerufene – ich brauche ständig neue Namen – am zweit häufigsten suche ich nach Rezepten, denn meine Heldin nascht gerne süße Sachen und muss auch für ihre Schwiegermutter ein nordisches Fischgericht zubereiten). So beginnt der Brief: Sandefjord (Norwegen) im Sommer 1934, die 27-jährige Dänin Caroline ist frisch mit Kapitän Mikkelsen verheiratet (den sie kaum kennt und der 19 Jahre älter ist als sie) und muss sich in ihrer neuen Heimat zurecht finden.

In der Briefform ist es mir recht leicht gefallen, die Stimme dieser jungen Frau zu finden, die vertrauensvoll ihrer Schwester von ihren Gefühlen und Eindrücken erzählt (ich habe mich im Briefschreiben auch davon befreit gefühlt, „literarisch“ zu schreiben, Caroline schreibt von der Seele weg, sprunghaft, mit Zwischeneinschüben in Klammern und vielen Gedankenstrichen).

Dieses Konzept habe ich beibehalten und ich bin immer noch briefeschreibend bei Caroline, auch wenn ich mich immer wieder ermahnen muss, nicht von meinem Stil der ersten Tage abzuweichen (je länger ich schreibe, umso reflektierter drückt sich Caroline aus, ich streiche zwischendurch immer wieder zu „gehobene“ Vokabeln und Formulierungen).

In den ersten drei Tagen habe ich die Begegnung von Caroline mit der Familie Christensen beschrieben, die ihre Antarktisexpediton von 1935 beauftragen. In dieser Brieferzählung kam der Kapitän nur am Rande vor und obwohl ich Caroline mit (naiver) Bewunderung über ihn schreiben lasse, klingt doch sein herrisches Temperament durch und ich habe einen Geizkragen aus ihm gemacht (so kontrolliert er zum Beispiel Carolines Haushaltskasse).

Am Tag 4 habe ich mir überlegt, dass man so nicht nachvollziehen kann, warum Caroline diesen Mann geheiratet hat. Also bin ich zeitlich in das Jahr 1933 zurück gesprungen, nach Frederikshavn (Dänemark) und habe mich ausführlich in die Begegnung des Paares vertieft: Sie arbeitet im Büro ihres Onkels, der einen Fischgroßhandel betreibt, der Kapitän ist Zulieferer und kommt als Geschäftsparter ins Büro und so kreuzen sich ihre Wege. Dann gibt es ein erstes „Date“, außerdem taucht eine Konkurrentin in Person der Bürovorsteherin Fräulein Olsen auf.

In den letzten Tagen habe ich beschrieben, wie Caroline (mit zwiespältigen Gefühlen) die Einladung des Kapitäns auf einen Besuch in seine Heimatstadt annimmt (der seine Heiratspläne klar zu verstehen gibt, die Mutter von Caroline drängt ihre Tochter, auf das Werben des Norwegers einzugehen). Heute habe ich eine Szene begonnen, in der Caroline ihrer skeptischen Schwiegermutter in spe etwas vorkochen soll (was gründlich schief geht).

Bei alledem habe ich mich alleine von meiner Fantasie leiten lassen – die biografischen Informationen über Caroline Mikkelsen (später Mandel), die ich von ihrem Sohn und aus diversen Zeitungsartikeln gewonnen habe, sparen diese frühe Phase ihres Lebens aus.

In vielen Details fehlt es mir an historischem Wissen (z.B. wie waren die Häuser in Norwegen in den 1930er ausgestattet, wie war die Infrastruktur von Sandefjord, wie fuhren die Autos, welche Musik wurde gehört, welche kitschigen Frauenbücher wurden gelesen – meine Suche hierzu bei Google hat keine Treffer ergeben) und von der Ausstattung eines Walfängers ganz zu schweigen. Aber im Moment will ich mich davon nicht aufhalten lassen (ich schreibe einfach auf Geratewohl), die historisch korrekten Details muss ich dann in der Überarbeitungsphase einfügen bzw. berichtigen.

