H – Himmelsblind

Es gibt ihn noch

den Vogel

der in den Himmel steigt

seine Flügel spannt

nicht schmelzend nicht stürzend

 

der Vogel

im schwarzen Gefieder

mit schwarzen Augen

die nach innen schauen

schwebend blind im Himmelsblau

 

blaublind

das ist seine Leichtigkeit

Flug ohne Richtung

windzerzaust ist sein Gefieder

zerzaust und trotzdem heil

 

sie tragen ihn

die Federn und der Wind

Sturm mag kommen

die Fratze des Windes

lässt ihn alles vergessen

 

vergessen sind

die Antworten

auf falsche Fragen

die Rufe

von unnahbaren Ufern

 

Tag und Nacht

sind ausgelöscht

im blauen Himmelsblind

ausgetauscht

gegen die Unendlichkeit

 

er weiß nicht mehr

was seine Augen früher sahen

jetzt liegt er im Wind

in den Armen der Willkür

windblind

 

es ist gut so

er braucht nichts mehr

zu entscheiden

außer zu atmen

ein und aus

 

ein und aus

ein Trommeln

aus Gedanken

ein Herz

aus Trommeln

 

Gedankentrommel

taumelt im Herzen

sein Herz hört zu

ganz offen

ganz Ohr

 

blaues Herz

schlägt mit

im selben Rhythmus

ohne Grund

Herzenshimmelsblind

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14 Antworten auf „H – Himmelsblind“

  1. Was für ein schönes Gedicht! Da habe ich gleich ganz viele Bilder vor Augen und Wind ums Gesicht … und fühle mich geradezu wie ein Vogel. Solch einen Flug mache ich nachher mal – mit verträumtem Blick in den Himmel – in meinen Gedanken.
    Merci für diesen zauberhaften Wort- und Bilderflug!

    PS: Deine Fotos dazu gefallen mir auch sehr gut. Das Titelbild ist ein H mit Flügeln, oder? Sieht irgendwie bewegt und schwebend aus, fast höre ich den Herzschlag.

  2. Liebe Ulrike,
    Dein Gedicht hat mich ganz stark in ein Gefühl hineingenommen! Danke! So viel Sehnsucht nach Freiheit, Luft, Weite. Da kann ich gut mit einstimmen. Mir gefällt das Wort „Herzenshimmelblind“.
    Liebe Grüße
    Christiane

  3. liebe Ulrike,
    wow, ganz stark, einfühlsam und holt mich direkt bei meinem Gefühl ab …
    Meine Lieblingsstelle:
    *vergessen sind
    die Antworten
    auf falsche Fragen
    die Rufe
    von unnahbaren Ufern*

    Wunderschöne BiIder ohne Ende …
    liebe Grüße,
    Mia

  4. Liebe Ulrike,

    Tag und Nacht
    sind ausgelöscht
    im blauen Himmelsblind
    ausgetauscht
    gegen die Unendlichkeit

    welch ein stimmungsvolles Bild. Man möchte immer hinein schauen in dieses blinde Himmelsblau bis hin zur Endlichkeit. Dieser Vers atmet Weite.

    Herzlich
    Anne

  5. Oooh,
    welch wunderschönes, tief berührendes Gedicht! Die entworfenen Bilder sind facettenreich, die Wortschöpfungen elegant und bewegend.
    Ich bin hin und weg…
    Zwischen allen Lieblingsstellen ist das die, die mich am längsten festhält:

    „jetzt liegt er im Wind / in den Armen der Willkür / windblind“

    Dankeschön!
    mo…

  6. Liebe Arabella,

    neben dem Begriff Himmelsblind bin ich besonders bei den Zeilen blaublind/ das ist seine Leichtigkeit hängengeblieben.

    Mit einem solchen Gedicht beginnt mein Morgen sinnestrunken, herzlichen Dank dafür und wo kann ich dir folgen? Ich habe so viele deiner Beiträge schon verpasst, sehe ich gerade und bin doch so ein großer Fan deines Schreibstils.

    alles Liebe

    Hedda

    1. Vielen Dank liebe Hedda! 🙂 Du kannst bei den social-media-buttons auf „follow by Email“ klicken, dann bekommst du eine Nachricht, wenn ein neuer Artikel online geht. Ich sende dir herzliche Poesiegrüße.

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