Ich werde nun erstmal so weiter machen und nicht versuchen, meinen Plot-Plan abzuarbeiten. Im Moment habe ich keine Lust (und keine Inspiration), zu meiner zweiten Protagonistin Jesse zu wechseln, der Journalistin in Australien, die sich im Jahr 1995 auf die Suche nach der ersten Antarktis-Betreterin macht.

Völlig klar ist, dass ich bis Ende November die Romanhandlung nicht (annähernd) zuende schreiben kann. Und den 50.000 Wörtern will ich auch nicht mehr hinterher hecheln (ich könnte es bei einem Tagespensum von ca. 2.100 Wörtern noch schaffen). Ich sage mir: 40 ist die neue 50.

Mein neues Ziel sind 40.000 Wörter (das kann ich mit dem regulären Tagespensum von 1.667 Wörtern schaffen – das ist schwer genug).

Meine ernüchternde Statistik

PS: Die 925 Wörter dieses Blog-Artikels füge ich als Autorinnenreflexion in mein Romandokument ein – diese werden gnädig für heute mitgezählt.

Hier nun zu meiner (und eurer) Aufmunterung eine kleine Leseprobe (das nächste Mal lernt ihr dann Kapitän Mikkelsen und die Schwiegermutter kennen):

Sandefjord, 10. Juni 1934

Meine liebe Elin,

du möchtest bestimmt wissen, wie es deiner Schwester in der neuen Heimat geht. Klarius hat ein solides Haus direkt am Hafen von Sandefjord für uns gekauft, es ist aus Holz und hat einen roten Anstrich und weiße Fensterrahmen. Jetzt im Sommer haben wir nur in der Küche den Ofen an, aber Klarius sagt, auch im Winter werden wir es warm haben. Wir haben uns schon gut aneinander gewöhnt.

(…)

Ich greife den Stift wieder auf und muss dir unbedingt erzählen, was ich gestern erlebt habe. Klarius und ich waren bei Familie Christensen zum Abendessen eingeladen. Wie du vielleicht weißt, ist Herrn Lars Christensen der bedeutenste Reeder in Norwegen und hier in Sandefjord die bedeuteste Person der Stadt, nicht nur für die Walfänger und Seeleute. Viele der wichtigsten Expeditonen in die Polarregionen wurden von Herrn Christensen finanziert und angeleitet. Er selbst ist erst in diesem Frühling von einer Antarktis-Expedition zurück gekehrt.

(…)

Also habe ich für den Besuch mein bestes Kleid angezogen (ein dunkelblaues Kleid mit hohem Gürtel und einem selbst gestickten weißen Kragen), auch Klarius hat sich fein gemacht und sein Sonntagsjackett angelegt. Die Christensens wohnen in einen herrschaftlichen Haus (doppelt so groß, wie unseres) oberhalb des Stadtzentrums mit einem Panoramablick auf den Hafen. Ein Hausmädchen hat uns die Tür geöffnet und in einen behaglichen Salon geführt. Ingrid Christensen kam herein, um uns Willkommen zu heißen und hat mit ihrer Persönlichkeit den ganzen Raum ausgefüllt. Sie ist eine kleine, rundliche Dame (knapp über 40 Jahre alt) mit sehr wachen hellen Augen und einem starken Kinn. Ihr Mund dominiert ihr Gesicht, denn er ist ständig in Bewegung. Ihre Lippen kräuseln sich wie die Wellen des Meeres, mal amüsiert, dann ironisch, manchmal abfällig (oder besser gesagt: ärgerlich – man sieht ihr direkt an, wenn ihr etwas nicht behagt – sie mag es zum Beispiel nicht, wenn jemand eine Bemerkung macht wie: “Das ist doch nichts für Frauen” – sie ist nämlich eine Frau, die alles kann und tut, was auch ein Mann vermag), aber am häufigsten öffnen sich ihre Lippen zu einem runden Lachen (das ihre nicht ganz geraden Zähne zeigt) und die Worte sprudeln über ihre Lippen. Sie hat eine Stimme wie eine Glocke – wenn sie spricht, hören alle zu und wer neben ihr spricht, wird übertönt. Sie kam auf mich zu wie ein Dampfschiff in voller Fahrt und hat ihre runde Wange an meine gelegt und mich in einer kräftigen Umarmung an ihren Busen gedrückt.

“Endlich lerne ich die hübsche stille Dänin besser kennen!Warum verstecken Sie Ihre Frau denn so vor uns?”, rief sie und kuffte meinem Mann in die Seite. Dass ich als still gelte – wie schon früher in der Schule – ist bestimmt keine Überraschung für dich, liebe Schwester, aber hier in meiner neuen Heimat bin ich noch fleißig dabei, Norwegisch zu lernen.

(…)

Nach dem Essen haben Herr Christensen und mein Mann sich in die Bibliothek zurück gezogen, um weitere Details der anstehenden Expedition zu planen.

Frau Christensen hat mich ins Damenzimmer gebeten – wieder ein eindruckvoller Raum, vollständig ausgelegt mit exotischen Teppichen (aus Persien und Indien) und ausgestattet mit tiefen weichen Sofas und Sesseln mit Blumenmuster und unzähligen Tischchen verschiedener Größe aus Holz mit Glasplatten, überall Blumenschmuck in verzierten Vasen. Aber neben den typisch weiblichen Elementen gab es auch viele Stücke, die auf die Reiseleidenschaft der Bewohnerin schließen lassen: Holzski und Schneestöcke hängen an der einen Wand, das weiße Fell eines Eisbären liegt vor dem Kamin und in den Glasvitrinen sind Haifischzähne und einige ausgestopfte Vögel zu sehen (zumindest die Möwe habe ich erkannt). Ein Blickfang war die wandfüllende Weltkarte – ich blieb neugierig davor stehen und Ingrid – ja meine Gastgeberin hat mir sobald wir alleine waren das “Du” angeboten und ich bin glücklich, dass wir uns nun vertrauensvoll beim Vornamen anreden – also Ingrid hat mir anhand der vielen Pinnnadeln mit farbigen Holzköpfen (für jede Reise gibt es eine andere Farbe), die in der Weltkarte steckten, die Reiserouten und Orte gezeigt, die sie schon zusammen mit ihrem Mann bereist hat.

Schon drei (!) Mal (1930, 1933 und 1934) war Ingrid mit an Bord der Thorshavn und hat als erste Frau (zusammen mit ihrer Begleiterin Mathilde Wegger, die ich auch bald kennenzulernen hoffe) die Landschaft der Antarktis mit eigenen Augen gesehen. Als wir auf dem Sofa saßen hat Ingrid mir ein Fotoalbum mit erstaunlichen Bilder dieser eisigen Landschaft gezeigt (sie selbst hat diese Fotos gemacht – auch die Kamera hat sie mir später vorgeführt). Wie niedlich diese Pinguine ausschauen! Wie kleine Oberkellner im Frack. Sie hat erzählt, diese Vögel watscheln aufrecht und sehen allzu drollig dabei aus (sie hat mir ihren Gang sogar vorgemacht und ich musste herzhaft lachen), aber sobald die Pinguine im Wasser sind, schwimmen sie mit der Eleganz von Balletttänzern.

Ich habe vor Staunen meinen Mund kaum wieder zu bekommen.

„Hattest du keine Angst vor den Gefahren des Eismeeres, so weit entfernt von der Zivilisation und jeder Hilfe?“, wollte ich wissen.

„Nein!“, hat Ingrid gerufen und ihre Lippen formten wieder das große Rund, „auf dem Schiff meines Mannes bin ich sicher. Mit einem guten Kapitän und einer ordentlichen Mannschaft muss man sich nicht fürchten. Das Schiff ist bestens erprobt und die Seeleute haben große Erfahrung im Beschiffen der Antarktis. Natürlich muss man als Frau auf an Bord auf einigen Komfort verzichten. Aber Mathilde und ich hatten warme Kajüten, auch an das Schwanken des Schiffes gewöhnt man sich nach einigen Tagen – na gut, die Seekrankheit macht einem schon zu Beginn ein wenig zu schaffen, aber das ist auszuhalten. Die Mannschaft war sehr rücksichtsvoll zu uns Damen (Herr Christensen hat ihnen das Fluchen in unserer Gegenwart verboten). Der Koch hat für uns ein extra gutes Essen bereitet. Am Abend haben wir mit den Offizieren Karten gespielt.“

Ich war besonders von einem Foto fasziniert, das Ingrid und Mathilde an Deck des Schiffes zeigt, sie tragen elegante Pelzmäntel und modische Hüte, Ingrid blickt fast kokett in die Kamera – sie sehen aus, als wären sie bereit, auf einen Ball zu gehen.

„Wir haben jeden Nachmittag einen Spaziergang an Deck gemacht und dazu unsere schönsten Pelze angezogen und Schmuck und Lippenstift aufgetragen – auch wenn die Runden entlang der Reling sehr klein waren. Die Mannschaft hat uns bestaunt. Nur weil man am untersten Ende der Welt schippert, muss man sich ja nicht gehen lassen.“ Ingrid lachte wieder aus voller Kehle, was so ansteckend und heiter klingt, dass ich mir wünschte, auch mit ihr auf Reisen gehen zu können.

„Mein Mann hat zu uns gesagt: Für die Erforschung der Antarktis braucht es Tatkraft und Kultiviertheit, wir Männer bringen das Eine und ihr Damen das Andere mit.“

„Ist es dort nicht schrecklich kalt?“, wollte ich wissen.

„Wir sind ja im arktischen Sommer gefahren, dann ist es dort sogar wärmer, als in einem harten norwegischen Winter. Außerdem kommt es auch auf die richtige Kleidung an. Das Wichtigste sind warme Handschuhe“. Ingrid sprang auf und holte ein paar Fäustlinge aus einer Truhe beim Fenster. Ich befühlte sie neugierig – die Fäustlinge waren fast so schwer wie die Boxhandschuhe von Bruder Finn, ein glattes braunes Leder umhüllt das Innere, das mit weicher Lammwolle gefüttert ist. Mir stieg ein herber Geruch in die Nase – der kommt vom Polaröl d.h. Fischtran (wie mir Ingrid verriet), mit dem das Leder regelmäßig eingerieben werden muss, damit es nicht spröde wird. Ich steckte meine rechte Hand hinein und fühlte mich gerüstet für jedes Abenteuer. Ein herrliches Gefühl!

Print Friendly, PDF & Email
Please follow and like us:
error

10 Antworten auf „Halbzeit im NaNoWriMo – Eiszeit für Wörter – 40 ist die neue 50“

  1. Hi Ulrike,
    ich finde es heldenhaft, wie du dich erneut dieser großen Herausforderung stellst. An den beiden Romanen von 2017 und 2018 (die ich mit Begeisterung lesen durfte) zeigt sich, dass sich die Anstrengung lohnt: Du hast so viele gute Ideen!
    Also Hut ab vor deiner Disziplin. Sei aber nicht zu hart mit dir – das Herunterlegen der Wordcount-Latte finde ich vernünftig: realistische Ziele setzen.
    Deine Strategie, erstmal das zu schreiben, worauf du Lust hast – und ohne Perfektionsanspruch – ist super!
    Als Leserin deines Werkauszugs kann ich bestätigen, dass die Erzählung im Briefformat sehr lebendig rüber kommt und sich die Schreiberin darüber gut charakterisieren lässt. Die historischen Details kannst du ja später ergänzen, was du dir für damals ausdenkst, hat auch was.
    Die Szene mit der Begegnung mit Ingrid finde ich sehr gelungen, eine schillernde Figur. Auch die Neugierde deiner Protagonistin auf den Südpol wird deutlich. Auch deinen Humor finde ich erfrischend.
    Also: weiter so, lass einfach alle deine Gedanken locker aus der “Feder” (bzw. deinen tippenden Fingern) fließen!
    LG Dorit

  2. Liebe Ulrike,
    beim letzten Grünraumschreiben in Iserlohn hat mir/ uns Sabine von deiner Idee erzählt. Ein Roman über die erste Frau in der Antarktis. Schon nach den ersten Textstellen hat mich die Geschichte gefesselt und nicht nur mich, sondern heute Morgen beim Darübererzählen und Vorlesen auch meinen Mann. Wir werden deine Idee verfolgen.
    Auch ich weiß, wie spannend es ist, Orte zu besuchen, an denen etwas Besonderes passiert ist oder wie du sagst, möglichst gründlich zu recherchieren (ich habe u.a. Dublin unsicher gemacht 😉 Wie spannend muss es erst sein, mit Nachkommen von Protagonisten zu sprechen und zu schreiben und die Erlaubnis zu bekommen, die Geschichte zu erzählen. Dieses Gefühl, das du als aufgeregtes Verliebtsein beschreibst, kann ich gut nachvollziehen.
    Deine Figuren kommen alle gut rüber, sehr natürlich, gerade Caroline, als junge Frau aufgeregt und doch auch angepasst, aber kein Duckmäuser … ich schiebe jetzt auch mal in Klammern ein (wie hätten wir uns verhalten, wenn wir in eine arrangierte Ehe mit einem viel älteren Mann gemusst hätten, damals, in einer anderen Zeit …).
    Schreib bitte genau so weiter, mit Stipendium oder ohne, du hast schon treue Blog Mitleser gefunden.
    Apropos Frauen hinter berühmten Männern … ich habe die Tage in einem Buchladen bei uns “Frau Einstein“ gefunden, ist eventuell interessant für dich mal querzulesen, falls du das Buch nicht schon kennst. Ich kenne bisher aber auch nur den Klappentext.
    Es ist November. NaNoWriMo Zeit.
    Herzlichen Schreibgruß aus Iserlohn, Sonja

    1. Vielen Dank liebe Sonja, ich freue mich sehr über deine Zeilen! 🙂 Danke für deine Ermutigung. Ja, das Hineindenken in eine frühere Zeit (auch mit historischer und persönlicher Recherche) ist eine schöne Herausforderung. Gerade für Frauen waren die Möglichkeiten in Berufs- und Partnerwahl viel eingeschränkter, als heute – umso faszinierender finde ich es, wie eine bescheidene Frau wie Caroline doch so beharrlich und bejahend ihren Lebensweg gegangen ist. Auf eine Vorort-Recherche (wie du in Dublin) habe ich auch große Lust – in Sandefjord gibt es ein großes Walfangmuseum (mit dem Original-Schiff von Amundsen, der mit seiner Mannschaft 1911 als erster den Südpol erreicht hat), das der Zeitgenossen von Caroline Mikkelsen – Lars Christensen – in den 1930ern dort eingerichtet hat. Ich habe also schon ein gutes Reiseziel für den nächsten Sommer.
      Danke für den “Frau Einstein”-Tipp. Interessante Frauen im Schatten ihrer berühmten Männer sind immer eine Entdeckung wert.

      Übrigens finde ich deinen Blog sehr ansprechend und erkenne dich aus den letzten Jahren von Mias Adventskalendergeschichte wieder (da werden wir uns hoffentlich bald wieder schreibend begegnen). 🙂
      Ich wünsche dir eine gute NaNoWriMo-Schreibzeit. Wir sind dort nun auch “Buddies”. Du liegst ja super gut im Wordcount mit deiner Romance. Da würde mich eine Leseprobe auch sehr interessieren (vielleicht auf deinem Blog?).

  3. Liebe Ulrike,
    Qualität kommt von Qual, hat mein Journalismus-Prof immer getönt. Mit diesem Herrn war ich nicht immer einer Meinung und, Gott sei Dank, sind mir auch schon gute Texte einfach so aus der Hand geflossen. Und trotzdem, wenn ich deinen Auszug lese, scheint etwas Wahres an diesem Satz zu sein. Es zieht mich rein in die Zeit, nach Skandinavien und aufs Eismeer, obwohl das mich sonst wenig interessiert. Ich wünsche dir von Herzen, dass du die Qualität deiner Erzählung erkennst und sie über die Quantität stellen kannst.
    Und was spricht dagegen, einen Briefroman zu schreiben (zumindest für den Erzählstrang der Caroline)? Mit dieser Ich-Perspektive verliehest du der Geschichte Intensität.
    Wenn übrigens jemand die rote Laterne trägt, dann bin ich das – ich habe gestern zur Halbzeit endlich die 10.000-Wörter-Marke geknackt. Und bin erstaunlicherweise zufrieden, weil ich jeden Tag im Monat am Entwurf saß (bei meinem persönlichen Ziel, 75 Stunden/Monat, liege ich bei 41 Stunden) und ich den Roman in meinem Tempo wachsen sehe.
    Ich bin jedenfalls gespannt, demnächst mehr von Caroline zu lesen, und wünsche dir Gelassenheit und Schreibfreude.
    LG Amy

    1. Vielen Dank für deine aufbauenden Worte, liebe Amy! Den Spruch mit der Qual für die Qualität finde ich gut (auch wenn man sich oft wünscht, Qualität würde sich ganz mühelos einschleichen – manchmal gelingt es ja auch). Ja, mit meiner Briefform bin ich sehr zufrieden (so sehr, dass ich gar nicht mehr in die dritten Person wechseln möchte, in der ich meinen Roman begonnen hatte – aber ich werde das für den Erzählstrang im Jahr 1995 doch tun – das schafft auch eine deutliche stilistische Unterscheidung für die Leser*innen).
      Ich finde es super, dass du dich auch vom NaNoWriMo-Rahmen zum Schreiben bringen lässt – mit eigenen Vorgaben. Gratuliere zu deinen 10.000 Wörtern! Dein Roman wird bestimmt gut! Wenn du soweit bist, Testleserinnen heran zu lassen, stehe ich gerne zur Verfügung. Wünsche dir weiterhin gute Inspiration und Schreibfreude. 🙂

  4. Liebe Ulrike,
    ich finde die Briefform genial. So fühle ich mich als Leserin direkt angesprochen. Schreibt Caroline nicht eigentlich sogar mir? Für mich wirkt die Beschreibung des Ambientes sehr stimmig. So würde ich mir ein Damenzimmer in der damaligen Zeit vorstellen. Ob es so war, spielt nicht so die entscheidende Rolle. Entscheidend ist vielmehr, ob Du mit Deiner Beschreibung in mir zur Erzählung passende Bilder hervorrufst. Und das tust Du. Ich sehe Ingrid aus vollem Hals lachen in einem der Sessel sitzen und mit Händen und Füßen von der Reise in die Antarktis erzählen. Mach weiter so und wenn am Ende die 35 die neue 50 sind, dann ist es auch egal. Ich hoffe, wir dürfen weiter mit lesen.
    Liebe Grüße
    Anne

    1. Vielen Dank liebe Anne! Ich freue mich, dass die Briefform und die Szenenbeschreibung so lebendig bei dir angekommen sind. 🙂 Solch ein positives Leserinnenfeedback ermutigt und motiviert mich total. Werde bald noch weitere Auszüge mit dir und den anderen teilen.

  5. Liebe Ulrike,

    ich finde Euch NaNoWriMo-Kämpfer*Innen ja alle ganz bewundernswert! Ihr könnt stolz auf Euch sein!
    Mir gefällt diese Briefform auch sehr. Mir geht es da ganz wie Anne, Du erzeugst für mich mit dieser Erzählform eine Atmosphäre, die mich sofort in die Geschichte hineinzieht. Caroline hat so für mich eine Stimme, der ich gerne lausche…
    Das Tempo ist doch schnuppe, Hauptsache Du bleibst dran, aber da mache ich mir gar keine Sorgen. 🙂

    Liebe Grüße
    Mo…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.